Montag, 25.10.2021

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Buchempfehlung

Sonderthema | Barrierefreis Wohnen

Barrierefreie Bauen und Wohnen

Das barrierefreie Bauen hat nicht nur Bedeutung für Behinderte, sondern auch für ältere Menschen, Familien mit Kindern, Mütter mit Kinderwagen, Unfallkranke usw. Man kann davon ausgehen, dass ca. 30% der Bevölkerung zeitweise oder ständig Bedarf an barrierefreien Gebäuden, Freianlagen, Verkehrssystemen und Informationsmedien haben.

Jeder 13. Bundesbürger hat eine anerkannte Schwerbehinderung.

 
Barrierefreiheit wird allgemein definiert als Auffindbarkeit, Zugänglichkeit und Nutzbarkeit der gestalteten Lebensbereiche für alle Menschen. Entsprechend der grundgesetzlichen Regelung wird angestrebt, dass Menschen mit oder ohne Behinderungen gleichermaßen Gebäude aber auch Informationsdienstleistungen selbstständig nutzen können - ohne besondere Erschwernis und ohne Inanspruchnahme fremder Hilfe. Das heißt also nicht nur Behinderte, sondern auch alte Menschen, beleibte Menschen, Mütter mit Kleinkindern, Kinder, klein- und großwüchsige Menschen Darüber hinaus helfen alle Maßnahmen aber auch gesunden Menschen, sich sicherer und leichter zu bewegen oder zu orientieren - oft allerdings unbewusst.

 

 

Soweit die Theorie.

In der Praxis sieht es meist so aus, dass eine völlige Barrierefreiheit selten zu erreichen ist.
Viele Erschwernisse konnten beseitigt werden, seit sich die Gesellschaft und die Wirtschaft dieser Thematik angenommen haben.

 

Was bedeutet barrierefrei denn nun im Wohnbereich?

 

 


stufenlose Erreichbarkeit:

Die Wohnungen sollte barrierefrei erreichbar sein. In der Wohnung müssen die Wohn- und Schlafräume, eine Toilette, ein Bad sowie die Küche oder die Kochnische sowie der Raum mit Anschlussmöglichkeit für eine Waschmaschine mit dem Rollstuhl zugänglich sein. Es sollten keine  Türschwellen vorhanden sein und z. B. Laufschienen von Schiebetüren sollten bodengleich sein. Eingangstüren müssen eine Durchgangsbreite von mindestens 90 cm haben, Innentüren 80 cm, Flure müssen mindestens 1,50 m breit sein. Soweit die Wohnungen nicht nur zu ebener Erde liegen, sollten die Abstellräume für Kinderwagen, Fahrräder und Mobilitätshilfen leicht erreichbar und gut zugängliche sein.


ausreichende Bewegungsflächen:

Es ist nahe liegend, dass Menschen mit Bewegungseinschränkungen, Gehhilfe oder gar mit
Rollstuhl andere Erfordernisse an ihr Wohn- und Lebensumfeld stellen. So müssen zum Beispiel vor der Waschmaschine, im Küchenbereich oder auch auf Treppenpodesten entsprechender Platz vorgesehen sein, damit eine gefahrlose Bewegungsfreiheit gegeben ist. Eine Fläche von 150 x 150 cm sollte in jedem Raum als Wendemöglichkeit gegeben sein.


geeignete Materialien:

Wände und Decken müssen so beschaffen sein, dass die Befestigung von Einrichtungs-, Halte-, Stütz- und Hebevorrichtungen möglich ist.
Textile Beläge: Bodenbeläge dürfen sich nicht beim Drehen des Rollstuhls aufwerfen. Beim gehen mit einem Geh-Stock dürfen keine "Eindrücke" entstehen. Bodenbeläge im Gebäude müssen reflexionsarm, rutschhemmend und fest verlegt sein; sie dürfen sich nicht elektrostatisch aufladen. Hauptwege (z.B. zu Hauseingang, Garage, Müllsammelbehälter) müssen auch bei ungünstiger Witterung gefahrlos begehbar sein. Bodenbeläge in den Verkehrsbereichen sollen als Orientierungshilfe innerhalb und außerhalb des Gebäudes in der Beschaffenheit ihrer Oberfläche und in der Farbe kontrastreich wechseln.
Unter bestimmten Voraussetzungen wird ein Fußbodenbelag mit antiallergener Wirkung gefordert.
Bauliche Vorbeugemaßnahmen gegen Fußkälte sollte getroffen werden. Fußbodenheizungen sollten durch Wärmedämmung und senkrechte Heizflächen auf max. 25°C Wärmeabstrahlung des Fußbodens begrenzt werden, da es sonst zu Ödemen (dicke Füße durch Wasserablagerung) bei geschwächter Durchblutung der Beine kommen kann.
Auch sollten die verwendeten Materialien (z. B. auch die Gardinen) schwer brennbar sein.

 

adäquate Sanitärräume:

Für ältere und gesundheitlich eingeschränkte Menschen birgt besonders das Bad Verletzungsgefahr – der glatte Fliesenboden ist rutschig und überall lauern harte Ecken und Kanten. Mit Barrrierefrei-Produkten können auch hier den Erfordernissen des Alltags Rechnung getragen werden. So erleichtern Stützgriffe an Dusche, WC und Waschtisch Setzen, Aufstehen und Beugen. Auf speziellen Fliesen rutscht niemand mehr aus und hygienisch bleibt es trotzdem. Der Übergang vom Raum zur Dusche sollte eben sein, was den Einstieg erleichtert. Ferner gibt es höhenverstellbare WC-Systeme zur Nachrüstung mit Stützklappgriffen und auch ein seitenverstellbares WC-System.

 
Der Waschtisch sollte unterfahrbar sein, Sanitärarmaturen sollten Einhebelmischbatterien oder berührungslose Armaturen mit schwenkbarem Auslauf sein. Die Wassertemperatur darf an der Auslaufarmatur maximal 45°C betragen.
In Sanitärräumen oder Toilettenräumen müssen Notrufschalter vorhanden sein. Sie sollten zusätzlich vom Boden aus (z. B. Zugschnur) erreichbar sein.
Der Spiegel im Bad sollte so angeordnet sein, dass er die Einsicht sowohl aus der Steh- als auch aus der Sitzposition ermöglicht.



Ausstattung von Küchen:

Die Übereckanordnung von Spüle und Herd erlaubt eine flächengünstige und bedienfreundliche Anordnung der Küchenmöbel. Dabei können die Arbeitsflächen für Kochen, Spülen und Vorbereitung von Speisen höhenverstellbar gestaltet werden, so dass Menschen auch im Sitzen selbständig Küchenarbeiten verrichten können. Absenkbare Oberschränke und ausziehbare Schubladen in den Unterschränken erlauben insbesondere Rollstuhlbenutzern die entsprechen Küchenutensilien ohne fremde Hilfe zu erreichen. Auch können mobile Container, welche unter die Arbeitsplatte gestellt werden können als Stauraum genutzt werden

leichte Benutzbarkeit von Bedienungseinrichtungen

Lichtschalter, Taster für elektrische Türen, Toilettenspüler, Klingel, Bedienungselemente, Notrufschalter müssen auch mit eingeschränkter Greiffähigkeit leicht benutzbar sein; sie sind in 85 cm Höhe anzubringen. Sie dürfen nicht versenkt und scharfkantig sein. Für Sehbehinderte und Blinde müssen Bedienungselemente durch kontrastreiche und taktil erfassbare Gestaltung leicht erkennbar sein.


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