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Reisen + Wandern

19.03.2008 16:37 Alter: 14 yrs

Urlaub mit Gewissensbissen. Schöne Ziele, unschöne Zustände

Kategorie: Reiseempfehlungen

Es gibt Urlaubsländer, die faszinierend sind, aber nicht besonders demokratisch. Oft finden sich dort tolle Städte mit jahrhundertealter Kultur - und zugleich Gefängnisse voller Häftlinge, die nichts getan haben, als ihre Meinung zu sagen.

Die Pyramiden in Ägypten sind beliebte Touristenziele - mit Blick auf die Einhaltung der Menschenrechte steht Ägypten aber oft in der Kritik. (Bild: dpa/tmn)

Bremen/München (dpa/tmn) - Länder, in denen Menschenrechte mit den Füßen getreten werden, gibt es viele. Das gilt für Ägypten genauso wie für Syrien, Kuba, Libyen oder China. Aber soll man deswegen dort keinen Urlaub machen?

«Sind Reisen in den Jemen opportun, darf man nach Äthiopien fahren oder nach Nepal? Da gäbe es eine lange Liste mit Ländern, bei denen man ein Fragezeichen setzen müsste», sagt Rainer Hartmann, Professor an der Hochschule Bremen. Das Problem sei, dass schon die Kriterien für die Fragestellung erst geklärt werden müssten, ergänzt Heinz Fuchs von der Arbeitsstelle Tourism Watch des Evangelischen Entwicklungsdienstes in Bonn. «Wo ist da die Grenze?»

«Bei der Entscheidung, in nicht-demokratische Länder zu reisen, gibt es kein richtig oder falsch», sagt auch Ury Steinweg, Geschäftsführer von Gebeco in Kiel. Gebeco habe aber immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Tourismus für Diktaturen, die sich abschotten, auch positive gesellschaftliche Auswirkungen habe. Das sieht auch Fuchs grundsätzlich so: Tourismus mache Begegnungen möglich und könne dabei helfen, dass Länder sich öffnen.

«Reisen in solche Staaten schafft Öffentlichkeit», argumentiert auch Peter-Mario Kubsch, Geschäftsführer von Studiosus in München, in dessen Katalogen zum Beispiel auch Kuba und Usbekistan zu buchen sind. Dass in solche Länder gereist wird, sei für beide Seiten wichtig: «Nur so können Informationen ausgetauscht werden», sagt der Gebeco-Chef. Ein Beispiel dafür ist Birma in Südostasien, das von den Militärmachthabern in Myanmar umbenannt wurde. «Wir bieten auch weiterhin Reisen nach Myanmar an, wo es für die Bevölkerung fast unmöglich ist, an ungefilterte Informationen zu kommen.»

Natürlich sei das eine Frage des Abwägens: «Das Geld aus dem Tourismus landet schließlich auch beim Regime», sagt Steinweg. «Aber die positiven Effekte sind größer als die negativen.» Das sei auch der Grund, warum Gebeco nach wie vor in den Iran reist. «Das ist ohne Frage eines der problematischsten Länder in unserem Programm. Aber für die Menschen, die wir dort sprechen, ist das extrem wichtig.»

Den Iran als Reiseziel zu boykottieren, hält Rainer Hartmann ebenfalls für falsch: «Der Anteil des Tourismus am Bruttoinlandsprodukt ist minimal. Ein Reiseboykott würde die Regierung nicht treffen.» Die Sensibilität bei diesem Thema dürfe ohnehin nicht überschätzt werden, betont Hartmann: «Die große Mehrzahl der Deutschen reist mit einem der größeren Reiseveranstalter einfach irgendwohin, nach dem Motto 'Hauptsache gutes Wetter'.» Die Rücksicht auf Menschenrechte oder politische Zustände werde zwar wichtiger, spiele aber nach wie vor nur eine kleine Rolle.

Das heißt für Prof. Hartmann aber nicht, dass sich nichts ändern wird: Touristen seien schließlich ebenfalls Konsumenten - und Konsumenten haben Macht durch ihre Entscheidungen für oder gegen ein Produkt. «Der mündige Tourist, der sich informiert, bevor er sein Reiseziel auswählt, bezieht solche Kriterien mit ein.»

 


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