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Gesundheit und Wellness

15.06.2021 09:28 Alter: 132 days

Woran ist gute Pflege zu erkennen?

Kategorie: Gesundheit + Wellness, Ratgeber

Die Pflege ist ein Thema, an dem sich die Geister scheiden. Die engagierten Menschen in dem Berufsfeld, sehen den Pflegebedürftigen, die finanzierenden Institutionen und die Politik das Geld.

Die Pflege ist ein Thema, an dem sich die Geister scheiden. Die engagierten Menschen in dem Berufsfeld, sehen den Pflegebedürftigen, die finanzierenden Institutionen und die Politik das Geld. Bestmögliche Pflege für kleines Geld scheint nicht, möglich zu sein. Ein zweiter Faktor ist die Zeit (die ja bekanntlich auch Geld ist). Tatsächlich gibt es einen Katalog mit Pflegeleistungen, der die Aufgaben nach Minuten aufschlüsselt. Dies ist vor allem in der mobilen Pflege immer wieder ein Kritikpunkt. Denn wer länger braucht, bekommt die Zeit nicht vergütet.

 

Sind qualifizierte Kräfte ein Garant für gute Pflege?

 

Die Standards die in der Pflege einzuhalten sind, scheinen für Außenstehende hoch zu sein. Tatsächlich sind sie aber an der schwierigen Situation im Pflegesektor orientiert und nicht sonderlich auf Mitarbeiter und Pflegeempfänger orientiert.

 

Es gibt Vorschriften, welche Qualifikationen für welche Pflegetätigkeiten nachzuweisen sind. Gerade die Reform der Pflegeausbildung zum generalisierten Modell und die Umbenennung der Gesundheits- und Krankenpfleger, sowie Zusammenfassung von Kranken- und Altenpflege, haben Schwachstellen im Gesundheitswesen aufgezeigt. In Zukunft wird es eine gemeinsame Grundausbildung für die Pflegefachfrau oder den Pflegefachmann geben, die in einer Spezialisierung mündet. Damit soll Altenpflegern, die es bislang noch schwer haben, in Kliniken eine Stelle zu finde, ermöglicht werden, sich beruflich breiter zu orientieren. Krankenpfleger hatten es schon immer leichter, sich in anderen Pflegebereichen einbringen zu können. Hier erfolgt also eine berufliche Gleichstellung der Abschlüsse. Weiterführend können natürlich Fachkurse absolviert werden, die Spezialkenntnisse in den einzelnen Bereichen der Pflege vermitteln und bislang als Fachpfleger*Innen für Psychiatrie, Geriatrie, Onkologie etc. geführt wurden.

 

Pflege – was gehört alles dazu?

 

Bei Pflege wird zuerst an Altenheime gedacht. Doch fast jeder war schon einmal im Krankenhaus und musste sich ein paar Tage stationär dort aufhalten. Auch wenn der Allgemeinzustand noch relativ gut ist, werden Pflegeleistungen in Anspruch genommen, die teilweise gar nicht direkt am Patienten stattfinden. Medikamente werden vom Personal in einem Dienstzimmer gerichtet und dann verteilt. Der verantwortungsvolle Patient, prüft und hinterfragt, die Medikamente. Doch es gibt viele Menschen, die dazu gar nicht in der Lage sind.

 

Pflege wird unterteilt in Grund- und Behandlungspflege. Als temporär Erkrankter liegt der Schwerpunkt in der Behandlungspflege, wobei ein frisch Operierter natürlich auch gewaschen wird, was zur Grundpflege gehört. Die Grundpflege kann von Helfern vorgenommen werden, jedoch sollten auch diese, einen gewissen Qualifizierungsgrad nachweisen.

 

In der Altenpflege findet ebenfalls beides Anwendung. Die Altenpflege bezieht sich auf die häusliche Pflege, das betreute Wohnen und die Pflege bei Heimunterbringung. Hier kommt es vielen Pflegeempfängern und deren Angehörige vor allem darauf an, dass Pflege möglichst variabel gestaltet wird und am Bedarf des Einzelnen ausgerichtet ist.

 

Was sagt die Benotung des MDK tatsächlich über die Pflege?

 

Der MDK ist der Medizinische Dienst der Krankenkassen, der als übergeordnete Instanz ein Benotungsmodell zur Qualitätssicherung in Pflegeeinrichtungen eingeführt hat. Dieses Benotungsmodell gerät immer wieder in den Focus der Medien und in die Kritik. Denn Hilfesuchenden erschließt sich oft nicht, was genau die Note nun eigentlich aussagt.

 

Sie drückt aus, ob die Richtlinien aus einem QM Handbuch eingehalten werden, die Hygiene in Ordnung ist und der Brandschutz eingehalten wurde. Kontrolliert wird, ob die Dokumentation lückenlos und auf dem aktuellsten Stand ist, der Personalschlüssel zur Bewohnerzahl passt u.ä. Im Grunde ist dies ein rein bürokratischer Ablauf, der mit Zufriedenheit von Pflegeempfängern und deren Angehörigen gar nichts zu tun hat. Wer für sich selbst oder für Angehörige eine gute Pflege organisieren muss, benötigt daher deutlich mehr Informationen als die Benotung des MDK und die Selbstdarstellung auf der Webseite.

 

Praxistipps zum Finden guter Pflegeanbieter

 

Wie bei allem, ist das Empfehlungsmarketing im Bekanntenkreis ein guter Indikator für die Eignung von Pflegeanbietern. Wer zufrieden ist, empfiehlt gerne weiter. Oft werden hier zwar Kriterien wie Höflichkeit, Zuverlässigkeit und Sympathie höher bewertet, als die Fachkenntnis. Doch im Grunde zeugt ein empathischer und respektvoller Umgang mit zu Pflegenden von einer positiven Einstellung zum Beruf und von Freude an der Arbeit. Wer seine Arbeit gern macht, macht sie in der Regel auch gut.

 

Bei Besichtigungen von Pflegeeinrichtungen achten viele zuerst auf die Räumlichkeiten, die Sauberkeit und leiten vom Erscheinungsbild der Einrichtung und auch der Bewohner ab, wie diese Einrichtung arbeitet. Hier kann der Schein trügen, das sollte man sich bewusst machen. Nur weil ein Senior seinen Pullover falsch herum trägt, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass das Personal unaufmerksam ist. Vielleicht trägt er den Pullover voller Stolz so, weil er ihn sich noch selbst anziehen konnte. Ein Gespräch mit Besuchern zeigt, ob Hilfe zur Selbsthilfe gegeben wird und vorhandene Potentiale von Bewohnern noch genutzt werden können oder ob aus Zeitnot ein automatisiertes Versorgungsprogramm abgespult wird. Letztendlich ist es wichtig, den zu Pflegenden die Würde zu lassen und ihnen das Gefühl zu geben, mit Hilfe noch so gut wie möglich eigenständig leben zu können.

 

Bei Krankheiten, die einem bestimmten Verlaufsmuster folgen, sollte von vorn herein darauf geachtet werden, ob Pflegeanbieter auch im fortgeschrittenen Stadium die Leistungen noch erbringen können. Es ist für Pflegeempfänger schwer, sich mehrmals umstellen zu müssen und sich immer wieder auf neue Menschen einlassen zu müssen. Auch Schwerstpflegebedürftige möchten nicht in Krankenhäusern liegen, weil ihr Pflegeheim oder -dienst nicht mit Beatmung oder anderen lebensnotwendigen Behandlungen umgehen kann.

 

Ein offenes und freundliches Haus, lässt auch Besichtigungen außerhalb regulärer Zeiten zu. Wer einmal nach 19 Uhr in ein Pflegeheim geht, in das er ggf. einen Angehörigen geben möchte, wird erkennen, ob die Bewohner noch beschäftigt und betreut oder vor dem laufenden TV in ihren Zimmern untergebracht werden. Der Mythos der senilen Bettflucht begründet sich nämlich auch darin, dass Nachtruhe für Senioren künstlich in die Länge gezogen wird. Wer mit dem Sandmann ins Bett geht, kann auch mit den Bäckern aufstehen.

 

Ein Blick auf Arbeitgeberbewertungsportale gibt ebenfalls Auskunft über den Pflegealltag in einer Einrichtung oder bei einem Pflegedienst. Unzufriedene Mitarbeiter, schlechte Bezahlung oder eine hohe Personalfluktuation sprechen nicht für ein gutes Betriebsklima. Und das transportiert sich automatisch auf die Arbeit und den Umgang mit zu Pflegenden.

 

Fazit: Gute Pflege kann nicht auf den ersten Blick erkannt werden. Austausch mit anderen Betroffenen oder Angehörigen hilft, gute Anbieter zu finden. Mit dem Rechtsanspruch auf eine Pflegeberatung, haben Angehörige und Pflegebedürftige ein Instrument, ihre Versorgung fachlich und persönlich optimal zu gestalten.