Dienstag, 20.10.2020

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Sonderthema | Mobilität

Alte Kiste, hoher Preis?

Sie kaufen Ihr Fahrzeug auch lieber gebraucht?

Oder möchten Sie Ihr Fahrzeug verkaufen?

Die spannende Frage, die sich dabei immer wieder stellt ist: Was ist das Fahrzeug wert?

Wir befragten dazu einen Fachmann, Herrn Burger, vom gleichnamigen Ingenieurbüro in Kulmbach. Seine Antwort, mit einem leisen Grinsen war: „Ja, die Leute kommen immer erst hinterher, wenn es Ärger gibt, nie vorher, bevor sie das Auto kaufen“.
 
Herr Burger arbeitet überwiegend für die Industrie. Das heißt Unternehmen, die einen Fuhrpark unterhalten und nach 2-3 Jahren ihre Fahrzeuge durch Neue ersetzen, oder auch für Autohäuser. Selten für Privatpersonen. „Und die Industrie“ sagt er, „lässt ihre Fahrzeuge immer von einem Sachverständigen beurteilen, wenn es strittig sein könnte“.

Der Sachverständige erstellt dann eine Bewertung und ermittelt einen Preis. Damit ist dem Fahrzeugeigentümer gedient und auch dem Interessent. Man hat eine klare Verhandlungsbasis.

Da stellt sich natürlich die Frage, warum das im Privatbereich nicht ebenso gehandhabt wird? Der naheliegende Gedanke waren die Kosten für ein solches Gutachten. Auf meine diesbezügliche Frage antwortete Herr Burger: „Für ein Gutachten berechnen wir rund 100 €“. Damit ist dann sowohl der Käufer, als auch der Verkäufer auf der sicheren Seite. Keiner von Beiden muss dann noch das Gefühl haben, übervorteilt worden zu sein.

Worauf achtet denn nun ein Gutachter? Wie geht er vor?


„Zuerst, “ erklärte mir der Gutachter „schaue ich mir das Fahrzeug ganz genau an. Den Lack, ob er Dellen hat, oder nicht. Ob das Glas, die Spiegel in Ordnung sind. Die Polster, der Fahrzeuginnenraum. Dann lasse ich den Motor an.

Dabei kann man schon einiges feststellen: Ob das Fahrzeug beim Starten qualmt, der Motor rund läuft, klappert, quietscht oder klingelt. Auch sollte aus dem Auspuff kein Öl heraustropfen.“

Ein Blick unter die Motorhaube gibt Aufschluss über eventuelle Undichtigkeiten. Wenn ein altes Fahrzeug einen frisch gereinigten Motorraum hat, darf man ruhig etwas genauer hinschauen. Auch sollte man immer einen Blick unter das Fahrzeug werfen.

Selbst ein Laie kann dort einiges erkennen: Grobe Rostschäden, Schäden am Auspuff oder undichte, ölverschmutzte Stellen. Auch hier ist wieder ein gesundes Misstrauen angebracht, wenn der Unterboden bei einem alten Fahrzeug zu sauber ist. Dies alles sind Dinge, auf die ein Privatmann beim Fahrzeugkauf achten sollte, die er ebenso beurteilen kann.


Die Frage, in welchem Umfang sich Verschleißerscheinungen auf den Wert eines Fahrzeuges auswirken und was normaler, altersbedingter Verschleiß ist und was darüber hinausgeht, ist schon etwas schwieriger einzuschätzen.

 „Das“ sagt Herr Burger, „ist immer auch von den Umständen abhängig.

So ist es natürlich ein Unterschied, ob das Fahrzeug 2 Jahre alt ist, oder 10. Auch macht es einen Unterschied, ob es sich um einen Kleinwagen handelt, oder um eine Oberklassenlimousine. Hat man beispielsweise ein Brandloch in einem Sitzpolster, kann man bei einem 5 Jahre alten Fiat Panda ohne weiteres einen Schonbezug über den Sitz ziehen und die Sache hat sich erledigt. Bei einem 5 Jahre alten 500 er Mercedes geht das natürlich nicht. Insofern muss man gleiche Schäden trotzdem unterschiedlich beurteilen.

Zum einen also altersabhängig, aber auch in Abhängigkeit vom Neuwert eines Fahrzeuges.“

Eine technische Beurteilung erfolgt im Grunde nicht. Vieles kann mittels Augen und Ohren beurteilt werden, ansonsten wird der durchschnittliche Erhaltungszustand unterstellt. Schäden, die dem Fahrzeugeigentümer bekannt sind, müssen offenbart werden. Selbst reparierte Lackschäden müssen –streng genommen- bekannt gegeben werden.

Die Frage ist allerdings, ob sich diese Schäden denn auch tatsächlich wertmindernd auswirken. So ist das natürlich bei erwähntem repariertem Lackschaden nicht der Fall. Auch darf beispielsweise ein 9 Jahre altes Auto durchaus kleine Dellen oder auch Lackschäden haben. Auch bei der Technik muss man natürlich von ganz normalem, altersbedingtem Verschleiß ausgehen.

Und wie ist das nun bei einem älteren Auto, wenn ich den Auspuff noch reparieren lasse? Wird der Wagen dann mehr wert?

„Nein, das ist eher umgekehrt zu sehen“ belehrt mich Herr Burger. „Würde etwas Defektes nicht repariert werden, hätte dies eine Wertminderung zur Folge. Reparaturen sind eher als werterhaltende Maßnahmen zu sehen.“

Nach diesem für mich sehr aufschlussreichen Gespräch war für mich klar: Sollte ich künftig beim Kauf oder Verkauf eines Fahrzeuges einen Zweifel an dessen Wert hegen, werde ich in jedem Fall lieber einen Sachverständigen zu Rate ziehen.

Ich denke, das kann einigen Ärger ersparen.