Mittwoch, 18.05.2022

icon Themenauswahl:

Rezepte aus Schleswig Holstein

In Zusammenarbeit mit dem Hädecke-Verlag präsentieren wir Dir überlieferte Rezepte mit kulturhistorischen Anmerkungen. 

Rote Grütze / Rode Grütt

Auch in Dänemark gilt sie als Nationalgericht; aus welcher Landschaft sie nun wirklich stammt, ist kaum noch festzustellen. Es ist auch unerheblich, denn Lebensformen und Essgewohnheiten sind dauerhafter als Grenzpfähle.

Die rote Grütze ist seit vielen Jahrzehnten auch in anderen Küstenlandschaften der Ost- und Nordsee heimisch geworden, bis nach Ostpreußen hin. In den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts hat sie die Menükarten der Nobelgastronomie ganz Deutschlands erobert.

Grütze war Jahrhunderte lang eines der Hauptnahrungsmittel der bäuerlichen Bevölkerung. Sie wurde als Brei aus Getreideschrot gekocht. Als Flüssigkeit nahm man Wasser, Brühe, Milch oder – Fruchtsaft. Verfeinert wurde die Grütze, die man ursprünglich gemeinsam aus einer Schüssel („Grapen“) löffelte, durch Butter oder Vollmilch. Rote Grütze ist die einzige Grützeform, die immer noch populär ist.

Das älteste mir bekannte Rezept stammt aus den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts.

500g entstielte rote Johannisbeeren
250g Himbeeren
11/2l Wasser
1/4 Vanillestange
Etwa 200 g Zucker (je nach Säuregehalt der Früchte und persönlichem Geschmack)
Gut 100 g Stärkemehl oder Sago



Gewaschene Früchte in der angegebenen Wassermenge so lange kochen, bis sie ganz weich sind. Durch ein feines Sieb passieren. Die dabei gewonnene Flüssigkeit mit der Vanille und dem Zucker nochmals kräftig durchkochen; dabei gut rühren.

Stärkemehl in 1 bis 2 Tassen kaltem Wasser anrühren und in den gesüßten Fruchtsaft einsprudeln. Nochmals aufkochen.

In eine mit kaltem Wasser ausgespülte Form füllen und kalt stellen.

Anrichten: „Rode Grütt“ kam früher nur in der Schüssel auf den Tisch. Jeder bekam seine Portion in ein Schälchen oder einen tiefen Teller.
Heute gießt man die heiße rote Grütze gern gleich in Portionsschälchen.

Beilagen: Kalte Milch oder süße Sahne, ungeschlagen. Kalte Vanillesauce führt nicht unbedingt zum Geschmacksgipfel. Stets erst im letzten Augenblick, unmittelbar vor dem Verzehr, über die rote Grütze gießen.

Rezeptvariationen: Anstelle der Früchte oder eines Teils der Früchte kann man auch Fruchtsaft verwenden. Auch eingemachte oder tiefgefrorene Früchte sind möglich. Es können auch zusätzliche Obstsorten verwendet werden. Sehr beliebt sind Kirschen, Sauerkirschen und schwarze Johannisbeeren.

Viele Hausfrauen geben einen Teil der Früchte erst kurz vor Beendigung der Kochzeit zu, damit diese nicht zerkochen, sondern der Grütze einen gewissen „Biss“ geben.

Zur Bindung wird oft auch Sago verwendet; manche behaupten sogar, nur mit Sago sei die rote Grütze original. In Ostpreußen und Sachsen habe ich vor Jahrzehnten stets rote Grütze mit Grieß vorgesetzt bekommen. Eine derartige Bindung könnte die ursprüngliche sein, denn die Worte „Grütze“ und „Grieß“ gehören zur gleichen wortgeschichtlichen Gruppe.

Als Verfeinerung können Rotwein oder hochprozentige Spirituosen dienen.

Bitte beachten: Rote Grütze darf nie zu steif sein. Die richtige Konsistenz liegt zwischen Pudding und Brei. Beim Abschmecken kann die Speise ruhig etwas zu süß oder zu parfümiert schmecken, sie wird nämlich beim Abkühlen und durch Milch- oder Sahnebeigabe erheblich milder.


Dieses Rezept finden Sie auf der Seite 622 "Aus Deutschlands Küchen"

To top

ECHTE KÜCHEN-KLASSIKER

Die kulinarischen Traditionen Deutschlands in einem Band: überlieferte Rezepte mit kulturhistorischen Anmerkungen

Quer durch Deutschland von Schleswig-Holstein nach Bayern, vom Saarland bis nach Sachsen-Anhalt stellt Horst Scharfenberg, der Altmeister der deutschen Küchenliteratur, Originalrezepte aus allen Regionen Deutschlands vor, sorgfältig recherchiert aus alten Kochbüchern und handschriftlichen Notizen überlieferter Familientraditionen.

 

Jede Region hat ihre eigenen Gewohnheiten und Spezialitäten entwickelt: ob Thüringer Klöße, sächsischer Blechkuchen, Nürnberger Rostbratwürste, Obatzter, Braunbiersuppe, Schmorgurke, Hoppel-Poppel, Schlesisches Himmelreich, Schmant mit Glumse, Gänseschwarzsauer, Matjesfilet mit grünen Bohnen, Erbsen mit Snuten und Poten, Labskaus, Pfeffer-Potthast, Döbbekoche, Lewwerknepp, Pfitzauf und Spätzle.

Hier werden alle typischen Gerichte vorgestellt: von der Vorspeise über Beilagen und Hauptgerichte wie Fisch, Geflügel, Fleisch und Wild bis zu Backrezepten und Getränken. Untermalt mit alten Stichen und Abbildungen aus antiquarischen Kochbüchern und mit vielen Hintergrundinformationen über die Entstehung, Unterschiede und Gemeinsamkeiten der landestypischen Spezialitäten.

Die Regionen:
Bayern – Hessen – Sachsen – Thüringen – Sachsen-Anhalt – Berlin und Brandenburg – Schlesien – Ostpreussen – Mecklenburg-Vorpommern – Schleswig-Holstein – Hansestädte – Niedersachsen – Westfalen – Rheinland mit der Mosel – Pfalz, Rheinhessen und Saarland – Baden – Württemberg – Rezepte aus ganz Deutschland

 


Aus Deutschlands Küchen
von Horst Scharfenberg
völlig überarb. + erweiterte Neuausg., 775 Seiten, mit 292 s/w-Illustrationen (aus alten Stichen), 145 x 215 mm, Hardcover mit  schwarz-rot-goldenem Lesebändchen
Für Deutschland: € [D] 34,–
Für Österreich: € [A]* 34,90
ISBN 978-3-7750-0415-2
Oktober 2004. WALTER HÄDECKE VERLAG, Weil der Stadt

paytopsites.com
femdom-fetish.org
bdsmhub.org
onlyfootfetish.org
onlymilf.org
shemalehub.org
spankbb.org