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Tierwelt

07.03.2008 14:23 Alter: 14 yrs

Gefährliche Zeckenbisse: Hunde jetzt vor Babesiose schützen

Kategorie: Tierwelt

Wenn ein Hund plötzlich Fieber bekommt und nichts mehr fressen will, stecken oft harmlose Krankheiten dahinter. Doch in den vergangenen Jahren mussten Tierärzte immer häufiger auch die gefährliche Krankheit Babesiose diagnostizieren.

Die Auwaldzecke - hier per Mikroskop um ein Vielfaches vergrößert - überträgt die für Hunde gefährliche Babesiose. (Bild: «zeckenfilm.de»/dpa/tmn)

Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Auch 2008 könnte die sogenannte Hundemalaria wieder zuschlagen. Deshalb ist Vorsorge wichtig. Die Babesiose ist der Menschen-Malaria sehr ähnlich, sagt Astrid Behr vom Bundesverband Praktizierender Tierärzte in Frankfurt. «Der Hund bekommt starke Fieberschübe, wirkt apathisch, muss sich immer wieder erbrechen und leidet an Durchfall und Nierenversagen.» Die Krankheitserreger überträgt die Auwaldzecke, die es früher nur am Mittelmeer gab. «Durch den Tourismus konnte sie vor einigen Jahren in unsere Gefilde einwandern.» Zuerst nistete sie sich rund um München ein und gelangte von dort in alle Bundesländer.

Die Krankheitserreger zerstören die roten Blutkörperchen des Hundes. Nach einer Infektion dauert es zwischen zehn Tagen und drei Wochen, bis die Krankheit ausbricht. «Für den Menschen ist der Erreger nicht gefährlich. Wird der Hund aber nicht behandelt, kommt es unweigerlich zum Tod», warnt Katrin Umlauf vom Deutschen Tierschutzbund in Bonn. Auch jeder zehnte behandelte Hund stirbt.

Weil einige Symptome unspezifisch sind, kann sich der Tierarzt durch eine Blutuntersuchung vergewissern, ob es sich wirklich um die Hundemalaria handelt. Mithilfe von Antibiotika, Chemotherapeutika und Bluttransfusionen ist es inzwischen möglich, sie erfolgreich zu behandeln.

Damit es nicht soweit kommt, sollten Halter vorher aktiv werden. «Gerade wenn man vorhat, mit dem Hund südliche Urlaubsländer zu besuchen, ist es ratsam, noch vor Reiseantritt den Tierarzt aufzusuchen», rät Astrid Behr. «Er kann ihn mit bestimmten Mitteln behandeln, die kurzfristig während der Urlaubszeit wirken.»

Wer sicher gehen will, sorgt vor Beginn der Zecken-Hauptsaison im Frühjahr vor: «Es gibt Mittel, die einerseits Zecken vertreiben, sie aber auch töten, wenn sie schon im Fell sitzen», sagt Behr. «Das sind die sogenannten Spot-on-Produkte.» Sie werden dem Hund zwischen die Schulterblätter oder am Schwanzansatz verabreicht. Die Gefahr ist selbst mit dem Ende der Zecken-Zeit im Herbst noch nicht vorbei: «Während der inzwischen eher milden Winter können Zecken in unseren Breitengraden ganz gut überleben.» Deshalb empfiehlt es sich, nach jedem Spaziergang das Fell gründlich abzusuchen.

Das beugt auch anderen Risiken vor: «Nicht nur die Auwaldzecke überträgt gefährliche Krankheiten», sagt Ingo Nolte von der Klinik für Kleintiere der Tierärztlichen Hochschule in Hannover. «Immer häufiger müssen wir auch andere Krankheiten behandeln, die Zecken und Mücken verursacht haben.» Das Absuchen ersetzt zumindest in der Zecken-Hauptsaison die Präparate aber nicht, sagt Umlauf: «Gerade die Larven der Zecken sind so klein, dass man sie kaum sieht.»

Findet der Halter eine Zecke unter dem Fell seines Hundes, sollte er sie sofort entfernen. Dafür eignet sich am besten eine feine Pinzette. Beim langsamen Herausziehen wird möglichst weit vorn am Kopf der Zecke angesetzt. Danach sind Hände und Bisswunde mit 70-prozentigem Alkohol oder Desinfektionsmittel zu reinigen. Ist ein Teil der Zecke in der Haut steckengeblieben, muss sofort ein Tierarzt aufgesucht werden.