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Garten + Bauen + Wohnen

15.03.2008 17:18 Alter: 14 yrs

Mit Spaten und Schere: Wie Pflanzen sich teilen lassen

Kategorie: Außenbereich

Was bei Mensch und Tier allenfalls Gentechnikern gelingt, ist bei Pflanzen Alltag: die Teilung. Manche Arten wie Jovibarba heuffelii, eine Verwandte der Hauswurze, teilen ihre erwachsenen Rosetten völlig aus sich heraus in zwei Exemplare.

Schweißtreibende Angelegenheit: Alte Stauden werden mit kräftigen Spatenstichen geteilt und gleichzeitig verjüngt. (Bild: BDS/dpa/tmn)

Bonn (dpa/tmn) - Bei anderen, etwa Weidenbüschen oder Schilf, helfen Wind und Wasser nach, indem sie Triebe abreißen und fortschwemmen. Aber meist übernimmt der Mensch die Teilung, um alte, eingewachsene Gartenstauden zu verjüngen oder um aus einer Polsterstaude fünf oder sechs neue zu machen.

Gartenbesitzer wissen, dass sich Arten wie Astern, Iris, Chrysanthemen, Sonnenbraut und viele andere durch Teilung vital und blühfreudig erhalten lassen. Im Frühjahr, bevor der Austrieb richtig loslegt, ist die richtige Zeit dafür. Tief sticht dann die Grabegabel in den Boden, fasst unter den Wurzelballen und hebelt ihn ein wenig hoch. Ein Stück weiter das Gleiche noch einmal und noch einmal, bis sich langsam der Ballen aus der Erde löst.

Bis zu einem Meter Umfang kann der Ballen einer Aster oder einer Sonnenbraut betragen. Durch das Einstechen und Auseinanderreißen verkleinert er sich. Kräftiges Ausschütteln der Erde macht die Strukturen der Pflanze sichtbar. Hier sind alte, braune Wurzeln mit nur wenigen schwachen Triebknospen, dort vitale Neutriebe mit kräftigen, hellen Wurzeln.

Messer oder Schere trennen nun jung und alt. Aus der wüchsigen Randzone werden etwa faustgroße Teilstücke herausgeschnitten. Überlange Wurzeln werden gestutzt, damit sie - neu gepflanzt - rasch Feinwurzeln bilden und sich verzweigen.

Fünf, sechs, manchmal auch mehr kräftige Teilstücke bleiben schließlich von dem großen Ballen übrig. Jetzt heißt es zügig handeln: Wer nur eine Pflanze aufnehmen will, schützt sie kurzfristig mit feuchtem Zeitungspapier vor dem Austrocknen, bis der Standort gelockert, gedüngt und mit Kompost versorgt ist. Dann kann neu gepflanzt werden.

Gartenbesitzer, die ihre gesamte Staudenpflanzung aufnehmen und neu ordnen wollen, topfen die Teilstücke besser vorübergehend oder schlagen sie in einer schattigen Gartenecke ein. Dazu wird lediglich ein schmaler Graben ausgehoben, in den die Wurzeln der Pflanzen gut nebeneinander hineinpassen. Mit der ausgehobenen Erde werden sie sorgfältig abgedeckt und angegossen.

Bei Polsterstauden kommt der Spaten lediglich beim Ausgraben zum Einsatz. Danach umfassen die Hände fest den Ballen und ertasten zwischen den Trieben behutsam die Struktur des Polsters. Sie spüren Lücken auf und vergrößern sie vorsichtig. Schließlich zeichnen sich Teilstücke ab, die nun fest umfasst und kräftig auseinander gezogen werden müssen. Wichtig ist, dass jedes Teilstück gut zusammenhält und ausreichend Wurzeln und oberirdische Triebe besitzt.

Wer seine Stauden nicht verjüngen will, sondern lediglich ein paar Schwingelpolster, einige Scharfgarben-Horste oder ein bisschen Thymianteppich mehr haben möchte, der kann Risslinge abnehmen. Bei dieser wenig aufwendigen Variante der Teilung muss die Mutterpflanze nicht ausgegraben werden. Es reicht, bodennahe Triebe, die Wurzeln oder zumindest Wurzelansätze besitzen, behutsam frei zu legen und einfach von der Mutterpflanze abzureißen. Risslinge wachsen am besten erst ein paar Wochen im Topf, bevor sie ausgepflanzt werden.