Freitag, 15.12.2017

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Pflegetipps


Schwester Petras Pflege-Tipps bei Diabetes mellitus
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Diabetes Mellitus

Wer heute in Deutschland geboren wird, hat eine um über 30 Jahre höhere Lebenserwartung als derjenige, der vor 100 Jahren geboren wurde. Im Jahr 2050 wird es doppelt so viele 60-Jährige wie Neugeborene geben. Ebenso ist auch die Lebenserwartung älterer Menschen weiter gestiegen. Eine 80-jährige Frau hat im Jahre 2007 nach Angaben des statistischen Bundesamtes Deutschland immerhin noch eine durchschnittliche Lebenserwartung von 8,92 Jahren. Sie hat also gute Chancen 89 Jahre alt zu werden.


Das Risiko, an einer klassischen Alterserkrankung wie zum Beispiel Diabetes mellitus zu erkranken, wird um so größer, je älter eine Person wird. Als klassische Alterserkrankung ist Diabetes mellitus am häufigsten bei Menschen zwischen dem 75. und 80. Lebensjahr vertreten. Nach Daten der KORA*-Studie liegt die Verbreitung in dieser Altersgruppe derzeit bei etwa 25 Prozent. In Deutschland leidet also bereits ein Viertel der über 75-Jährigen an Diabetes.


Während heute etwa 3,7 Millionen Menschen in Deutschland älter als 80 Jahre sind, werden es 2050 mehr als zehn Millionen sein. Damit steigt auch die Zahl der Menschen mit Diabetes (1).

Zurzeit geht man von rund sechs Millionen Bundesbürgern mit erkanntem Diabetes aus. Aufgrund der wachsenden Betroffenenzahl – die Deutsche Diabetes-Union geht von einer Steigerung von derzeit sechs auf zehn Millionen Patienten im Jahre 2010 aus. Zudem tritt Diabetes Typ 2 mit zunehmender Tendenz bei immer jüngeren Menschen auf. Somit ist mit einem weiteren Anstieg der Kosten zu rechnen (2).


Auswirkungen auf das Gesundheitswesen


Diabetes mellitus zählt zu den teuersten chronischen Erkrankungen. Diabeteskranke brauchen einen hohen Therapieaufwand, sie haben häufige Arbeitsausfallzeiten und gehen überdurchschnittlich früh in Rente. Das alles trägt maßgeblich zur Belastung des Gesundheitswesens sowie der Volkswirtschaft bei.


Die eigentlich schmerzlose Krankheit bringt verheerende Komplikationen mit sich. Dazu zählen Erblindung, Nierenversagen, Herz- und Gefäßerkrankungen. Diese Folgeerkrankungen bürden dem Gesundheitssystem eine große Last auf. Es wird geschätzt, dass der Diabetes mellitus zwischen 5 und 10 Prozent der jeweiligen nationalen Gesundheitsbudgets ausmacht.


Laut KoDiM (Kosten Diabetes mellitus) verursachten Menschen mit Diabetes in Deutschland im Jahre 2001 insgesamt Kosten in Höhe von 59,8 Milliarden Euro für Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Krankschreibungen und Frühberentungen.


Strategien zur Kostenreduzierung, so der Direktor des Münchener Else-Kröner-Fresenius-Zentrums, Prof. Dr. med. Hans Hauner, beinhalten eine strenge Therapie der Grunderkrankung, also das Erreichen annähernd normaler Blutzuckerwerte und damit eine Vermeidung der teuren Folgeerkrankungen. Daher gelte es, so Hauner weiter, insbesondere die Mitarbeit und Eigenverantwortung (Compliance) der Patienten unter anderem durch gezielte Schulungsmaßnahmen zu verbessern.


Definition und Diagnosekriterien(3)


Der Diabetes mellitus, auch Zuckerkrankheit genannt, steht für eine Gruppe von Stoffwechselerkrankungen, bei denen die Zuckerkonzentration im Blut durch einen Insulinmangel ständig erhöht ist. Damit ist das Risiko für schwere Begleit- und Folgeerkrankungen verbunden.
Insulin ist ein Hormon, das in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird und die Aufgabe hat, die Aufnahme von Zucker (Glucose) aus dem Blutstrom in die Zellen sicherzustellen.


Es werden zwei Typen unterschieden:
Der Typ 1 Diabetes beruht auf einem Mangel an Insulin infolge einer Zerstörung der Insulinproduzierenden Zellen (Beta-Zellen). Es ist eine Autoimmunerkrankung, die nicht durch Ernährungs- und Lebensgewohnheiten ausgelöst wird. Zum Zeitpunkt des Auftretens eines Typ 1 Diabetes sind die meisten Betroffenen noch Kinder bzw. Jugendliche oder junge Erwachsene. Diese Erkrankungsform kann aber prinzipiell in jedem Lebensalter vorliegen. So tritt eine Sonderform des Typ 1 Diabetes später auf – der LADA (latenter autoimmuner Diabetes im Erwachsenenalter), bei dem die Zerstörung der ?-Zellen deutlich langsamer abläuft.


Der Typ 2 Diabetes beruht auf einem verminderten Ansprechen der Körperzellen auf Insulin. Er macht sich meist nach dem 40. Lebensjahr erstmals bemerkbar und wurde deshalb früher auch als Altersdiabetes oder Alterszucker bezeichnet.


Die Anzahl der Typ 2 Diabetiker steigt derzeit weltweit an. Ein Grund hierfür ist, dass zunehmend mehr Menschen sich falsch ernähren, übergewichtig sind und sich zu wenig bewegen. Darüber hinaus ist zu beobachten, dass immer mehr Menschen schon im jüngeren Alter erkranken.
Ein Diabetes mellitus ist gesichert, wenn der Glukosemesswert die Grenzwerte von 160 mg/dl überschreitet, oder wenn ein Wert > 200 mg/dl vorliegt und der Betroffene typische Krankheitszeichen wie starken Durst, vermehrte Urinausscheidung oder eine unklare Gewichtsabnahme aufweist.

Diagnostische Kriterien für den Diabetes mellitus
 
Entnahmemethode    Testverfahren
Nüchternglukose    OGTT
         mg/dl        2-h-Wert mg/dl
Plasma venös
(aus der Vene)     >126        >200

Vollblut, kapillär
(aus der Fingerkuppe)     >110        >200


Sofern die Blutzuckerwerte nicht sehr stark über diesen Grenzen liegen, ist die Diagnose durch Messung an einem anderen Tag zu bestätigen.


Folgen des Diabetes mellitus


Menschen im höheren Lebensalter neigen grundsätzlich zur Multimorbidität (mehrere chronische Erkrankungen zugleich). Viele dieser Kranken leiden auchan altersabhängigen Funktionseinschränkungen und Behinderungen (4). Diese Krankheiten und Funktionsstörungen können durch den Diabetes verstärkt werden.


Menschen mit Diabetes haben eine reduzierte Lebenserwartung, das heißt, sie sterben tatsächlich früher als Nichtdiabetiker. Dies liegt vor allem an Herz-Kreislauferkrankungen, verursacht durch hohen Blutdruck: Das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen ist bei Menschen mit Diabetes mellitus zwei- bis vierfach höher als bei Menschen ohne Diabetes mellitus, das Risiko für Schlaganfälle ist doppelt so hoch.


Diabetes mellitus ist die häufigste Ursache von Erblindungen und schweren Sehstörungen bei Erwachsenen in den Industrieländern und für Amputationen, die nicht durch Verletzungen bedingt sind.
 

Therapie(5)

Was wünschen sich nun ältere Menschen? Es geht nicht in erster Linie um eine Lebensverlängerung, sondern um eine Verbesserung der Lebensbedingungen im Sinne von „Den Jahren mehr Leben geben, nicht dem Leben mehr Jahre“. Deshalb ist auch die angemessene Behandlung von Diabetes im Alter von großer Bedeutung.
Die Therapie des älteren Menschen mit Diabetes mellitus ist eine individuelle Therapie.

Als primäre Therapieziele werden vor allem definiert:
1.    Steigerung und Erhalt der Lebensqualität
2.    Reduktion von Begleiterkrankungen
3.    Zugewinn von Lebensjahren


Es ist nicht unbedingt das chronologische Alter, das Besonderheiten in der Behandlung des Diabetes bedingt. Es ist vielmehr das biologische Alter, zusammen mit dem Vorliegen mehrerer, meist chronischer Erkrankungen, sowie das Vorhandensein von Fähigkeitsstörungen oder Behinderungen wie zum Beispiel Demenz oder Immobilität. Häufige Probleme im Alter wie Gehirnleistungsstörungen, Harninkontinenz oder Gangstörungen haben Einfluss auf die Lebensqualität und kommen auch bei Diabetes im Alter häufiger vor.


In der Diabetestherapie übernehmen die Betroffenen selbst die Hauptrolle in der Behandlung. Der Erhalt der Lebensqualität sind vorrangige Therapieziele und erfordern beispielsweise im persönlichen Alltag das selbstverantwortliche Durchführen wichtiger Therapiemaßnahmen wie Blutzuckerbestimmung, Medikamentenzufuhr oder Insulininjektion (6).
Die Säulen der Diabetestherapie sind seit Joslin 1924 „Schulung, Ernährung, Bewegung und Pharmaka“. Die Schulung soll nicht nur eine rein verbale Wissensvermittlung sein, sondern muss auch Vermittlung und Überprüfung praktischer Fähigkeiten und Fertigkeiten enthalten (7).



Schulungsprogramm SGS

Dieses Programm ist speziell eingerichtet für Typ-2-Diabetiker im höheren Lebensalter, die Insulin spritzen (8, 9,10).
Übliche Diabetiker-Schulungen stellen für alte Menschen häufig ein Problem dar: Lehrinhalte und Lerntempo übersteigen ihre Fähigkeiten und fördern so eher Frustration als Motivation. So wundert es nicht, dass gerade einmal sechs Prozent der älteren Diabetiker jemals an einerDiabetiker-Schulung teilgenommen haben. Daher entwickelte eine Arbeitsgruppe um Dr. Dr. Andrej Zeyfang, Chefarztdes Krankenhaus Bethesda Stuttgart, eine speziell auf alte Menschen zugeschnittene Diabetiker-Schulung.


Im strukturierten Schulungsprogramm SGS werden Informationen altersgerecht aufbereitet und vermittelt: Schulungen finden in Kleingruppen (4 bis 6 Personen) statt, eine Unterrichtseinheit dauert nicht länger als 45 Minuten. Inhalte werden mehrmals wiederholt und das praktische Üben steht im Vordergrund. Schwerpunkt der Schulung ist die Verbesserung der Lebensqualität der Patienten. Eine wissenschaftliche Bewertung bestätigte die besondere Eignung der Schulung für ältere Diabetiker.


Die Schulung für geriatrische Patienten mit Diabetes versteht sich hauptsächlich als eine Empowerment-Schulung. Ziel eines geriatrischen Schulungprogrammes sollte nicht nur sein, den Teilnehmern zu zeigen, was sie verändern müssen, sondern auch, wie sie sich verändern können. Es geht darum, den Patienten in ihrer individuellen Lebenssituation praktische Möglichkeiten aufzuzeigen, mit der Erkrankung aktiv umzugehen, und sich damit eine Verbesserung ihrer Lebensqualität im eigenen Alltag zu ermöglichen. Selbstständigkeit zu fördern ist also besonders wichtig.


Die Schulung wird mit patientengerechten Medien visuell unterstützt. Es stehen ein Handbuch für Menschen mit Diabetes, ein Flipchart mit Abbildungen der Lerninhalte der einzelnen Themenkomplexe sowie ein Leitfaden für das Schulungsteam zur Verfügung. Die Schrift im Handbuch ist groß und leicht lesbar, die Abbildungen im Handbuch und auf dem Flipchart sind identisch, um den Wiedererkennungseffekt zu verstärken. Die besondere Gestaltung des Handbuches regt zur aktiven Mitarbeit an. Am Ende jeder Unterrichtseinheit sollen die Teilnehmer ein in absehbarer Zeit realisierbares Schulungsziel formulieren, in ihr Buch eintragen bzw. am Schulungsende ein für sieindividuelles realisierbares Schulungsziel ?definieren. ?Die ?praktische Anwendung neuer Erkenntnisse bzw. die Umsetzung des individuellen Schulungszieles kann als Erfolg der Schulung interpretiert werden. Der Dialog steht im Vordergrund sowie Lernen durch Wiederholung und praktisches Tun („learning by doing“).


In der Schulung werden auch die persönlichen Wünsche und Fähigkeiten berücksichtigt, deshalb ist ausreichend Raum für Kommunikation und Wiederholung wichtig.


Das strukturierte Schulungsprogramm SGS für Typ-2-Diabetiker im höheren Lebensalter wird in Kliniken, Reha-Einrichtigungen und Arztpraxen durchgeführt.

Unter www.sgs-diabetes.de/arbeitskreissgs/sgsschulung/index.php besteht die Möglichkeit, sich über Schulungszentren zu informieren.
Für Menschen mit Diabetes im höheren Alter, die nicht mehr an einer Schulung teilnehmen können oder auf Unterstützung und Fremdhilfe angewiesen sind, gibt es Fortbildungsprogramme für Fachkräfte in der Altenpflege wie zum Beispiel „FoDiAl“ oder Ausbildung zur Diabetes-Pflegefachkraft nach dem Programm
„Diabetes-Pflege-Management“. Weitere Informationen hierzu sind unter www.sgs-diabetes.de erhältlich.


Zusammenfassung


In der Behandlung des Typ 2 Diabetes steht auch bei Menschen mit Diabetes im höheren Lebensalter – so dies möglich ist??– zunächst die Schulung im Vordergrund.Durch akzeptable Blutzuckerwerte kann die Lebensqualität positiv beeinflusst werden. In erster Linie ist dieses Ziel zu erreichen durch eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung mit möglichst viel Bewegung, zu einem späteren Zeitpunkt können Pharmaka bzw. Insulin erforderlich sein. Möglichst lange Selbstversorgung ist das Ziel des gemeinsamen Bemühens von Diabetesteam und dem älteren Menschen mit Diabetes.


Literaturquellen:
(1)    O. Hamann et al.: Strukturierte geriatrische Schulung SGS. Kompendium Diabetes 3. Jahrg. 2008, S.?59 ff
(2)    www.diabetes-news.de/news/nachrichten-2005/kosten-explosion-folgeerkrankungen.htm
(3)    www.diabetes-deutschland.de/1450.htm
(4)    Lindner, Joachim: Diabetes im Alter?– vieles ist anders. Diabetes-Forum 3/2008, S. 11 ff.
(5)    Zeyfang, Andrej: Diabetes und Geriatrie; Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2006. S. 82 ff.
    Herausgeber: Deutsche Diabetes Union DDU.
(6)    O. Hamann et al: Schritt für Schritt zum Selbstmanagement. Diabetes-Journal 2/2008, S. 34 ff.
(7)    Willms, Berend: Schulung in Kliniken bedeutsam.
    Diabetes-Forum 7–8/2008, S. 38 ff.
(8)    www.diabetesstiftung.de/dial.html
(9)    Zeyfang, A. und Feucht, I.: Fit bleiben und älter werden mit Diabetes. Leitfaden für das Schulungsteam. ISBN 978-3-437-48411-7
(10)    Zeyfang, A. und Feucht, I.: Fit bleiben und älter werden mit Diabetes. Handbuch für Menschen mit Diabetes. ISBN 978-3-437-48412-4



Wer sollte getestet werden?


Insbesondere beim Typ 2 Diabetes bestehen häufig schon über mehrere Jahre behandlungsbedürftig erhöhte Glukosespiegel, bevor die Erkrankung erkannt wird. Daher ist es häufig so, dass zum Zeitpunkt von Diagnose bzw. Behandlungsbeginn bereits Schäden am Gefäßsystem entstanden sind. Da der Typ 2 Diabetes sehr häufig ist, sollte ab dem 45. Lebensjahr eine Nüchternglukose-Messung durchgeführt werden, um eine frühere Krankheitserkennung und Behandlung zu ermöglichen.
Bei einem normalen Wert sollte nach 3 Jahren eine erneute Messung erfolgen. Früher und häufiger sollten mittels Nüchternglukose-Messungen Personen getestet werden, bei denen ein erhöhtes Diabetes-Risiko besteht. Derartige Risikofaktoren sind zum Beispiel Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Übergewicht, Gefäßerkrankungen wie etwa die koronome Herzkrankheit, eine Eiweißausscheidung oder das Vorliegen eines Typ 2 Diabetes in der nächsten Verwandtschaft.


Insbesondere bei Menschen in höherem Alter und bei Vorliegen mehrerer Risikofaktoren ist ein behandlungsbedürftiger Diabetes durch die alleinige Messung von Nüchternglukose-Werten nicht sicher diagnostizierbar. Daher ist hier die Durchführung eines Belastungstests (OGTT – oraler Glukosetoleranztest) zu empfehlen.


Folgeerkrankungen vermeiden


Menschen mit Diabetes mellitus im höheren Lebensalter können ihre Gesundheit erhalten und Folgeerkrankungen vermeiden durch akzeptable Blutzuckerwerte und
•    tägliche Blutdruckmessung
•    regelmäßige ärztliche Kontrolle
•    Diabetiker-Tagebuch und Gesundheitspass Diabetes DDG
•    geistige Beschäftigung
•    nicht rauchen
•    gesunde Ernährung
•    Übergewicht vermeiden
•    Füße täglich kontrollieren
•    augenärztliche Kontrolle
•    ausreichend Bewegung
    Denn: wer rastet, der rostet!


Adressen


DEUTSCHLAND

Deutsche Diabetes-Stiftung
Staffelseestraße 6, D-81477 München
Telefon 00?49 (0)89?/?57?95?79-0, Fax?57?95?79-19
info@ich-will-keinen-spamdiabetesstiftung.de
www.diabetesstiftung.de

Deutscher Diabetiker Bund e.V.
Goethestraße 27, D-34119 Kassel
Telefon 00?49 (0)5?61?/?7?03?47?70, Fax 7?03?47?71
info@diabetikerbund.de
www.diabetikerbund.de

Deutsche Diabetes-Union e.V.
Prof. Dr. med. Eberhard Standl, Präsident
Staffelseestraße 6 (Haus C), D-81477 München
Telefon 00?49 (0)89?/?51?39?92?83, Fax 51?39?92?84
info@diabetes-union.de
www.diabetesunion.de

SCHWEIZ

Schweizerische Diabetesgesellschaft
Generalsekretariat
Rütistrasse 3 A, CH-5400 Badens
Telefon 00?41 (0)56/200 17 90, Fax 200 17 95
sekretariat@diabetesgesellschaft.ch
www.diabetsesgesellschaft.ch


Buchtipps

Fit bleiben und älter werden mit Diabetes, Handbuch für Menschen mit Diabetes
Strukturiertes Schulungsprogramm SGS für
Typ-2-Diabetiker im höheren Lebensalter
Von Andrej ZeyfangundIrene Feucht
Verlag Elsevier
Broschiert, 64 Seiten
ISBN-10: 3437484125
ISBN-13: 978-3437484124
14,95 € / 27.50 CHF

Leichter leben mit Typ 2 Diabetes
Optimale Blutzuckereinstellung mit der neuen Spezialkost. Ernährungstipps für dauerhaftes Abnehmen.
Von Ulrich Graf
VerlagDroemer/Knaur
Kart., brosch., 96 Seiten
ISBN-10: 3-426-64243-3
ISBN 13: 9783426642436
9,95 € /18.90 CHF

Genussvoll essen bei Diabetes Typ 2
Mit abwechslungsreichen Rezepten den Insulinspiegel natürlich senken
Von Bettina Köhler
Südwest Verlag
Gebunden, 128 Seiten
ISBN-10: 3-517-08259-7
EAN: 9783517082592
12,95 € / 23.90 CHF

Das große Trias-Handbuch für Diabetiker
Typ 1 und Typ 2: Alles was Ihnen hilft – für ein aktives Leben ohne Einschränkungen
 Von Eberhard Standl und Hellmut Mehnert
Verlag Trias
Kart., brosch., 303 Seiten
ISBN-10: 3-8304-3239-9
ISBN 13: 9783830432395
24,95 € / 44.90 CHF


Hilft Zimt bei Altersdiabetes oder Diabetes Typ 2?

Bei Altersdiabetes oder Diabetes Typ 2 produziert die Bauchspeicheldrüse zu wenig Insulin oder sie reagiert nicht empfindlich genug auf das Hormon.
Dadurch kann der Blutzuckerspiegel nicht mehr im Gleichgewicht gehalten werden. Das Ergebnis sind lang anhaltend hohe Blutzuckerwerte. Diese zu hohen Werte zu verringern ist ein Ziel von Diäten und Medikamenten.


Nun sorgten Pressemeldungen für Hoffnung: Zimt könne diese hohen Blutzuckerwerte senken, bzw. die Empfindlichkeit gegenüber Insulin steigern. Dann hörte man jedoch: Zimt enthalte das gesundheitsschädliche Cumarin. Was ist nun dran an all diesen Presseberichten?


Dazu sollte man folgendes über die Gewürzpflanze wissen: Zimt ist die innere Rinde des Zimt-Baumes. Sie wird seit Jahrtausenden getrocknet und als Stangen oder gemahlen als Zimtpulver als Gewürz verwendet.


Wichtig ist, dass es zwei verschiedenartige Zimtsorten gibt:


1.    Der Echte Zimt, auch Kaneel genannt, der vom Echten Zimtbau oder Ceylon-Zimtbaum stammt. Er kommt in erster Linie aus Sri Lanka und aus dem südostasiatischen Raum. Er ist teurer als der so genannte

 
2.    Cassia-Zimt, den man aufgrund seines Ursprungslandes auch China- oder Padang-Zimt nennt. Er wird vor allem Fertigprodukten wie Zimtkeksen etc. zugegeben, auch weil er billiger ist. Cassia-Zimt schmeckt etwas schärfer und herber als Ceylon-Zimt, der ein blumigeres Aroma besitzt.
Der Geschmack des Zimtbaumes geht auf das in ihm enthaltene Zimtöl zurück. Es besteht zu 75 Prozent aus Zimtaldehyd. Weitere wichtige Aromastoffe sind vor allem beim Ceylon-Zimt das Eugenol und beim Cassia-Zimt zusätzlich noch das nach Waldmeister oder Vanille duftende Cumarin. Letzteres kann Kopfschmerzen, Leberschäden, Leberentzündungen undin hohen Dosierungen vermutlich sogar Krebs verursachen.


Der Cumarin-Anteil der beiden Zimtsorten unterscheidet sich erheblich: Während Cassia-Zimt ca. 2 g Cumarin pro kg enthält, fand man in der gleichen Menge Ceylon-Zimt nur unbedeutende Mengen davon. Das bedeutet: Bei starkem Verzehr von Cassia-Zimt können durchaus Cumarin-Mengen aufgenommen werden, die über dem europäischen Grenzwert liegen.


Immer wieder wurden in Deutschland (Nordrhein-Westfalen) Zimtprodukte entdeckt, die den Höchstwert des erlaubten Cumarinanteils um ein Vielfaches überschritten.Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfahl daher, insbesondere Kleinkindern nicht zu viele Zimtprodukte essen zu lassen.


Bereits 2003 gab es erste wissenschaftliche Untersuchungen, die zeigten, dass Cassia-Zimt eine blutzuckersenkende Wirkung bei Diabetes hat. Sogar die Blutfette soll es senken können. In einer weiteren Studie wurde zwar eine Senkung des Blutzuckerspiegels, jedoch nicht die der Blutfettwerte beobachtet. Leider gibt es entsprechende Untersuchungen nicht für den Echten Zimt, nur Tierversuche an Ratten kennt man, die nicht unbedingt hoffnungsvoll verliefen. Langzeit-Wirkungen von hohen Zimtmengen wurden bislang nicht getestet.


Fazit: Es scheint, als könne Cassia-Zimt tatsächlich den Blutzucker senken, allerdings erst in relativ hohen Konzentrationen, die nicht ganz unbedenklich sind. Bevor man Genaueres weiß, sollte man vorsichtshalber nicht zu viel davon essen. Auf das Gewürz braucht man jedoch nicht zu verzichten. Wenn man gern und reichlich davon zu sich nehmen will, sollte man möglichst auf Ceylon-Zimt ausweichen, dessen Cumaringehalt als unbedenklich gilt. Man erhält ihn in Reformhäusern, Apotheken oder Drogeriemärkten. Ob er tatsächlich bei Altersdiabetes helfen kann, weiß man allerdings bislang nicht sicher.


Dr. Andrea Flemmer ist Ernährungswissenschaftlerin und Buchautorin