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Bildung + Wissen

16.05.2008 16:55 Alter: 14 yrs

Künstlergärten in der Provence

Kategorie: Buchbesprechungen, Regierungsbezirk Oberfranken
Von: Literature.de

"Ach, das müsste schön sein, ein Häuschen mit Garten"... heißt es in einem Uraltschlager. Besonders schön ist das Traumhäuschen, wenn es auch noch in Gefilden liegt, die großzügig von der Sonne verwöhnt werden, die mit üppiger Vegetation beschenkt sind und landschaftlich Auge und Herz erfreuen.

Die Provence im südlichen Frankreich ist eine dieser nahezu paradiesischen Landstriche und so nimmt es nicht wunder, dass es seit Jahrhunderten Künstler und Architekten, Landschaftsmaler und Dichter in diese Gegend zog. Hier steht der Lavendel in voller Blüte, knorrige Olivenbäume wiegen sich im sanften Wind und auf der ockergelben Erde gedeiht der Wein. Die Engländer machten zu Beginn des 19. Jahrhunderts den Anfang und flohen die bekanntermaßen feuchtkalte britische Insel, um die Wintermonate im klimatisch begünstigten Frankreich zu verleben. Doch vor  allem die Maler zogen es wegen des Lichts, des hohen Himmels und der Farbenspiele hierher. Vincent van Gogh, Paul Cezanne und Auguste Renoir wählten sich die Provence als malerisches Modell.

In den 60er Jahren erkannten die Mitglieder der Fluxus- Gruppe, Vertreter der Konzeptkunst und des neuen Realismus den Reiz der Gegend und schufen sich hier Häuser und Gärten. Julia Droste- Hennings hat zu vielseitigen, zauberhaften Fotografien des Italieners Mario Ciampi Porträts dieser Künstlergärten zusammengestellt, allesamt Gesamtkunstwerke, die auch Besuchern offen stehen.

Da ist zum Beispiel der skurrile Garten von Ben Vautier, der sammelt, was sich am Straßenrand nur finden lässt. Die Fassade seines Hauses ist über und über mit Schildern und Bildern bestückt, aus der sich die schlanken Beine von Schaufensterpuppen ranken.  Im Garten stehen die Kloschüsseln und darin sprießen Kräuter und Buchsbäume. Im Garten von Yvon Le Bellec überragt eine gute zehn Meter hohe Skulptur in Form eines exotischen Vogels die Büsche und Bäume, im Areal steht auch als leuchtender Farbpunkt eine englische Telefonzelle. Blütenpracht und Lavendelfelder kennzeichnen den Garten von Dominique Lafaurchade, die Fotos lassen einem förmlich den betörenden Duft in die Nase steigen.

Die Autorin hat detailgetreu und sachlich den Werdegang von mehr als zwanzig Künstlerpersönlichkeiten beschrieben und danach lädt sie beschreibend zu einem Rundgang durch die mit Skulpturen künstlerisch gestalteten Gärten ein. Es sind kunstvolle Fantasien aus Grün und Objekt, immer gehören Wasserstellen dazu, immer wechseln Licht und Schatten ab, auch der Gartenzwerg oder der grünbemalte freundliche Löwe im Gelände fehlen nicht.

Das Buch ist eine Augenweide, interessant für Gartenfreunde, aber auch für alle diejenigen, die sich schauend und lesend mit den Vertretern der zeitgenössischen Kunst in Frankreich beschäftigen wollen. Ein Buch wie ein Spaziergang, belebend für die Sinne, aufregend, anregend.

(c) Irmela Körner, www.literature.de - Das Literaturportal

Julia Droste-Hennings
Künstlergärten in der Provence
Hirmer Verlag, März 2008
240 Seiten, gebunden, EUR 49,90
ISBN 377744135X