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Auto und Motorrad

07.03.2008 10:36 Alter: 13 yrs

Ferrari Favorit - McLaren-Mercedes Herausforderer

Kategorie: Aktuell und Interessant

Ferrari als Favorit, McLaren-Mercedes als schärfster Widersacher und dahinter mit größerem Rückstand BMW-Sauber, Renault, Williams-Toyota und Red Bull im Kampf um Platz drei: Die Formel 1 läuft vor dem Saisonstart am 16. März in Melbourne langsam wieder heiß.

Kimi Räikkönen (vorne l.) und sein Teamkollege Felipe Massa (vorne r.) in Aktion.

Stuttgart (dpa) - Bei den ausgiebigen Winter-Testfahrten hat sich dieses Kräfteverhältnis in der «Königsklasse» herauskristallisiert. «Ich räume Kimi Räikkönen die besten Chancen ein», legte sich Formel-1-Chef Bernie Ecclestone schon auf den finnischen Titelverteidiger als erneuten Weltmeister fest. Ein Herzschlagfinale wie im Vorjahr wäre zwar der Hit, scheint aber kaum wiederholbar, zumal der zweifache Champion Fernando Alonso nach der Dauerfehde mit seinem Teamkollegen Lewis Hamilton und McLaren-Mercedes reumütig zu Renault zurückgekehrt ist.

Deutschland bleibt bei den Piloten zumindest quantitativ die Nummer 1: Allerdings dürfte vom Quintett Nick Heidfeld, Nico Rosberg, Timo Glock, Sebastian Vettel und Adrian Sutil keiner ernsthaft ins WM-Rennen eingreifen können. Selbst ein Sieg ist nicht selbstverständlich. Zudem gibt es aus deutscher Sicht ein Novum: Erstmals seit 18 Jahren ist kein «Schumi» am Start. Superstar Michael Schumacher stieg nach sieben WM-Titeln, 91 Grand-Prix-Erfolgen und zahlreichen weiteren Bestmarken für die Ewigkeit 2006 aus, seinem Bruder Ralf blieb nach dem Cockpit-Verlust bei Toyota nur der Wechsel ins diesjährige Deutsche Tourenwagen Masters (DTM).

«Wir wollen gewinnen und beide Titel verteidigen», sagt Ferrari- Pilot Räikkönen und setzte sich damit hohe Ziele. «McLaren-Mercedes dürfte wieder unser härtester Konkurrent sein.» Der 28 Jahre alte Finne rechnet damit, dass sich das wahre Kräfteverhältnis erst nach ein paar Rennen abzeichnet, hofft aber dennoch auf klarere Verhältnisse als im Vorjahr. Scheinbar schon geschlagen, profitierte der Schumacher-Nachfolger bei der Scuderia vom Dauerstreit sowie taktischen und fahrerischen Fehlern bei den Silberpfeilen im Schlussspurt. Sensationell setzte sich der «Iceman» schließlich beim heißen Saisonfinale von Sao Paulo in der knappsten WM-Entscheidung der Grand-Prix-Geschichte mit nur einem Zähler Vorsprung vor den punktgleichen Rivalen Hamilton und Alonso durch.

Es bleibt abzuwarten, wie McLaren-Mercedes den größtenteils selbst verschuldeten Titelverlust verkraftet hat. Offen ist auch, ob sich das britisch-deutsche Team vom folgenschweren Spionage-Skandal und dem nervigen Dauerstreit mit dem spanischen «Stänkerer» Alonso erholt hat. Zudem tragen die Spekulationen um eine Ablösung von Teamchef Ron Dennis nicht zur Klimaverbesserung bei. Hamilton versichert, er habe das Vergangene verarbeitet und abgehakt: «Ich fühle mich stärker als 2007. Wir tun alles dafür, unsere Ziele zu erreichen.» Im Klartext heißt dies: Revanche für den verspielten Fahrertitel und die durch das harte Urteil des Internationalen Automobil-Verbandes FIA juristisch verlorene Konstrukteurs-Krone. «Die Jungs aus dem Vorjahr werden wohl wieder die härtesten Gegner sein», prognostizierte der 23 Jahre junge Vizeweltmeister.

Möglicherweise wird der Kampf um den dritten Rang spannender als das erwartete Duell an der Spitze. BMW-Sauber zeigte bei den Tests gewisse Schwächen, hat aber vielleicht nur geblufft. «Wir sind noch nicht da, wo wir sein wollen. Ich denke aber, dass wir drittstärkste Kraft sind», urteilte Heidfeld. Für den Mönchengladbacher, der in 132 Grand Prix noch nie gewonnen hat, geht es um viel. «Der erste Sieg ist unser Ziel», sagte er. «Ich glaube daran, dass wir es schaffen.» Zudem muss die neue deutsche Nummer 1 den Angriff Rosbergs fürchten.

Williams-Toyota machte mit seiner neuen Nummer 1 über den Winter mit die größten Fortschritte. «Das neue Auto kann alles besser als das alte», resümierte Nico Rosberg. «Mit Glück schaffe ich einen Podiumsplatz.» Rekord-Weltmeister Schumacher traut dem 22-Jährigen aus Wiesbaden auch dank des Potenzials des neuen FW30 eine Menge zu. «Ich hoffe, er hat Recht», bedankte sich Rosberg artig.

Eine Fahrt ins Ungewisse steht Timo Glock bei Toyota bevor. Ob der japanische Etat-Krösus endlich nach vorn stoßen kann oder weiter an Anschluss verliert, lässt sich derzeit nicht sagen. «Schön wäre es, wenn wir in die Punkte fahren könnten, was aber sehr schwierig wird», macht sich der GP2-Champion von 2007 keine Illusionen. Allerdings glückte dies dem 25-Jährigen aus Wersau bei seinem Kurzeinsatz für Jordan 2004 in Kanada als Siebter schon einmal.

Auf einen Aufwärtstrend dürfen Vettel und Sutil hoffen. Toro Rosso, das schon 2007 für einige Überraschungen sorgte, könnte die Sensation werden und einigen Mittelfeldteams auf den Pelz rücken. «Ich hoffe, dass es für Punkte reicht», sagte Vettel, der mit 20 Jahren jüngste deutsche Starter. «Auf jeden Fall einen oder zwei, vielleicht auch drei Punkte», wünscht sich Sutil, der diese Saison als «Schlüsseljahr» einstuft. Wegen des Einstiegs des finanzkräftigen neuen Teambesitzers Vijay Mallya geht der talentierte Pianist aus Gräfelfing davon aus, dass Force India besser bei der Musik dabei ist.

Wie jedes Jahr gibt es einige Regeländerungen. Das Verbot der Traktionskontrolle, die Einheitselektronik und die auf vier Rennen verlängerte Haltbarkeit des Getriebes sind die einschneidensten technischen Neuerungen. In der Qualifikation bleibt es beim K.o.- System. Allerdings wird die erste Runde um fünf auf 20 Minuten verlängert, die dritte Runde dafür um fünf auf zehn Minuten verkürzt. Neu im auf 18 Läufe aufgestockten WM-Kalender sind Valencia und Singapur, wo erstmals ein Nachtrennen stattfindet. In Deutschland ist der Hockenheimring (20. Juli) in diesem Jahr statt des Nürburgrings an der Reihe.