Donnerstag, 02.12.2021

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Rezepte aus Thüringen

In Zusammenarbeit mit dem Hädecke-Verlag präsentieren wir Dir überlieferte Rezepte mit kulturhistorischen Anmerkungen. 

 

Schietchen

In alten Kochbüchern habe ich auch die Schreibweise „Schüttchen“ gefunden; diese entspricht jedoch keineswegs der mir bekannten Aussprache, die das „ie“ nicht allzu lange dehnte und das „t“ sehr weich formte.


„Schietchen“ wurden von meiner Großmutter in Ilmenau jeden Monat einmal gebacken. Ich bin heute noch der Überzeugung, dass sie nur deshalb einen so riesigen Herd in ihrer Küche hatte, um genügend „Schietchen“ backen zu können. Es gab sie morgens zum Frühstück und nachmittags zum Kaffee. Die Scheiben durften „geditscht“ werden.


Mein kindlicher Wunsch nach Butteraufstrich wurde jedoch strikte abgelehnt. Deshalb erfülle ich ihn mir heute um so lieber. Manchmal gebe ich dann sogar noch Gelee obenauf. Früher wäre das im Thüringer Wald als Prasserei betrachtet worden.


2 kg Mehl
11/4 l Milch
100g Hefe
250g Butter
175g Zucker
1 kleine Prise Salz
100 bis 200 g Korinthen
50 g Mandelblättchen
Einige Essl. Butter zum Bestreichen

 

Mehl in eine große Schüssel sieben und Zimmertemperatur annehmen lassen. In der Mitte eine Kuhle drücken. Hefe mit einigen Esslöffeln lauwarmer Milch verrühren und hineingießen, mit etwas Mehl von den Rändern bestäuben und das Hefestück aufgehen lassen. Weiche Butter sowie Zucker auf dem Mehl verteilen, wenig Salz zufügen und einen nicht zu weichen Hefeteig unter Hinzufügen der restlichen Milch kneten. Aufgehen lassen. Gewaschene und abgetropfte Korinthen in den aufgegangenen Teig kneten, nochmals kurz ruhen lassen und drei Stollen daraus formen. Nochmals 20 Minuten gehen lassen und mit Wasser bestreichen. Mandelblättchen darüber verteilen und im vorgeheizten Ofen bei etwa 180°C goldbraun backen.

 

Herausnehmen und noch warm mit etwas Butter bestreichen, was Geschmack und Haltbarkeit verbessert.

 

Anstelle der teuren Mandeln hat man oft auch nur Streuzucker oder Hagelzucker verwendet; der wurde sofort nach dem Bestreichen mit Butter auf die „Schietchen“ gestreut.

 

 

Dieses Rezept finden Sie auf der Seite 671 "Aus Deutschlands Küchen"

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Blaubeer-Kaltschale

Die Blaubeeren (Heidelbeeren) wucherten überall in den Wäldern. Alle Familien gingen sommers „in die Beeren“. Auf dem Heimweg hatten die Kinder dicke schwarze Ränder um die Mäulchen, die Erwachsenen schleppten eimerweise die kostenlose Ernte.

 

750 bis l000 g Blaubeeren
Zucker nach Belieben
1 l Milch

 

Die Beeren verlesen, ganz kurz waschen. Mit Zucker vermengen und zugedeckt mindestens eine Stunde stehen lassen. Dann kalte Milch darüber gießen und in Schalen servieren.

 

Dazu gab es ein dickes Stück „Schietchen“ wie im Hause meiner Großeltern das Kuchenbrot genannt wurde, das es das ganze Jahr über zu Frühstück und Nachmittagskaffee gab. Es war natürlich selbstgebacken.

 

Rezeptvariation:
Zum Sonntag gab es diese Kaltschale für Erwachsene mit einer Weinsauce. Dazu wurde 1/2 l Weißwein mit der gleichen Menge Wasser und dem Saft einer Zitrone vermischt und über die Blaubeeren gegossen. So schmeckte dann sogar der Wein, den man in Thüringen beim Kaufmann erstehen konnte.

 

Warnung:
Die heute üblichen Kulturheidelbeeren haben mit ihren wilden Verwandten leider nur Farbe und Namen gemeinsam!

 

Dieses Rezept finden Sie auf der Seite 152 "Aus Deutschlands Küchen"

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ECHTE KÜCHEN-KLASSIKER

Die kulinarischen Traditionen Deutschlands in einem Band: überlieferte Rezepte mit kulturhistorischen Anmerkungen

 

Quer durch Deutschland von Schleswig-Holstein nach Bayern, vom Saarland bis nach Sachsen-Anhalt stellt Horst Scharfenberg, der Altmeister der deutschen Küchenliteratur, Originalrezepte aus allen Regionen Deutschlands vor, sorgfältig recherchiert aus alten Kochbüchern und handschriftlichen Notizen überlieferter Familientraditionen.

 

Jede Region hat ihre eigenen Gewohnheiten und Spezialitäten entwickelt: ob Thüringer Klöße, sächsischer Blechkuchen, Nürnberger Rostbratwürste, Obatzter, Braunbiersuppe, Schmorgurke, Hoppel-Poppel, Schlesisches Himmelreich, Schmant mit Glumse, Gänseschwarzsauer, Matjesfilet mit grünen Bohnen, Erbsen mit Snuten und Poten, Labskaus, Pfeffer-Potthast, Döbbekoche, Lewwerknepp, Pfitzauf und Spätzle.

 

Hier werden alle typischen Gerichte vorgestellt: von der Vorspeise über Beilagen und Hauptgerichte wie Fisch, Geflügel, Fleisch und Wild bis zu Backrezepten und Getränken. Untermalt mit alten Stichen und Abbildungen aus antiquarischen Kochbüchern und mit vielen Hintergrundinformationen über die Entstehung, Unterschiede und Gemeinsamkeiten der landestypischen Spezialitäten.

 

Die Regionen:
Bayern – Hessen – Sachsen – Thüringen – Sachsen-Anhalt – Berlin und Brandenburg – Schlesien – Ostpreussen – Mecklenburg-Vorpommern – Schleswig-Holstein – Hansestädte – Niedersachsen – Westfalen – Rheinland mit der Mosel – Pfalz, Rheinhessen und Saarland – Baden – Württemberg – Rezepte aus ganz Deutschland

 


Aus Deutschlands Küchen
von Horst Scharfenberg
völlig überarb. + erweiterte Neuausg., 775 Seiten, mit 292 s/w-Illustrationen (aus alten Stichen), 145 x 215 mm, Hardcover mit  schwarz-rot-goldenem Lesebändchen
Für Deutschland: € [D] 34,–
Für Österreich: € [A]* 34,90
ISBN 978-3-7750-0415-2
Oktober 2004. WALTER HÄDECKE VERLAG, Weil der Stadt