Freitag, 30.10.2020

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Sonderthema | Mobilität

Mehr Mobilität für Menschen mit Handicap

Seniorengerechte Fahrzeugumbauten

Heutzutage möchte kaum mehr jemand auf sein eigenes Auto und die damit verbundene Unabhängigkeit verzichten. Aber was ist, wenn plötzlich körperliche Beeinträchtigungen auftreten? Kann man ein Fahrzeug umbauen und wenn ja, was ist möglich?

Grundsätzlich kann man sagen, dass alles möglich ist. Mittlerweile gibt es einige Firmen, die sich auf diese Thematik spezialisiert haben. Vielfach arbeiten sie mit den Autohäusern zusammen, bieten aber auch Direkteinbau an. Umgerüstet werden können praktisch alle Fahrzeuge.

Ob Sitzsysteme, Handbediengeräte, Liftsysteme, Lenkhilfen, elektrische Zündschlösser oder Aufrichte- und Umsetzhilfen: Alles ist machbar.

Wie weit das gehen kann, zeigt das Beispiel von Alessandro Zanardi, einem ehemaligen Formel 1 Piloten. Nach einem schweren Unfall 2001 wurden ihn beide Beine amputiert. Zwei Jahre später kehrte er in einem umgebauten Tourenwagen auf die Rennstrecke zurück. Das Fahrzeug wurde so umgebaut, dass Zanardi mit einem Bügel am Lenkrad Gas geben und kuppeln kann und mit seiner Beinprothese das Bremspedal betätigt.

Aber zurück zum Alltag. Ich möchte Ihnen im Folgenden einige Möglichkeiten aufzeigen:

Es gibt schwenkbare Autositze, die das Ein- und Aussteigen erleichtern. Bei schwerwiegender Behinderung gibt es ein so genanntes Rutschbrett, mittels dessen man vom Rollstuhl auf den Fahrzeugsitz „rutschen“ kann.

Einen Rollstuhl zu verladen, ist mittlerweile auch kein Problem mehr. Sie können vollautomatisch direkt hinter dem Fahrersitz verstaut werden, oder auch im Kofferraum. Auch gibt es verschiedene Möglichkeiten, mit dem Rollstuhl direkt in das Auto (Bus oder Van) hineinzufahren. Beispielsweise kann das Heck des Fahrzeugs abgesenkt werden oder es wird eine Rampe angebaut, die zum Teil vollautomatisch im Fahrzeug verstaut wird. Für die Sicherung des Rollstuhls ist selbstverständlich ebenfalls gesorgt.

Auch das Fahren mit Einschränkungen ist durchaus möglich. So gibt es für Personen, die aufgrund einer Mobilitätseinschränkung mit dem rechten Fuß das Gaspedal nicht mehr betätigen können, verschiedene Gaspedalverlegungen.

Für Personen, die Gas- und Bremspedal nicht mehr mit den Füßen betätigen können, gibt es verschiedene Systeme die mit der Hand bedient werden.

Bei einer Arm- /oder Handbehinderung rechts oder links sowie bei Nutzung eines Handbediengerätes für Gas und Bremse schreibt der TÜV die Benutzung von Lenkhilfen und Bedienelementen für elektrische Funktionen wie Blinker, Wischer, Warnblinkanlage, Hupe und Licht vor.

Auch dafür bieten die Hersteller Lösungen an.

Die letzte Frage die sich in diesem Zusammenhang noch stellt, ist die Frage des fahren Könnens, beziehungsweise Dürfens.

Im Fall eines Unfalls muss der Fahrer nachweisen, dass er sein Fahrzeug sicher führen konnte. Der Führerschein sagt aus, dass der Fahrer zum Zeitpunkt der Prüfung das Fahrzeug sicher führen konnte. Eventuelle Einschränkungen oder Behinderungen erfolgen oftmals erst später.

Der behinderte Fahrer ist dem nicht behinderten gleichgestellt. Somit ist der Fahrer im Prinzip rechtlich auf der sicheren Seite. Aber nur im Prinzip.

Denn: Kommt es zu einem Unfall, ist der sichere Umgang im Nachhinein schwer nachzuweisen.

Daher lautet meine Empfehlung: Um jeglichem Ärger aus dem Weg zu gehen, kann man beim TÜV eine Prüfung nach §11 FEV (Führerschein Eignungs Verordnung) ablegen. Dies ist kein neuer Führerschein, sondern nur eine Fahrt, innerhalb derer ein Prüfer feststellen kann, dass der Fahrer mit den eingebauten Hilfsmitteln verkehrstauglich umgehen kann. Die benötigten Hilfsmittel trägt der Prüfer in ein Gutachten ein.

Haben Sie einen Führerscheineintrag nach §11 FEV und ist Ihr Fahrzeug dementsprechend umgerüstet, können Sie leichter nachweisen, dass Sie Ihr Fahrzeug sicher führen konnten. Selbstverständlich gibt es auch Fahrschulen, die Sie mit der Einen oder Anderen Übungsstunde, in Ihrem umgerüsteten Auto, auf die Prüfungsfahrt vorbereiten.

Diese rechtliche Information soll allerding nur als Vorinformation dienen und ist nicht rechtsverbindlich.

Sollten Sie einen Kostenträger haben, so benötigt dieser immer genau dieses Gutachten, um überhaupt Ihren Antrag weiter zu bearbeiten. (Woher soll der Sachbearbeiter denn sonst fundiert wissen, was Sie zum sicheren fahren benötigen)?