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Unterhaltung

16.03.2008 15:54 Alter: 14 yrs

Salzburger Osterfestspiele mit Wagners «Walküre»

Kategorie: Theater und Oper, Regierungsbezirk Oberfranken

In seinem berühmten Monolog im zweiten Akt der «Walküre» saß Wotan (Willard White) bei der Eröffnung der Salzburger Osterfestspiele am Samstagabend in einem Aquarium.

Robert Gambill als Siegmund und Eva Johansson Brünnhilde in Wagners «Die Walküre».

Salzburg (dpa) - Blau-grünes Wasser umspülte ihn als Filmprojektion, als er seiner Tochter Brünnhilde (Eva Johansson) seine Lebensbeichte vortrug. Zuvor war er als durchaus menschlicher Götter-Gatte von Fricka (Lilli Paasikivi) vor einem ebenfalls projizierten prächtigen Alpenpanorama ängstlich unter den Tisch gekrochen, als Brünnhilde den Namen Fricka nur erwähnt hatte. Einem Teil des Salzburger Premieren-Publikums gefiel diese zum Teil statische Interpretation von Richard Wagners (1813-1883) Oper offenbar nicht. Der Regisseur Stéphane Braunschweig erntete am Schluss kräftige Buh-Rufe.

Umjubelter Star des Abends war Eva-Maria Westbroek als Sieglinde. Ihr reiner Sopran war stimmlich nahezu perfekt, dramatisch überzeugend und in jeder Phase des Vortrags beeindruckend. Der Schlussapplaus hob sie aus einem hochqualifizierten Sänger-Ensemble deutlich hervor. Neben ihr glänzten Bassbariton White als Wotan mit melodisch-markanter Stimmführung, Johansson als schauspielerisch und sängerisch überzeugende Brünnhilde und Mikhail Petrenko in der Rolle Hundings mit einem makellosen Bass.

Simon Rattle betonte mit den Berliner Philharmonikern mehr die Musikdramatik als den Wagnerschen Mythos. Er setzte die Leitmotivik des «Rings» plausibel in Szene und führte die indirekte Rede des Orchesters als «Vorahnung der Handlung» feinfühlig im Dialog zu den Sängerpassagen. Doch in weiten Teilen dominierten dann die Effekte, wurden Tiefe und Dimension der mythischen Dramatik dieses ersten Tages des Bühnenfestspiels um Ehebruch und Inzest, dem Kampf der Wälsungen und Götter, zu schnell und zu laut überspielt. An einigen Stellen hatten die Sänger-Solisten Mühe, sich gegen die Klangwucht zu behaupten. Das Orchester folgte seinem Chefdirigenten mit gewohnter Präzision und Professionalität.

Die Osterfestspiele in Salzburg wurden 1967 von Herbert von Karajan gegründet. Jährlich präsentieren sich seitdem die Berliner Philharmoniker am Vorabend des Palmsonntag mit einer Opernproduktion. Rattle startete 2007 gemeinsam mit dem Ensemble Wagners «Ring des Nibelungen». Bis 2010 soll die Tetralogie in Salzburg realisiert sein. Die diesjährige «Walküre» ist eine Koproduktion mit dem französischen Festival d'Art lyrique d'Aix-en-Provence.