Samstag, 16.12.2017

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Lars Höllerer

Lars Höllerer hatte 1992 einen Motorradunfall und ist seither vom Hals abwärts gelähmt. Die erste Zeit nach dem Unfall war, wie er sagt, die Hölle für Ihn. Durch die Beschäftigung mit der Malerei fand er einen neuen Lebenssinn und einen erfüllenden Beruf.
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Gesundheit





Sport, Bewegung, Lebensfreude – auch bei Demenz

Sport, Bewegung, Lebensfreude – auch bei Demenz


Demenz ist ein Massenphänomen. Nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft leben gegenwärtig mehr als 1,4 Millionen Demenzkranke in Deutschland. Ihre Zahl wächst pro Jahr um ca. 40 000. Bis zum Jahr 2050 rechnet man mit etwa 3 Millionen Demenzkranken, falls nicht ein dramatischer Durchbruch in der Bekämpfung der Demenz gelingt. Und danach sieht es momentan nicht aus. Demenz ist nicht nur ein medizinisches, sondern auch ein gesellschaftliches Problem. Menschen mit Demenz sind Teil unserer Gesellschaft. Es geht zunehmend darum, wie Menschen mit Demenz so lange wie möglich am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Ein neuer Ansatz ist das Projekt „Was geht?“. Es wendet sich vor allem an Betroffene in der Frühphase.


Für Millionen Menschen sind Sport und sportliche Bewegung ein wichtiger Teil ihres Lebens. Sport- und Wandervereine halten sie nicht nur körperlich fit. Für Menschen jeden Alters sind sie auch fester Bestandteil des sozialen Lebens, der sozialen Identität – eben eine Quelle der Lebensfreude und Gesundheit. Viele Menschen sehen sich jedoch von dieser Quelle abgeschnitten, wenn die Schock-Diagnose Demenz fällt. Die Betroffenen sind verunsichert. Sie gehen nicht mehr zum Wandern, lassen sich nicht mehr beim Sport blicken, machen nicht mehr bei Kreativworkshops mit und ziehen sich allgemein zurück. Diese Isolation ist in vielerlei Hinsicht schädlich. Sie blockiert die noch vorhandenen Kompetenzen bei den Betroffenen und verstärkt das Gefühl der Hilflosigkeit. Sie entmutigt die Angehörigen beschleunigt deren soziale Ausgrenzung. Dabei sind Menschen in der Frühphase der Demenzerkrankung keineswegs hilflos und völlig inkompetent. In der Regel ist lediglich die Fähigkeit der Selbstorganisation eingeschränkt. Die Betroffenen verfügen über viele Fähigkeiten. Sie brauchen jedoch jemanden, der sie durch den Alltag begleitet.

Hier setzt das Projekt „Was geht! Sport, Bewegung und Demenz“ an. Mit Förderung der Robert-Bosch-Stiftung und des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ging das Projekt Anfang 2013 an den Start. Ziel ist die Förderung von Lebensfreude und Teilhabe von Menschen mit Demenz durch Sport und Bewegung und Aktivität. Teil des Projekts ist ein „Gute Praxis“-Wettbewerb für bereits begonnene Projekte mit einem vergleichbaren Ansatz.

Die notwendigen Strukturen sind weitgehend vorhanden. Es geht darum, die Ansätze miteinander zu verknüpfen und dadurch ein Netzwerk zu schaffen, das die Menschen in der frühen Phase der Demenzerkrankung auffängt und stützt. Bei der Auftaktveranstaltung in Stuttgart waren über 200 Vertreter von Sportvereinen und Selbsthilfegruppen sowie prominente Unterstützer gekommen. Unter anderem haben die Triathletin Imke Oehlerich und der Triathlet und Sportwissenschaftler Sebastian Zeller eine Patenschaft für das Projekt übernommen.


Die Gesellschaft öffnen

Peter Wissmann, Geschäftsführer von Demenz-Support Stuttgart: „In der Forschung glaubt heute niemand mehr daran, dass Demenz auf kürzere Sicht heilbar sein wird.“ Demenz wird die Gesellschaft zunehmend und auf längere Zeit beschäftigen. Es geht daher um eine Öffnung der Gesellschaft für Menschen mit demenziellen Einschränkungen.

Die Modellregionen Großraum Stuttgart und Kreis Minden-Lübbecke sind Vorreiter in der Integration von Menschen mit Frühdemenz im Bereich sportliche Aktivitäten und Bewegungsangebote. Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von geeigneten Veranstaltungen für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen.


Praktische Anwendungen

Ein Radprojekt, das der Verein Leben mit Demenz in Minden im vergangenen Jahr begonnen hat, sind die Feierabendtouren. Die Touren beginnen am Nachmittag gegen 15 Uhr, sie dauern etwa drei Stunden. In dieser Zeit legt die Gruppe eine Strecke von ca. 30 Kilometer zurück. Sie sind immer in Kombination mit einem anderen Programmpunkt, wie beispielsweise einem Museumsbesuch, gemeinsamem Kaffeetrinken oder etwas Ähnlichem. Durchschnittlich nehmen etwa 20 Personen an solchen Touren teil. Die Gruppe der Teilnehmenden setzt sich in der Regel aus acht Erkrankten, etwa fünf Angehörigen, zwei Gästen und fünf Begleitpersonen zusammen. Pro drei erkrankte Teilnehmende ist mindestens eine Begleitperson dabei. Der Tourleiter fährt vorne. Aber auch am Ende und zwischendurch werden erfahrene Begleiter benötigt, die die Gruppe absichern. „Eine solche Tour mit 20 Personen bedeutet eine Länge von etwa 100 Meter an der Straße. Das Ganze muss ja zusammenbleiben, da sind Logistik und sehr viele Organisationen gefordert“, sagt Hartmut Schilling, einer der Initiatoren des Projekts. Angehörige werden nicht mit der Aufgabe der Absicherung betraut. Sie sollen lediglich dabei sein und gemeinsam mit ihren demenzkranken Angehörigen die Freude der Radtour erleben.

Vom schwäbischen Albverein werden offene Wanderungen organisiert, an denen Menschen mit Frühdemenz und ihre Angehörigen teilnehmen können. Es sind leichte, kurze Touren. Dabei werden ausreichend Pausen gemacht. Die Touren werden von qualifizierten Personen begleitet, die Erfahrung im Umgang mit demenziell veränderten Menschen haben. Der ADFC Baden-Württemberg hat verschiedene Radtouren für Betroffene geplant. (Infos dazu auf der Homepage von Demenz-Support.)


Aussichten

Die Hoffnung der Initiatoren ist, dass weitere Vereine und Selbsthilfegruppen die Idee aufgreifen und eigene Aktionen und Veranstaltungen entwickeln und dass bestehende Projekte miteinander vernetzt werden. Der Bedarf für die Unterstützung von Menschen mit Frühdemenz ist riesig.


Buchtipps

Britta Wiegele, Sophia Poulaki

Hilfe, ich werde vergesslich!

Broschiert, 153 Seiten

Ernst Reinhardt Verlag ISBN: 3497023462

Preis: 16,90 Euro





Helga Rohra

Aus dem Schatten treten

Warum ich mich für unsere Rechte als Demenzbetroffene einsetze

Herausgeber: Demenz-Support Stuttgart

ISBN: 9783940529862

Mabuse-Verlag

Taschenbuch, 133 Seiten

Preis: EUR 16,90



Christian Zimmermann, Peter Wissmann

Auf dem Weg mit Alzheimer

Wie sich mit einer Demenz leben lässt

Herausgeber: Demenz-Support Stuttgart
ISBN-9783940529909

Mabuse-Verlag

Taschenbuch, 150 Seiten

Preis: EUR 16,90



Adressen


Demenz Support Stuttgart gGmbH

Zentrum für Informationstransfer

Hölderlinstraße 4, 70174 Stuttgart

Telefon 07 11 / 9 97 87-10, Fax 9 97 87-29

redaktion@demenz-support.de

www.demenz-support.de


Leben mit Demenz – Alzheimergesellschaft Kreis Minden-Lübbecke e.V.

Goethestr. 42, 32427 Minden

Telefon 05 71/ 97 42 96-7, Fax 97 42 96-8

post@leben-mit-demenz.info

www.leben-mit-demenz.info


Alzheimer Gesellschaft

Baden-Württemberg e.V.

Friedrichstr. 10, 70174 Stuttgart

Tel. 07 11 / 24 84 96-60, Fax 24 84 96-66

info@alzheimer-bw.de

www.alzheimer-bw.de