Aktuelle Seite: Start
Dienstag, 25.01.2022

icon Themenauswahl:

Freizeit und Hobby

22.04.2008 15:45 Alter: 14 yrs

Auf der Jagd nach wertlosen Aktien - Papiere für Sammler

Kategorie: Sammeln, Regierungsbezirk Oberfranken

Vielen Anlegern ist die Lust auf Aktien bei den jüngsten Kurseinbrüchen vergangen. Manche dagegen sind ständig auf der Jagd nach wertlosen Papieren - allerdings solchen aus vergangener Zeit.

Historisches Dokument mit Sammlerwert: Die Aktie der Suezkanal-Gesellschaft von 1880. (Bild: HWPH Historisches Wertpapierhaus AG/dpa/tmn)

Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Die Sammler von «Nonvaleurs», wie längst ungültige Börsenpapiere auch heißen, zahlen sogar viel Geld für die historischen, lange schon abgelaufenen Titel. Die Zahl der Sammler ist zwar gering - nach Angaben des Handels aber steigend.

Wie in anderen Staaten gibt es auch in Deutschland einen eigenen Markt für die «Nicht-Werte» von der Börse. Auf ihm tummeln sich Auktionsveranstalter, Fachhändler und Sachverständige. Kataloge, Literatur und eine Fachzeitschrift weisen Einsteigern und Liebhabern den Weg. «Das Laub der Börse» nennt der vereidigte Sachverständige Hans-Georg Glasemann aus Frankfurt die für den regulären Handel wertlosen Papiere. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich auch in Deutschland ein «funktionsfähiger Sammlermarkt» für die sogenannten Historischen Wertpapiere etabliert. Ihre Zahl ist unübersehbar.

Brauereien, Bergwerke, Industriebetriebe, Eisenbahngesellschaften, Schifffahrtslinien, Banken und selbst Zoos - sie alle brachten Aktien auf den Markt, um zu Kapital zu kommen. Glasemann rät Einsteigern, sich beim Sammeln auf ein möglichst eng umrissenes Gebiet zu konzentrieren: «Sonst sieht man kein Ende.» So kann man sich beispielsweise auf Länder oder Branchen spezialisieren und dabei wieder Schwerpunkte setzen.

Wer zum Beispiel die beliebten Papiere alter Eisenbahngesellschaften sammelt, wird seine Kollektion kaum jemals komplettieren können. «Allein in den USA brachten im Jahr 1890 an die 16 000 Gesellschaften ihre Papiere an die Börse», sagt Ralf Hell, Chef des Handelshauses Historisches Portfolio in Völklingen (Saarland). Diese Aktien seien besonders durch ihre künstlerische Gestaltung in Stahlstichdruck beeindruckend.

Auch Abbildungen von Schiffen und Industrieanlagen, Dekor im Jugendstil, in Art Déco oder gar Historismus schmücken die Papiere, deren Wert einst über Aufstieg und Niedergang von Volkswirtschaften entschied. Und sie schrieben Wirtschaftsgeschichte. So liegen in den Mappen der Sammler Aktien wie die der Suezkanal-Gesellschaft oder jener, die den Eiffelturm finanzierte. Die erste Aktie gab die Niederländische Ostindien-Compagnie im Jahr 1606 heraus, um den Handel mit den Kolonien zu finanzieren.

Alte Wertpapiere müssen nicht teuer sein. «Schon ab 5 Euro kann man ordentliche Altaktien kaufen», sagt Reinhild Tschöpe, Inhaberin des Auktionshauses Tschöpe für historische Wertpapiere und Finanzdokumente in Kaarst im Rheinland. Doch es gibt auch richtige Schätze. Dazu gehört eine Gründeraktie der Standard Oil mit Originalunterschrift von John D. Rockefeller, die 1997 bei einer Auktion für 270 000 Mark den Besitzer wechselte.

Lieber Klasse statt Masse, so lautet Hells Rat für Sammler. Und er warnt vor übertriebenen Hoffnungen auf einen schnellen Gewinn. Nur ausgewählte Stücke verzeichneten Wertsteigerungen. «Es werden auch Fälschungen angeboten», sagt Glasemann. Experten weisen darauf hin, dass selbst Farbkopien als vermeintliche Schnäppchen auftauchen. Echte Aktien erkennt man an Blindsiegel, Wasserzeichen und Guillochen - das sind vielfach verschlungene symmetrische Figuren aus feinen Linien.

Weitere Informationen: www.nonvaleurs.de