Donnerstag, 28.10.2021

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Bowling im Rollstuhl

Bowling im Rollstuhl – aktivierende Computerspiele

„Das ist doch was für junge Leute“ – das ist die Standardreaktion älterer Menschen auf Computerspiele. Doch wenn man den Bewohnern einer Senioreneinrichtung in München zusieht, wird man eines Besseren belehrt.

 
Im Münchenstift St. Joseph wird Bowling gespielt – und zwar mit einer Computerkonsole. Das Gerät Wii des japanischen Herstellers Nintendo unterscheidet sich deutlich von ähnlichen Konsolen anderer Hersteller. Denn mit der Wii-Remote genannten kabellosen Fernbedienung muss der Spieler die Bewegung des Wurfs ausführen, um spielen zu können.
Die Sensoren messen die Bewegung und die Position der Remote und melden sie an die stationäre Konsole. Auf einem Fernsehbildschirm oder einer Leinwand kann der Spieler dann beispielsweise den Lauf der Bowlingkugel verfolgen. Dabei ist die Fernbedienung leicht und bequem zu handhaben – ganz im Gegensatz zu einer echten, mehrere Kilo schweren Bowlingkugel. Das Alter spielt keine Rolle; selbst Menschen im Rollstuhl können die Spiele ausführen.


Ein Projekt beginnt


Diese Eigenschaften brachten den Studenten für Soziale Arbeit in München Markus Deindl und seinen Kommilitonen Josef Kiener auf die Idee, in einem Projekt im Rahmen Erlebnispädagogik das Wii Bowlingspiel mit Senioren einzusetzen. Markus Deindl: „Als die Spielkonsole Nintendo Wii im Dezember 2006 herauskam, habe ich sie sogleich zu Weihnachten erworben. Am ersten Weihnachtstag, als wir unsere alljährliche Weihnachtsfeier bei meinen Großeltern hatten, habe ich die Wii mitgenommen, da ich dachte, dass mein älterer Bruder und mein Cousin auch Freude daran haben werden. Doch zeigten sich nicht nur die beiden, sondern auch meine Oma und mein Opa daran interessiert. Dies war ziemlich ungewöhnlich, zumal sich meine Großeltern nie für meine neuen technischen Geräte begeistern konnten. Es waren die Bewegungen und der Spaß am Spielen an der Spielkonsole, was meine Großeltern faszinierte.“


Dass sie sich ein Projekt für und mit Seniorinnen und Senioren ausdachten, begründen die beiden Studenten auch damit, dass sie glauben, dass ältere Menschen in unserer Gesellschaft immer ein wenig außen vor bleiben. Josef Kiener: „Dabei verdanken wir den heutigen Wohlstand gerade der Generation, die heute im Seniorenalter ist.“


Anlaufschwierigkeiten

Bei der Projektplanung erhielten die beiden unternehmungslustigen Studenten zunächst jede Menge Absagen. Heimleiter oder Pflegedienstleiter waren in vielen Fällen der Meinung, die Seniorinnen und Senioren kämen mit der Technik der Geräte nicht zurecht oder dass die älteren Leute damit sicher keinen Spaß hätten. Zu Beginn der Veranstaltungen in den Heimen waren die Bewohner tatsächlich zunächst sehr skeptisch. Doch nach einer Probephase mit einer intensiven Einweisung kam dann wachsende Begeisterung bei den Aktiven auf. Sie lernten rasch die Bedienung des Spielgerätes und verbesserten ihre Technik von Wurf zu Wurf.
Erfolgreiche Durchführung


Bei der von den Studenten organisierten Stadtmeisterschaft beteiligten sich fünf Münchener Einrichtungen mit jeweils zwei Teams von je vier Teilnehmern.

Die beim Bowlingspiel erzielten Punkte wurden zusammengezählt. Die Mannschaft mit der höchsten Punktzahl gewann schließlich – eine Wii-Konsole, gestiftet vom Hersteller. Doch auch die anderen fünf Einrichtungen erhielten vom Hersteller je eine Konsole.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren begeistert, und auch die Heim- und Pflegedienstleitungen waren vom Ausbruch der Vitalität ihrer Bewohner überrascht.


Weil das Projekt so erfolgreich war, haben die Studenten und ihr Professor entschieden, eine deutschlandweite Meisterschaft im Wii-Bowling für Senioren durchzuführen. In ihrem Praxissemester bereisen Markus Deindl und Josef Kiener 10 Großstädte. Jeweils fünf Senioreneinrichtungen können sich für die Teilnahme bewerben. Die Veranstaltungen in Stuttgart und Köln fanden bereits im August statt.


Weitere Informationen über das Projekt finden Sie auf der Homepage von Markus Deindl und Josef Kiener unter der Internetadresse: www.wii-senioren.de



Elektronik wird „menschlich“

Mit der neuen Technik nähert sich der Computer wieder ein Stück weit seinem Erfinder an. Der scheint inzwischen erkannt zu haben, dass das Gehirn eben doch nicht alles vom Menschen ist. Nachdem über Jahrzehnte hin die Geräte nur über Tasten ansprechbar waren, kommt nun der ganze Körper zum Einsatz. Möglich wurde dies durch neue Technologien, die über Bewegungssensoren dreidimensional abbilden können. Der Computer „weiß“ dadurch, wo der Nutzer steht, und wie sich dieser bewegt.


Eine ganze Reihe von neuen Eingabegeräten basiert auf dem neu entdeckten Konzept der Körperlichkeit. So gibt es zu der Wii-Konsole das Bodenbrett „Balance Board“, das durch Gewichtsverlagerung – geradeso wie beim echten Sport – die Spielfigur etwa beim Skifahren steuert. Auch ein Fitnessprogramm gibt es zu dieser Erweiterung.


Neue Mobiltelefone lassen sich inzwischen über berührungsempfindliche Bildschirme steuern und erkennen durch ihre Sensoren, wie sie gehalten werden; hält man das Telefon ans Ohr, unterbricht es beispielsweise das Abspielen von Musik.