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Tierwelt

07.03.2008 14:26 Alter: 14 yrs

Auch Hunde sollten Zähne putzen: Zahnpflege bei Haustieren

Kategorie: Tierwelt

Für Menschen sollte die Zahnpflege eine tägliche Routine sein. Doch wie ist es mit den Zähnen von Hunden, Katzen und Kleintieren? Wie sorgfältig müssen die gepflegt werden?

Dieser Kater versteht Spaß: Nur richtig putzen lassen würde er sich die Zähne ebensowenig wie die meisten anderen Katzen. (Bild: Schierenbeck/dpa/tmn)

Tübingen/Dortmund (dpa/tmn) - «Einem Hund etwa sollte man regelmäßig die Zähne putzen», rät der Fachtierarzt für Kleintiere Thomas Steidl aus Tübingen. Dadurch lässt sich unter Umständen verhindern, dass beim Vierbeiner gebohrt werden muss oder andere Behandlungen notwendig werden.

Wichtig ist, die Hunde im Welpenalter daran zu gewöhnen, dass ihnen ins Maul geschaut wird. «Es gibt diesen alten Schäferspruch: Wer das Maul beherrscht, beherrscht den ganzen Hund», sagt Udo Kopernik, Pressesprecher des Verbandes für das Deutsche Hundewesen in Dortmund. «Wenn ein Hund früh lernt, das mit sich machen zu lassen, dann hat man später keine Probleme mehr, wenn die Zähne und Zahnfleisch kontrolliert werden müssen.»

Schließlich haben viele Hunde mit voranschreitendem Alter Zahnprobleme. «Karies tritt zwar eher selten auf», erläutert Steidl, der auch Landesvorsitzender des Bundesverbands Praktizierender Tierärzte in Baden-Württemberg ist. Doch häufiger leiden sie unter Erkrankungen des Zahnfleischs und der Zahnwurzel sowie unter Zahnstein. Als Anzeichen dafür nennt der Veterinär Mundgeruch oder erhöhten Speichelfluss. «Probleme beim Kauen sind eher ein schlechtes Kriterium, weil Hunde weniger schmerzempfindlich sind.»

Für das alltägliche Zähneputzen bei Hunden, das der Halter selber durchführt, gibt es spezielle Hilfsmittel. «Neben den normalen, weichen Bürsten werden Fingerzahnbürsten mit angerauten Noppen angeboten», sagt Kopernik. Die zieht der Hundebesitzer auf den Finger, macht etwas Zahnpasta darauf und kann so die Zähne reinigen. Die Creme gebe es in verschiedenen Geschmackssorten, die Hunden sehr gut schmecken. Der Vierbeiner kann diese nach der Anwendung ohne gesundheitliches Risiko schlucken.

Einer Katze die Zähne zu putzen, wird sich in den meisten Fällen als Unmöglichkeit herausstellen. «Wenn einem Besitzer das gelänge, wäre das eine zirkusreife Nummer», sagt Steidl. «Die lassen sich das nicht gefallen und verweigern da anders als ein konditionierter Hund die Mitarbeit.»

Stattdessen kann die Zahnpflege bei Katzen durch die Auswahl des Futters unterstützt werden. «Man kann beispielsweise zu Hartfutter, harter, getrockneter Milz oder Kaustreifen greifen, die es zum Teil auch mit zahnreinigenden Enzymen gibt», rät der Tierarzt Klaus Staudacher aus Aachen. «Durch das Hereinbeißen werden Belege entfernt und die Zähne auf diese Art gereinigt.»

Karies ist für Katzen ohnehin kein Problem. Stattdessen haben sie hauptsächlich Kummer mit einer schmerzhaften Krankheit namens FORL - Feline Odontoklastische Resorptive Läsionen. Dabei entkalken die Zähne und brechen ab - zum Teil sogar bis zur Wurzel. «Davon sind Katzen in jedem Alter betroffen. Ab einem Alter von fünf Jahren ist es sogar fast jede Zweite», schätzt Staudacher. Aufhalten lässt sich der Zerstörungsprozess bislang noch nicht. Die Ursachen dieser Krankheit sind bisher nicht bekannt.

Kleintiere sind von solchen Problemen nicht betroffen. «Bei Meerschweinchen und Kaninchen etwa ist es wichtig, dass man ihnen für den Abrieb der Zähne Heu zu fressen gibt», rät der Tierarzt mit dem Spezialgebiet Zahnheilkunde. Schließlich wachsen die Zähne bei Kleintieren immer weiter, und wenn sie dann ihre Zähne nicht abreiben können, kommt es zu schmerzhaften Fehlstellungen. Wichtiges Indiz in so einem Fall: Die Nager essen nichts mehr und ziehen sich zurück. Beim Menschen wäre das mit solchen Schmerzen kaum anders.

INFO: Besser keine Zahnsteinentfernung ohne Narkose

Vor einer Zahnsteinentfernung ohne Narkose warnt Thomas Steidl eindrücklich: «Zunehmend gibt es Menschen, oft aus dem Umfeld der Hundesalons, die das auf diese Weise durchführen», sagt der Tierarzt aus Tübingen. «Für den Hund kann das jedoch gesundheitliche Probleme mit sich bringen.» Ist das Tier bei der Behandlung unruhig, könnten durch falsche Bewegungen mit dem Ultraschallgerät Löcher in den Zahnschmelz gebrannt werden. Daher sollten Zahnsteinentfernung und die auch für Katzen wichtigen Zahnkontrollen beim Tierarzt erfolgen - beispielsweise anlässlich einer jährlichen Routine-Impf-Untersuchung.