Donnerstag, 28.10.2021

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Lachen ist die beste Medizin

Das Wort Humor kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet sinngemäß Feuchtigkeit oder Saft. In der klassischen Antike glaubte man, dass die richtige Mischung der Körpersäfte eine gute Stimmung hervorbringt. In diesem Zusammenhang klingt der Begriff „trockener Humor“ schon ein wenig merkwürdig, ganz anders dagegen der „saftige Witz“. Kinder lachen übrigens täglich über 400 Mal, Erwachsene in der Regel nur etwa 15 Mal. „Lachen ist die beste Medizin“, wusste schon der antike Arzt Hippokrates.


Es gibt keine umfassende Theorie des Humors, und vielleicht ist es auch nicht schade darum. Denn ein theoretisch säuberlich zerlegter und erklärter Humor ist sicherlich nicht besonders lustig. Die gängigen Erklärungen sind alle nicht besonders befriedigend; am meisten leuchtet noch die Aussage ein, dass Humor alles das ist, was Menschen zum Lachen bringt – und das ist schon wieder fast eine Binsenweisheit. Man unterscheidet viele Arten des Humors, von der Selbstironie über die Ironie, den Spott, den Sarkasmus bis zum Zynismus. Man kennt Witze, Späße, Possen und Streiche. Humor kann albern sein, schwarz und bitter, golden oder leicht, beflügelnd oder vernichtend und – therapeutisch.

Wie wirkt Humor?

Die Wirkung des Humors nach außen ist in jedem Fall das Lachen, wenn auch nicht immer bei allen Beteiligten. Es gibt jedoch auch eine Wirkung des Humors nach innen. Einen „Rettungsanker persönlichen Überlebens“ nannte die KZ-Überlebende Edith Eger den Humor. Ihr Lehrer, der Neurologe und Psychiater Victor Frankl, bezeichnet ihn als „Waffe der Seele im Kampf um Selbsterhaltung“. Humor als Lebenshaltung gibt seinem Träger die Möglichkeit, sich von den Widrigkeiten des Lebens zu distanzieren und sie geistig zu besiegen. Humor gehört zu den großen Widerstandskräften des Geistes. Nicht umsonst fürchten Tyrannen neben dem Attentat nichts mehr als den Humor. Er kann sie lächerlich machen und ihnen den Anschein der Allmacht rauben.

Lachen kann heilen


Als der amerikanische Redakteur Norman Cousins an Spondylarthritis erkrankte, gaben ihm die Ärzte kaum eine Überlebenschance. Die sehr schmerzhafte Wirbelsäulen- und Gelenkserkrankung galt als nahezu unheilbar und zum sicheren Tode führend. Norman Cousins gab jedoch nicht auf und begann alle Informationen zusammenzutragen, die er über seine Krankheit finden konnte. Beim Lesen der Berichte und Abhandlungen lernte er, dass Mutlosigkeit und negative Einstellung einen schlechten Einfluss auf das Abwehrsystem des Körpers habe. Im Umkehrschluss dachte er, dass Heiterkeit und Wohlgefühl die gegenteilige Wirkung haben müssten.
Er ließ sich gegen den Rat seiner Ärzte aus dem Krankenhaus entlassen und zog in ein nahe gelegenes, bequemes Hotel. Dort ließ er sich von einer Krankenschwester lustige Filme vorführen und witzige Bücher vorlesen. Er machte eine Lachkur. Er lud Freunde ein zum Mitlachen. Es ging ihm bald besser, und seine Krankheit heilte völlig. Als er im Jahre 1990 im Alter von 75 Jahren starb, hatte er 26 Jahre länger gelebt, als seine Ärzte ihm prophezeit hatten.

Norman Cousins hat über seine Heilung ein Buch geschrieben. Er gründete an der Universität von Los Angeles die Abteilung für therapeutische Humorforschung (Gelotologie).


Warum ist Lachen gesund?


Die Humorforschung untersucht seit den siebziger Jahren den Zusammenhang zwischen Gesundheit und Humor. Lachen hat etwa die gleiche Wirkung auf den Körper wie Jogging oder andere leichte Sportarten. Es eignet sich daher auch für Menschen, die aufgrund von Behinderung oder anderen Einschränkungen nicht mobil sind. Das Herz-Kreislaufsystem wird aktiviert. Lachen dehnt die Gefäße, und regelmäßiges Lachen hält die Gefäßwände elastisch und beugt so den gefürchteten Herz-Kreislauferkrankungen vor. Die Atmung wird verstärkt, so dass der Gasaustausch der Lunge um 300 bis 400 Prozent gesteigert wird. Damit kommt mehr Sauerstoff ins Blut. Für ein stabiles Herz-Kreislaufsystem empfiehlt der Wissenschaftler Michael Miller von der Universität von Maryland in Baltimore neben regelmäßiger sportlicher Betätigung jeden Tag mindestens 15 Minuten zu lachen.


Durch das Lachen wird das Schmerzempfinden deutlich verringert. Selbst Patienten mit chronischen Schmerzen können davon profitieren. Gezieltes Lachtrainig kann sogar bei Krebspatienten schmerzmindernd wirken, bei denen herkömmliche Mittel versagen. 


Es ist schon länger bekannt, dass das Immunsystem des menschlichen Körpers stark von der Stimmung beeinflusst wird. Entsprechende Studien zeigen, dass die Abwehrkräfte von Probanden, die beispielsweise einen lustigen Film gesehen haben, auf deutlich höherem Niveau liegen als etwa bei solchen, die aus einem Kriegsfilm kommen. Unsere Stimmung beeinflusst direkt die Ausschüttung von Hormonen.


Medizinischer Humor

Es ist nicht verwunderlich, dass Mediziner sich Gedanken machen, wie solche Erkenntnisse in den klinischen Alltag umgesetzt werden können. Einer der bekanntesten Pioniere des klinischen Humors ist der amerikanische Arzt Dr. Patch Adams. Er begann, Patienten mit Humor zu behandeln. Er gründete das „Gesundheit! Institute“, wo er Patienten kostenlos behandelte. Der Neubau einer Klinik auf Spendenbasis ist gegenwärtig in Vorbereitung. Das Leben von Dr. Patch Adams wurde mit dem Schauspieler Robin Williams verfilmt.


Dr. Michael Titze beschäftigte sich ebenfalls intensiv mit dem Thema. Der Diplom-Psychologe, psychologische Psychotherapeut und Psychoanalytiker gründete 2001 den Verein HumorCare Deutschland und war bis 2005 Vorsitzender. Auch in der Schweiz hat er den therapeutischen Humor mit großem Erfolg vorangebracht. Die Schweizer nehmen den Humor sehr ernst.
Der gelernte Arzt Dr. med. Eckhardt von Hirschhausen hängte den weißen Kittel an den Nagel und wurde Kabarettist. Sein Ziel ist nach wie vor die Gesundheit seiner Patienten – Pardon??– Zuschauer. „Viele Elemente meiner Bühnenshow sind auch Teil der Psychotherapie. Wäre ich in der Klinik geblieben, hätte ich das jedem Einzelnen erzählen müssen. Jetzt erreiche ich 1500 Leute an einem Abend – etwa so viele wie in fünf Jahren als Arzt.“ Er wundert sich darüber, dass seine Leistungen nicht von der Krankenkasse bezahlt werden. Sein aktuelles Buch „Die Leber wächst mit ihren Aufgaben“ steht zur Zeit auf Platz 1 der Bestsellerliste des Spiegel.



Humor in der medizinischen und pflegerischen Praxis
Dr. von Hirschhausen unterstützt die Bewegung „Rote Nasen – Clowns im Krankenhaus“. Die Mitglieder besuchen Patienten in Krankenhäusern, Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Eine Clownvisite erfolgt jeweils zu zweit. Sie arbeiten Hand in Hand mit dem Pflegepersonal. Vor dem Einsatz schminken sich die Clowns und bereiten sich gemeinsam auf ihre Arbeit vor. Dann klopfen sie an die Tür, und erst, wenn sie hereingerufen werden, betreten sie das Zimmer. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt in den Kinderkliniken, doch auch für alte Menschen wurde ein spezielles Programm entwickelt. Mit Musik und Tanznummern aus deren Jugendzeit sowie den entsprechenden Umgangsformen gehen die Clowns auf sie ein.
Auch in stationären Pflegeeinrichtungen sind Clowns zunehmend gern gesehene Gäste, deren regelmäßiger Besuch das Klima in Senioreneinrichtungen nachweislich verbessert. Ihre Fröhlichkeit und ihr Humor wirken ansteckend. Lachen entspannt Pflegende, Kranke und ihre Angehörigen. Auch das Verhältnis zueinander wird lockerer. Selbst alte Menschen mit Demenz sind für Humor empfänglich und wachen aus ihrer Versunkenheit auf, wenn der Clown mit seinen Späßen zu Besuch kommt. Selbstverständlich lassen sich Clowns auch für zu Hause buchen. Es muss nicht ein Kindergeburtstag sein; auch pflegende Angehö


Das Lachen lernen

Kinder lachen täglich bis zu 400 Mal. Bis sie erwachsen sind, haben sie viele Sachen gelernt, aber in den meisten Fällen das Lachen verlernt: Erwachsene lachen durchschnittlich nur 15 Mal am Tag; sie müssen das Lachen erst wieder erlernen. Hilfe bekommen lachwillige Menschen zum Beispiel durch das von Madan Kataria entwickelte Lachyoga. Der indische Arzt hat  im Jahre 1995 die Bewegung der Lachclubs angeschoben. Weltweit gibt es inzwischen weit über 6000 solcher Lachvereine, in denen Menschen über äußere Übungen wie  Atem-, Dehn- und Pantomimetraining zum Lachen finden. Über solche Übungen wird schließlich das Lachen von innen erlernt. Schließlich erhalten die Teilnehmer von Lachkursen die Anregung, auch außerhalb des Lachclubs zu lachen…

Wer gar keinen Grund zur Heiterkeit findet, dem sei gesagt, dass es pro Jahr zumindest einen Grund zum Lachen gibt, auf den man sich entsprechend vorbereiten sollte: Der erste Sonntag im Mai ist nämlich nicht nur Muttertag, sondern auch Weltlachtag der Lachyogabewegung.  


Ansprechpartner für Humor


DEUTSCHLAND

BUBUBÜ
Buntes Bundesbündnis
Eine Seite für Clowns und Interessierte
Mit vielen Links zu Clows nach Ortsnamen geordnet
www.bububue.de

HumorCare Deutschland e.V.
Geschäftsstelle:
Preysingstraße 10
D-81667 München
Telefon 00 49 (0)89 / 4 80 19 05
Mobil 00 49 (0)1 60 / 7 20 17 71
info@humorcare.com
www.humorcare.com

ROTE NASEN Deutschland e.V.
Clowns im Krankenhaus
Fröbelstraße 15
Haus 13
D-10405 Berlin
Telefon 00 49 (0)30 / 4 98 55-900
Fax 00 49 (0)30 / 4 98 55-902
office@rotenasen.de
www.rotenasen.de

TAMALA-CENTER
Schule für klinische Clowns
Bücklestraße 7
D-78467 Konstanz
Telefon 00 49 (0) 75 33 / 36 16
Mobil 00 49 (0)1 79 / 6 62 56 11
Fax 00 49 (0) 75 33 / 73 82
info@tamala-center.de
www.tamala-center.de

Verband der deutschen
Lach-Yoga-Therapeuten e.V.
Preysingstraße 10
D-81667 München
Telefon 00 49 (0)89 / 4 80 19 05
Fax 00 49 (0)89 / 44 48 95 60
info@hoho-haha.de
www.hoho-haha.de


SCHWEIZ

HumorCare Schweiz
Gesellschaft zur Förderung von Humor
in Pflege, Therapie und Beratung
Postfach 2326
CH-8022 Zürich
www.humorcare.ch

Stiftung Humor & Gesundheit
Picassoplatz 4
CH-4052 Basel
Telefon 00 41 (0)61 / 278 93 63
Fax 00 41 (0)61 / 278 93 96
info@stiftung-humor-und-gesundheit.ch
www.stiftung-humor-und-gesundheit.ch



Buchtipps

Der Arzt in uns selbst
Von Norman Cousins
 Schirner Verlag
Taschenbuch, 190 Seiten
ISBN 978-3-89767-621-3
8,95 € / 16.90 CHF
9,30  € (AT)






Die Humorstrategie
Auf verblüffende Art Konflikte lösen
Von Inge Patsch und
Dr. Michael Titze
Kösel Verlag
Kartoniert, zahlreiche Illustrationen, 240 Seiten
ISBN 9783466306732
15,95 € / 31.10 CHF 


 
Das kann ja heiter werden
Humor und Lachen
in der Pflege
Von Iren Bischofberger (Hrsg.)
Hans Huber Verlag
Broschiert, 288 Seiten
ISBN 3-456-83831-X
26,95 € / 45.80 CHF



Humor im therapeutischen Prozess
 Dimensionen, Anwendungsmöglichkeiten und Grenzen für die Pflege
Von Eckhard Lotze
Mabuse-Verlag
Broschiert, 153 Seiten
ISBN 3-935964-19-6
18,– € / 32.90 CHF




Die Leber wächst mit ihren Aufgaben
Kurioses aus der Medizin
Eckart von Hirschhausen
Rowohlt Taschenbuchverlag
Taschenbuch, 224 Seiten
ISBN-10 3499623552
ISBN-13 978-3499623554
9,95 € / 18.60 CHF