Aktuelle Seite: Start/Fachbeiträge
Montag, 25.10.2021

icon Themenauswahl:

Aktuelle Meldungen

ist-time"> 15:31
Kat: Finanzen und Recht, Vorsorge + Trauer, LKR Kulmbach





TEMPLATE_CAT_RELATED

shows a list of related news with the same category

Erbrechtstipp der Woche 15:31



Erbrechtstipp der Woche

Kategorie: Finanzen und Recht, Vorsorge + Trauer, LKR Kulmbach
Von: RAGust

(Verf.: Rüdiger Gust, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Erbrecht)

Frage: Was gilt, wenn der Erblasser (so nennt das Gesetz den Verstorbenen oder die Verstorbene) mehrere Testamente hinterlassen hat?

 

Antwort: Es kommt öfters vor, als man denkt: Der Erblasser hinterläßt nicht nur ein Testament, sondern mehrere. Viele Erblasser haben im Laufe ihres Lebens unterschiedliche Testamente verfasst.  Oft wurden dabei durch neue Testamente ältere Testamente nur ergänzt oder abgeändert. Dies kann im Todesfall zu erheblicher Verwirrung führen. Oft ist dann unklar, was der Erblasser eigentlich wollte bzw. welche Testamente er abändern wollte und welche nicht.

Zudem gibt es immer noch den weit verbreiteten Irrtum, dass ein notarielles Testament einem eigenhändigen Testament vorginge. Dies ist so nicht richtig – Sonderregeln mögen für Erbverträge gelten, welche jedoch nicht mit Testamenten gleichzusetzen sind.

Durch eine formwirksame (Eigenhändigkeit, Ort, Datum und Unterschrift) kurze handschriftliche Notiz könnte der Erblasser also ein seitenlanges notarielles Testament ohne weiteres außer Kraft setzen – solange bestimmte Formvorschriften, die das Gesetz dennoch vorsieht, vom Erblasser im eigenhändigen Testament auch gewahrt sind.

Darüber hinaus ist es auch nicht so – wie vielfach geglaubt wird -, dass nur das älteste Testament gilt. Im schlimmsten Fall kann es vielmehr so sein, dass überhaupt kein Testament gilt und die gesetzliche Erbfolge eintritt. Denn gemäß § 2258 BGB gilt grundsätzlich, dass durch die Errichtung eines Testamentes ein früheres Testament (nur) insoweit aufgehoben wird, als das spätere Testament mit dem früheren Testament in Widerspruch steht. Durch ungeschickte Formulierung kann dann ein formwirksames, eigenhändiges Testament im schlimmsten Fall eben zur Aufhebung eines früheren Testamentes führen.

 

Tipp: Um hier zu einem klaren Ergebnis zu gelangen, ist jedem, der ein Testament selbst errichtet, grundsätzlich anzuraten, dass er eindeutig festlegt, welche testamentarischen Anordnungen er abändern oder aufheben möchte und welche nicht. Dies mag auf den ersten Blick unnötige Schreibarbeit sein. Auf den zweiten Blick vermeidet dies aber erheblichen Streit. Im Zweifel empfiehlt sich immer die Überprüfung durch einen Fachanwalt für Erbrecht.

 

Frage: Ich soll einen Erbverzichtsvertrag mit meinen Eltern schließen. Was bedeutet das?

Antwort: Vorsicht! Mit einem Erbverzichtsantrag verzichten Sie auf Ihr gesetzliches Erbrecht und auf den Pflichtteilsanspruch. Sie und Ihre Kinder werden nach dem Verzichtsvertrag erbrechtlich so behandelt, als gäbe es Sie gar nicht. Ein solcher Vertrag wird deshalb wenn überhaupt nur gegen Abfindung unterzeichnet, so dies nach den Umständen möglich ist. Eine Alternative wäre ein bloßer Pflichtteilsverzichtvertrag nur nach dem erstversterbenden Elternteil. Hier sollten Sie auf jeden Fall vorher den Rat eines Fachanwalts für Erbrecht einholen.

Rüdiger Gust, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Erbrecht


To top