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Freizeit und Hobby

30.06.2008 15:19 Alter: 12 yrs

50. Todestag eines herausragenden Automobil-Zeichners

Kategorie: Kreatives

- Bernd Reuters weckte Liebe zu Käfer, Bulli und Co. - Nüchterner Technik den Hauch von begehrenswerter Schönheit und Eleganz verleihen: Diesen Kunstgriff beherrschte der Zeichner Bernd Reuters wie kaum ein anderer.

1956 VW, Karmann Ghia,

(openPR) - Große Automarken wie VW, Audi oder Opel kamen durch seine Werbegrafiken vor und nach dem Zweiten Weltkrieg so richtig in Fahrt. Reuters starb am 6. Juli 1958 im Alter von erst 56 Jahren.
Zu seinen letzten großen Werken zählten die bei Sammlern heute heiß begehrten Prospekte für den VW-Käfer, den „Bulli“ und den Karmann Ghia. Reuters stand für schnittig, stromlinienförmig, schnörkellos - für automobile Inszenierungen, mit denen er die Werbefotografie damals hinterher fahren ließ. Den Namen dieses Meisters der Autoreklame kennen nur noch wenige Automobil- und Kunstfans.

Bernd Reuters kam am 11. September 1901 in Berlin auf die Welt. Nach kurzer Ausbildung an der Kunstgewerbeschule lockte die Praxis. Mit bereits 20 Jahren arbeitete er als Pressezeichner für einen Berliner Zeitschriftenverlag. Reuters illustrierte auch Kurzgeschichten des damals noch unbekannten Schriftstellers Erich Maria Remarque, ebenfalls freier Mitarbeiter des Verlages.
Mitte der Zwanziger Jahre wurde die Automobil-Industrie auf das Reutersche Zeichentalent aufmerksam. Sein erster Kunde war damals Brennabor. Schnell kamen weitere Autokonzerne wie beispielsweise Ford und Opel hinzu. Ab 1933 gab es Aufträge von der Auto Union für ihre vier Marken Audi, DKW, Horch und Wanderer. Sein Ruf eilte bis nach England, wo der Autobauer Morris auf seine Grafiken setzte. Bernd Reuters entwickelte einen eigenen, unverwechselbaren Stil, beeinflusst von der plakativen Welt des „Art Déco“. Mit teils abstrakten, teils futuristischen Elementen weckte er die Begierde fürs Objekt. Details wie etwa Reifenprofile opferte er gern zugunsten der optischen Wirkung.


Bernd Reuters stieg schnell in die Formel Eins der automobilen Werbekünstler auf. Die legendäre Zeitschrift „MoToR“ sprach 1929 in einem Beitrag über Autoreklame vom „unübertroffenen Fluidum aller Reuters Anzeigen“. Die Fachzeitschrift „Gebrauchsgrafik“ würdigte ihn im gleichen Jahr als Künstler, der seine Materie perfekt beherrsche. Das Auto werde bei ihm zu etwas Lebendigem, zu einem Organismus.
Die leidenschaftliche Beschäftigung mit dem Automobil führte dazu, dass sich Reuters kritisch-konstruktiv auch mit dem Karosseriedesign auseinandersetzte. Seine Visionen und Vorschläge präsentierte er zwischen 1929 und 1935 als Autojournalist in vielen Beiträgen. Für das mondäne Gesellschaftsblatt „Sport im Bild“ wägte er zum Beispiel amerikanische und europäische Karosserien ab oder machte auf Mängel bei der „Kabriolett-Mode“ aufmerksam. Der Werbegrafiker zeigte Designer-Qualitäten. Die Autobauer hängten es zwar nicht unbedingt an die große Glocke, aber die Zeichnungen, die Reuters zu seinen Beiträgen mitlieferte, landeten in den Konstruktionsabteilungen bestimmt nicht im Papierkorb.

Trotz Weltwirtschaftskrise und den Restriktionen des NS-Regimes blieb Bernd Reuters - ein Großvater war jüdischer Abstammung - seinem Kunststil treu und behielt volle Auftragsbücher. Nach einem Bombenangriff 1943 brannte jedoch sein Berliner Atelier nieder, viele seiner Originalzeichnungen und Skizzen sollen dabei vernichtet worden sein. Der Werbegrafiker zog vorübergehend aufs Land nach Brandenburg.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und in der neuen Wahlheimat Hamburg konnte Bernd Reuters wieder Gas am Zeichentisch geben. Ab 1949 kamen erneut Aufträge von Ford, ein Jahr später außerdem von VW. Der unnachahmliche Stil von Reuters war dort hochgeschätzt. Er vermittelte in den Zeiten des Wirtschaftswunders die Sehnsucht nach einer Autofahrt ins Grüne, zeichnete Menschen fröhlich und farbenfroh, weil sie sich eben (wieder) ein Auto leisten konnten.
Die Wolfsburger Autobauer ließen von Reuters nicht nur einzelne Anzeigen entwerfen, sie vertrauten ihm die Gestaltung der Prospekte für den VW-Käfer, die T1-Serien (Bulli) und den Karmann Ghia an. Den ganz großen Siegeszug, den der „Kugelporsche“ nicht zuletzt dank Werbung antrat, erlebte Bernd Reuters nicht mehr mit. Sein Talent erlosch am 6. Juli 1958, als er in Hamburg nach einem Herzinfarkt verstarb. Der Käfer im Zeitgeist der sechziger Jahre hätte ihn sicher noch zu vielen wunderbaren Zeichnungen inspiriert.

Text und Bilder von Markenschaetze.de®

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