Dienstag, 20.10.2020

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Buchempfehlung

Sonderthema | Mobilität

Reifen können Leben retten

Die Tage werden wieder länger und die Temperaturen steigen.

Zeit für Sommerreifen. Wer jetzt neue braucht, sollte nicht nur nach den Preisen schauen.


Sicherheit zählt.

Ein guter Reifen bringt das Auto beim Bremsen deutlich schneller zum Stehen. Zwei bis drei Wagenlängen liegen zwischen den guten und den schlechten Reifen im Test.

Die Stiftung Warentest hat 175er und 195er Sommerreifen untersucht. Gemeinsam mit dem ADAC und verschiedenen europäischen Partnern.

Die Liste der Testdisziplinen ist lang: Regenkurs, Apuaplaningkanal, Hochgeschwindigkeitsparcour, Bremstest, Konvoifahrten, Rollenprüfstand und weitere Tests mehr.

Billigreifen oft riskant

Ergebnis: Nur 15 von 37 Reifen sind gut. Vier kommen dagegen mit mangelhaft ins Ziel. Ihre Bremswege sind viel zu lang. Die Zitterkandidaten heißen Avon, Tigar, Trayal und Wanli. Bis auf Avon alles No-Name-Produkte. Solche Reifen tauchen immer häufiger in Werbeprospekten auf. Geiz ist aber bei Autoreifen alles andere als geil.

Beispiel: Der Trayal T400. Für nur 35 Euro der billigste Sommerreifen im Test. Aber auch der schlechteste. Er läuft selbst auf trockener Fahrbahn nur mangelhaft. Es fehlt ihm an Griff und Stabilität, vor allem bei hoher Geschwindigkeit.

Kompromisse gefragt

Ein guter Autoreifen muss spurtreu, sicher und kurvenstabil laufen. Auch bei Regen. Kurze Bremswege sind Pflicht. Leise abrollen soll der Reifen, Kraftstoff sparen und möglichst lange halten.

Die Komposition ist immer auch ein Kompromiss. Ein geringer Rollwiderstand etwa reduziert den Kraftstoffverbrauch, bedeutet aber oft weniger Griff. Vor allem bei Regen. Die Hersteller müssen ihre Reifen fein abstimmen. Zwischen optimalem Rollwiderstand und optimalem Griff. Einige Anbieter beherrschen das besser als andere.

Kleinwagen: Pirelli fährt vorn

Bester Kleinwagenreifen im Test ist der Pirelli Cinturato P4. Dieser besonders verschleißfeste Sommerreifen der Größe 175/65 R 14 überzeugt durch rundum gute Fahreigenschaften.

Bei Regen und bei Sonnenschein. Qualitätsurteil gut, Note 2,1. Stückpreis etwa 60 Euro.
Auf Platz zwei folgt der Continental EcoContact 3. Ein guter Reifen, der bei Regen ganz vorne fährt. Stückpreis ebenfalls 60 Euro. Die schlechteren Umwelteigenschaften kosten den Continental allerdings Punkte.
Der EcoContact 3 erhöht den Rollwiderstand. Der Kleinwagen verbraucht dadurch etwas mehr Sprit als mit den anderen guten Reifen im Test.

Fulda preiswert und gut

Deutlich billiger als das Spitzenduo und kaum schlechter ist der Fulda EcoControl. Qualitätsurteil gut, Note 2,4. Stückpreis nur etwa 49 Euro. Ein rundum guter Sommerreifen. Noch preisgünstiger ist der Maloya Crono 465t. Mittlerer Stückpreis: nur 44 Euro. Qualitätsurteil gut, Note 2,5. Der Maloya ist allerdings weniger verschleißfest als die anderen guten Kleinwagenreifen im Test.

Mittelklasse: Kopf an Kopf

Bei den Kompakt- und Mittelklassereifen laufen Bridgestone und Pirelli Kopf an Kopf. Die Tester prüften die Reifengröße 195/65 R 15 V auf einem VW Golf. Der Bridgestone Turanza ER300 und der Pirelli P6 gehen als Sieger durchs Ziel. Qualitätsurteil gut, Note 2,3. Auch im Preis sind die Spitzenreiter gleichauf: etwa 83 Euro pro Reifen. Der Bridgestone überzeugt vor allem auf trockener Fahrbahn. Er fährt hier als einziger Reifen ein sehr gut ein. Der Pirelli dagegen ist besonders gut bei Regen.


Preisvergleich lohnt sich


Hinter dem Spitzenduo folgen bei den Kompakt- und Mittelklassereifen der Continental PremiumContact 2 für 81 Euro und der Vredestein Sportrac 3 für 70 Euro. Punktgleich mit Note 2,4 - Qualitätsurteil gut.

Noch etwas günstiger ist der Maloya Futura Sport V. Stückpreis: 63 Euro. Ebenfalls gut. Alle genannten Preise sind Durchschnittswerte. Zuzüglich Felge und Montage.

Die Preisspanne im Handel ist groß. Vergleichen Sie die Angebote verschiedener Händler und fragen Sie nach günstigen Komplettpreisen für Reifensatz und Montage. So können Sie insgesamt durchaus hundert Euro sparen mit Markenreifen.

So finden Sie den passenden Reifen

•    Reifengröße. Die Größe des Reifens ist auf die Reifenflanke geprägt. Beispiel: 175/65 R14 T. Dieser Reifen ist 175 Millimeter breit. Die 65 nach dem Schrägstrich zeigt das Verhältnis von Höhe zu Breite. Je kleiner die Zahl, desto flacher der Reifen. Kleine Zahlen sind typisch für Breitreifen. „R“ kodiert die Reifenbauart und steht für Radialreifen = Gürtelreifen. 14 ist der Felgendurchmesser in Zoll. Der folgende Buchstabe kodiert die Geschwindigkeitsklasse, T = zugelassen bis 190 km/h.

•    Fahrzeugschein. Im neuen Fahrzeugschein wird seit Oktober 2005 nur noch eine Reifengröße genannt. Im allgemeinen der kleinste für das Fahrzeug zugelassene Sommerreifen. Beachten Sie die Bemerkungen und Ausnahmen im neuen Fahrzeugschein (Zeile 22). Dort können weitere zugelassene Reifengrößen verzeichnet sein.

•    Zulassung. Welche Reifen zugelassen sind, hängt von Motorleistung, Fahrzeuggewicht und Höchstgeschwindigkeit ab. Fragen Sie den Autohersteller, Ihre Vertragswerkstatt oder Ihren Reifenhändler.

•    Konfigurator. Auswahlprogramme im Internet helfen bei der Suche nach dem richtigen Reifen. Continental, Goodyear und Fulda bieten Konfiguratoren für ihr Reifenprogramm. Nutzen Sie die Links im Kasten „Mehr Infos im Internet“.

Darauf sollten Sie achten


•    Geschwindigkeitsklasse. Schnelle Autos brauchen sicheren Halt. Achten Sie beim Reifenkauf auf die richtige Geschwindigkeitsklasse. Sie wird mit Großbuchstaben bezeichnet. Folgende Klassen gibt es: Q: bis 160 km/h, S: bis 180 km/h, T: bis 190 km/h, H: bis 210 km/h, V: bis 240 km/h, W: bis 270km/h und Y: bis 300km/h und ZR: über 240 km/h.

•    Bescheinigung. Sie fahren einen Reifen, der nicht im Fahrzeugschein verzeichnet ist? Dann bitten Sie den Reifenhändler oder den Fahrzeughersteller um eine schriftliche Bestätigung, dass die montierten Reifen für Ihr Fahrzeug und Ihre Motorleistung zugelassen sind. Neuwagen werden seit Oktober 2005 mit einer so genannten COC-Bescheinigung geliefert. COC = Certification of Conformity. Bewahren Sie diese Bescheinigung im Auto auf. So beugen Sie Ärger bei Verkehrskontrollen vor.

•    Preise vergleichen. Ein guter Satz 175er-Sommerreifen kann 288 oder auch 144 Euro kosten. Billigstes gutes Angebot im Test: Maloya Crono 465t. Teuerstes Angebot: Pirelli Cinturato P4. Vergleichen Sie die Preise bei verschiedenen Händlern. Fragen Sie nach Komplettpreisen mit Montage, Auswuchten, Ventil und Altreifenentsorgung. Die Unterschiede sind groß.

•    DOT-Nummer. Reifengummi altert, auch wenn die Reifen nicht gefahren werden. Kaufen Sie deshalb möglichst neue Reifen: Die DOT-Nummer auf der Reifenflanke zeigt das Herstellungsdatum. Die Hersteller nennen Kalenderwoche und Jahr. Beispiel: DOT 4107. Dieser Reifen wurde in der 41. Kalenderwoche 2007 produziert. Achten Sie beim Kauf auf die DOT-Nummer der Reifen. DOT steht übrigens für Department of Transportation, die amerikanische Zulassungsbehörde.

So bleiben Ihre Reifen lange fit


•    Einfahren. Eingefahrene Reifen haften besser. Das Walken des Reifens während der Fahrt hält das Gummi geschmeidig. Nach längerer Lagerung müssen auch gebrauchte Reifen wieder eingefahren werden.

•    Luftdruck. Kontrollieren Sie den Reifendruck alle 14 Tage. Fahren Sie nicht mit zu niedrigem Druck. Das frisst Sprit, belastet die Umwelt und strapaziert den Reifen. Schlappe Reifen laufen schneller heiß. Sie können platzen. Gefährlich: Vor allem bei hohem Tempo und auf langen Fahrten.

•    Kalte Reifen. Den richtigen Reifendruck finden Sie in der Betriebsanleitung zu Ihrem Auto. Der Wert gilt für kalte Reifen. Bei warmen Reifen steigt der Druck. Kontrollieren Sie den Reifendruck stets bei kalten Reifen. Lassen Sie keine Luft aus den Reifen, nur weil Ihnen der Luftdruck bei heißen Reifen zu hoch erscheint.

•    Bordsteine. Überfahren Sie Bordsteine und Einfassungen nur im Notfall. Wenn es sein muss, dann langsam und in stumpfem Winkel. Parken Sie nicht mit gegen den Bordstein gepressten Reifen.

•    Markieren. Markieren Sie die Position des Reifens beim Reifenwechsel mit Kreide: Vorne rechts und links, hinten rechts und links. Montieren Sie den Reifen in der nächsten Saison wieder an derselben Stelle, damit die Drehrichtung identisch bleibt.

 


•    Richtig lagern. Lagern Sie Ihre Reifen dunkel, trocken und kühl. 15 bis 20 Grad Celsius sind optimal. Nicht direkt neben dem Heizungskessel. Direkte Sonneneinstrahlung oder Kunstlicht mit hohem UV-Anteil schaden dem Reifengummi. Lagern Sie den Reifen möglichst sauber ein. Frei von Öl, Fett, Kraftstoff und anderen Chemikalien.

•    Ohne Felge im Stehen. Lagern Sie Reifen ohne Felge im Stehen. Drehen Sie die Reifen regelmäßig weiter, damit sie sich nicht verformen.

•    Mit Felge im Liegen. Lagern Sie Reifen mit Felge übereinandergestapelt oder hängen Sie die Reifen auf. Optimal sind ein Felgenbaum oder einzelne Wandaufhänger.

•    Haltbarkeit. Wie lange ein Autoreifen hält, ist auch bei Experten umstritten. Die Schätzungen liegen zwischen sechs und zehn Jahren. Mit der Zeit verliert das Reifengummi an Elastizität und damit an Haftung: Unabhängig von der Profiltiefe.

•    Profil. Tauschen Sie Sommerreifen bei etwa drei Millimetern, Winterreifen spätestens bei vier Millimetern Restprofil aus. Das ist sicherer: obwohl das Gesetz nur 1,6 Millimeter Restprofil fordert.

(Quelle: Stiftung Warentest 03/2008)