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Geschichte und Geschichten

23.04.2008 16:51 Alter: 14 yrs

Das Fränkische – Was ist das?

Kategorie: Brauchtum, Regierungsbezirk Oberfranken

Rein verwaltungspolitisch gesehen ist Franken mehrteilig. Drei von sieben bayerischen Regierungsbezirken sind fränkisch: Unterfranken, Oberfranken und Mittelfranken.

Gemüsemarkt auf der Museumsbrücke (Foto: Uli Kowatsch)

Vieles haben die Franken gemein, beispielsweise dass sich die Liebe gegenüber der Landeshauptstadt in Grenzen hält. Zu unterschiedlich sind die Traditionen etwa der früheren Arbeiterstadt Nürnberg und der ehemaligen Residenzstadt München. Ein „Mir-san-mir“-Selbstbewusstsein ist den Franken fremd. Nur ungern räumen Franken ein, dass sie zum Freistaat Bayern gehören. Dabei wird kolportiert, dass an den Schalthebeln der Macht in der Münchener Ministerialbürokratie vor allem Franken säßen. Im Übrigen hatte die Liberalitas Bavariae im protestantischen Franken schon ein Zuhause, als es noch gar nicht zu Bayern gehörte. „Leben und leben lassen“ ist eine durchaus fränkische Haltung.

Der Franke hat viele Seiten. Der „Franke ist ein Gewürfelter“, lautet der Titel einer Essay-Sammlung, in der sich Hans Max von Aufseß einmal dem Wesen und den Eigenarten des Franken geistreich näherte. Die Franken sind erfinderisch und innovativ. Der „Nürnberger Witz“ ist sprichwörtlich. Franken sind weltoffen und liberal, was nicht zuletzt an dem über Jahrhunderte gepflegtem internationalem (Handels-)Austausch liegt: „Nürnberger Tand geht durch alle Land“ – auch ein geflügeltes Wort. Dabei ist der Franke bescheiden. Mehr Sein als Schein eben. Selbst mit Erfolgen wird nicht geprahlt. Eher stellt man das Licht unter den Scheffel. Auch ist der Franke von Natur aus nicht euphorisch, tendenziell pessimistisch. Eine Höchstform an Lob oder Zufriedenheit mündet in der Formulierung „Bassd scho“ („passt schon“). Ein typisches Gespräch an einem Gemüsestand am Hauptmarkt in Nürnberg kann mit der skeptischen Frage beginnen „An Sellerie hom´S gwiss ned? („Einen Sellerie haben Sie gewiss nicht?“) anstatt dass die Kundin positiv fordern würde: „Ich hätte gerne zwei Pfund Sellerie.“

Franken sind in der Regel ehrlich und treu. Die Liebe der Fußballfans zu „ihrem“ 1. FC Nürnberg, selbst bundesweit schlicht „der Club“ genannt, ist legendär – in guten wie in schlechten Tagen. Und oft genug waren es seit der letzten Deutschen Meisterschaft 1968 eher schlechte. Wer das Herz eines Franken gewinnt, was mitunter Zeit braucht, hat es dauerhaft erobert. Zum Franken gehört ein trockener, nicht selten auch derber Humor.

Die fränkischen Mundarten sind von Gegend zu Gegend höchst differenziert. Eine Grundregel gilt für alle Landstriche: Zwischen den Konsonanten „p“ und „b“ oder „t“ und „d“ ist in der Aussprache kein Unterschied. Sie werden im Dialekt alle weich gesprochen – weshalb man den Franken leicht erkennt, wenn er sich fern der Heimat versucht hochdeutsch zu artikulieren. Dann kann es passieren, dass er im Bemühen, sich in der Sprachgemeinschaft besonders korrekt zu verhalten, ein wenig übertreibt und selbst weich auszusprechende Konsonanten hart betont. Was auch ein sublimer Versuch sein kann, Sympathie zu erwecken.