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04.11.2014 13:17 Alter: 7 yrs

Pflegefall - was Sie im Fall des Falles tun müssen

Kategorie: Ratgeber, Hilfen, Dienstleister

Fotolia | © Peter Maszlen

Ein Pflegefall in der Familie ist nichts, was man sich wünscht, keine Frage, aber die Statistiken und daraus abgeleitete Prognosen sprechen eine verstörend klare Sprache.

Je nachdem, ob man die offiziellen Zahlen heranzieht (im Fachjargon heißt das „Prognose des Statistischen Bundesamtes zur Entwicklung der Anzahl von Pflegebedürftigen in Deutschland nach Geschlecht bis 2030 und ausgehend von der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung der Statistischen Ämter“) oder das, was Insider für realistischer halten, steigt die Zahl pflegebedürftiger Menschen in Deutschland bis 2030 um mehr als 30% auf dann 3,4 bis 4,2 Mio. an.

Insbesondere Pflegeexperten wie Martin Wysocki, Geschäftsführer der bundesweit vertretenen Firma Pflegehelden Franchise GmbH, halten die Zahlen des Statistischen Bundesamtes für schlicht zu niedrig und eine Zahl von über 4 Mio. Für wesentlich realistischer: „Wenn wir uns allein die Steigerungen in den letzten beiden Jahren ansehen und vor allem die demographische Entwicklung einbeziehen, braucht man kein Hellseher zu sein, um zu wissen, dass wir die vom statistischen Bundesamt erst für 2030 prognostizierten 3,4 Mio. Pflegebedürftiger wesentlich früher erreichen werden.“, so der Pflegeinsider.

Aber bei den genannten Zahlen ist es fast schon einerlei, welche Prognose letztendlich näher an der Realität sein wird. Auch die offiziellen Statistiken sagen zwischen den Zeilen ganz klar, dass unser gesamtes Pflegesystem – angefangen bei der Pflegeversicherung über Pflegeheime bis hin zu den Angehörigen, an denen nicht selten die Hauptlast der Pflege hängen bleibt, heillos überfordert sein werden.

Und die Zahlen sagen noch etwas: Mit der Zahl der Pflegebedürftigen steigen auch die Chancen für jeden von uns, in irgendeiner Weise mit dem Thema Pflegefall in Berührung zu kommen. Ganz grob lassen sich dabei folgende Fälle unterscheiden:

Der Pflegefall tritt mehrheitlich schleichend ein: Ein Mensch wird mit zunehmendem Alter oder aufgrund altersbedingter Krankheiten, wie Demenz etc. langsam gebrechlicher und kann sich irgendwann nicht mehr allein versorgen.

Manchmal geht es aber auch ganz schnell: Ein Autounfall, ein Sturz mit dem Fahrrad, beim Sport oder im Haushalt, ein Schlaganfall etc. und jemand aus der Familie oder Sie selbst werden pflegebedürftig.

Und damit sind wir auch bei der Frage „wer ist pflegebedürftig?“ - Sie selbst oder ein Mensch aus Ihrem Umfeld (Partner, Elternteil, Kind etc.). Wir sprechen also von Menschen jeden Alters und in allen Lebensabschnitten, die mit dem Thema Pflege in Berührung kommen können - ganz egal ob als direkt oder nur indirekt Betroffene. Und jeder der genannten Fälle bringt ganz eigene Probleme mit sich.

Die gesetzliche Definition von Pflegebedürftigkeit versucht allen gerecht zu werden und definiert Pflegebedürftigkeit relativ breit:

Laut ‚Elften Buch Sozialgesetzbuch-Soziale Pflegeversicherung‘ werden davon alle Personen erfasst, „die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung in den Bereichen der Körperpflege, der Ernährung, der Mobilität, und der hauswirtschaftlichen Versorgung auf Dauer – voraussichtlich für mindestens sechs Monate – in erheblichem oder höherem Maße der Hilfe bedürfen.“

Die folgende Checkliste gibt Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Maßnahmen, die im Pflegefall getroffen werden müssen bzw. sollten:

1.    Stellen Sie schnellstmöglich einen Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung. Das geht bei Ihrer Krankenversicherung, der Pflegekasse oder einem Pflegestützpunkt in Ihrer Nähe. Dieser Antrag kann auch von Angehörigen, Bekannten oder Nachbarn gestellt werden, wenn Sie sie dazu bevollmächtigen.

2.    Lassen Sie sich so umfassend wie möglich beraten. Von der Pflegekasse erhalten Sie eine Vergleichsliste über die Leistungen und Vergütungen der zugelassenen Pflegeeinrichtungen, es gibt Kurse für pflegende Angehörige und weitere Beratungseinrichtungen, wie die regionalen Pflegestützpunkte. Für die Private Pflege-Pflichtversicherung bietet das Unternehmen „COMPASS Private Pflegeberatung“ diese Pflegeberatung an.

3.    Nachdem Sie die Leistungen der Pflegeversicherung beantragt haben, wird der sogenannte ‚Medizinische Dienst der Krankenkassen‘ (MDK) mit der Begutachtung zur Feststellung Ihrer Pflegebedürftigkeit beauftragt.

4.    Mit Blick auf diese Begutachtung sollten Sie möglichst sofort damit beginnen, ein Pflegetagebuch darüber zu führen, bei was Sie Hilfe benötigen (Waschen, Anziehen, Essen etc.). Notieren Sie auch, wie viel Zeit dies in Anspruch nimmt. Diese Angaben sind für die MDK-Begutachtung sehr wichtig.

5.    Klären Sie familienintern, ob die Pflege längerfristig durch Angehörige oder andere Pflegepersonen durchgeführt werden kann und inwieweit Sie auf die Hilfe eines ambulanten Pflegedienstes zurückgreifen möchten. Ist eine Pflege zuhause unmöglich, können Sie sich über entsprechende Pflegeeinrichtungen informieren und beraten lassen.

6.    Zuletzt: Wenn Sie weder auf pflegende Angehörige zurückgreifen können (oder wollen), noch in ein Pflegeheim möchten, prüfen Sie die Möglichkeit für eine 24H-Pflege zuhause. Osteuropäische Pflegekräfte machen diese Variante zum Teil sehr viel günstiger, als das Pflegeheim. Verrechnet man die Leistungen der Pflegeversicherung z.B. bei Pflegestufe 1 und steuerliche Vorteile mit den Kosten, liegt der Aufwand für eine 24H-Pflegekraft oft bei unter 1.000 EUR im Monat (Beispielkalkulation siehe www.pflegehelden.de/pflegekraefte-aus-polen/preise)