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Garten + Bauen + Wohnen

10.03.2008 14:47 Alter: 14 yrs

Die vielen Gesichter der Narzisse

Kategorie: Außenbereich

Für viele Menschen ist die Gliederung einfach: Osterglocken, das sind die gelben Blumen mit Trompete. Narzissen dagegen tragen weiße, flache Blüten. Aber dann steht da im Gartencenter das Heer blühender Töpfe, die nicht in dieses Schema passen.

Gute Bekannte mit großer Verwandtschaft - die Osterglocke ist aber nur eine von rund 85 Narzissen-Arten. (Bild: Schierenbeck/dpa/tmn)

Bonn (dpa/tmn) - Geblüht wird in allen Nuancen von Weiß und Gelb, untermischt mit Orange, Rot und manchmal sogar Rosa. Mal tragen sie kurze, mal lange Trompeten, dann wieder Krönchen und Schalen.

Alle zählen zur Gattung Narcissus. Botaniker machen keinen Unterschied zwischen Narzisse und Osterglocke. Dafür unterscheiden sie rund 85 verschiedene Arten. Die meisten wachsen rund ums Mittelmeer. Und da sie sich gern und leicht miteinander kreuzen, gibt es bereits in der Natur eine erstaunliche Formenfülle. Aus ihr schufen die Züchter die kaum überschaubare Zahl von knapp 29 000 Sorten, die heute im International Daffodil Register, dem Narzissen-Register, aufgeführt sind.

Klarheit in die Sortenflut bringt die Zuordnung zu verschiedenen Gruppen. Da sich darin auch die Abstammung widerspiegelt - und damit der Blütezeitpunkt und die Standortansprüche - sind die Gruppen auch für den Gartenbesitzer hilfreich. Die Gruppe der Alpenveilchen-Narzissen eröffnet den Narzissenreigen bereits im März. Den Namen Alpenveilchen-Narzisse bekam die Stammmutter Narcissus cyclamineus, weil sie die sechs Blütenblättchen ihrer Hauptkrone straff nach hinten klappt - wie ein Alpenveilchen.

Die frühen Kleinen reichen die Stafette im April an die großblütigen Gartennarzissen weiter, bei deren Entstehen die heimische Narcissus pseudonarcissus die wichtigste Rolle gespielt hat. Gegliedert wird nach dem Verhältnis der sechs äußeren Blütenblätter, der Hauptkrone, zur inneren Nebenkrone in Trompetennarzissen, großkronige Narzissen und kleinkronige Exemplare.

Neigen die dicken Gartennarzissen sich dem Ende zu, beginnt die Zeit der Tazetten, also der Nachkommen von Narcissus tazetta. Die mehrblütigen, duftenden Narzissen sind leider etwas empfindlich, daher werden Sorten wie die gefüllten 'Cheerfulness' und 'Yellow Cheerfulness' meist vorgetrieben im Topf angeboten.

Die Nachkommen von Narcissus poeticus öffnen meist erst Ende April oder Anfang Mai ihre stark duftenden Blüten. Seit langem dominiert bei den Dichter-Narzissen die Sorte 'Actea' mit rund geformter, schneeweißer Hauptkrone und dem winzigen «Auge» in Gelb mit rotem Saum. Den Schluss der Narzissenblüte teilen sich die Abkömmlinge der Engelstränen-Narzisse (Narzissus triandrus) und die Jonquillen, die von Narcissus jonquilla abstammen. Charakteristisch für die Triandrus-Narzissen ist das kleine, tassenförmige Nebenkrönchen, das wie eine Träne an den sechs «Wimpern» der Hauptkrone zu hängen scheint.

Die Jonquillen, deren Name sich aufgrund des binsenartigen Laubs von juncus, auf deutsch: Binse, ableitet, bringen noch einmal strahlendes Gelb in den Garten. Sorten wie 'Quail', 'Baby Moon' oder 'Pipit' tragen meist drei stark duftende Blüten pro Stängel. Ein warmer sonniger Standort ist ihnen am liebsten. Dort verlängern sie die Narzissen-Saison bis in den Juni hinein. Danach heißt es warten bis zu den Alpenveilchen-Narzissen im nächsten März.