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07.03.2008 13:49 Alter: 12 yrs

Ohne die Eltern geht wenig: Ausziehen als Minderjähriger

Kategorie: Familie

Popstar Pink hat es getan und Komiker Helge Schneider auch: Sie sind schon als Jugendliche zu Hause ausgezogen. Während sich manche noch mit Mitte 20 im Hotel Mama verwöhnen lassen, setzen andere schon vor der Volljährigkeit auf die eigenen vier Wände.

Mainz (dpa/tmn) - Die Gründe dafür können sehr unterschiedlich sein: ein Ausbildungsplatz in einer anderen Stadt, ein ständig angespanntes Verhältnis zu den Eltern oder einfach nur der Wunsch, endlich alleine zu wohnen. Ein Problem gibt es aber in jedem Fall: Ohne die Einwilligung der Eltern geht fast nichts.

«Eltern haben das Sorgerecht für ihre Kinder, bis diese 18 Jahre alt sind», erklärt Mary Fiebig vom Jugendnotdienst Berlin. «Deswegen kann man als Minderjähriger normalerweise nur in Absprache mit den Eltern ausziehen.» Eine Ausnahme ist der Krisenfall, wenn Jugendliche von ihren Eltern zum Beispiel misshandelt werden. «Dann kann das Jugendamt in Zusammenarbeit mit dem Familiengericht auch ohne Zustimmung der Eltern entscheiden, dass die Kinder ausziehen.» Das geht jedoch nur, wenn das Kindeswohl gefährdet ist, erläutert das Bundesjustizministerium. Dagegen reichten die üblichen Konflikte in der Familie nicht aus. In diesen Fällen haben Eltern das Aufenthaltsbestimmungsrecht.

Wer ausziehen möchte, sollte daher versuchen, seine Eltern von der Idee zu überzeugen. «Dafür ist es am besten, wenn man die Eltern behutsam auf das Ziel vorbereitet», rät Ulrich Gerth, Diplom-Psychologe aus Mainz. Für Mütter und Väter sei es meist schwierig, ihre Kinder gehen zu lassen. «Man kann ihnen beispielsweise ankündigen, dass es vermutlich mit einer Ausbildungsstelle in dem Heimatort nicht klappt und man sich für Stellen außerhalb bewerben möchte.» Außerdem sollte man zeigen, dass man tatsächlich für sich selbst sorgen kann. Wer selbst einkaufen geht und in der Schule zurechtkommt, hat bei seinen Eltern bessere Chancen auf Zustimmung.

Ist diese erste Hürde genommen, gilt es, sich über das weitere Vorgehen Gedanken zu machen: «Man sollte sich möglichst früh überlegen, ob man alleine oder lieber in einer Wohngemeinschaft leben will», rät Gerth. Für Mary Fiebig hat beides Vorteile: «In einer WG kann man sich Teile der Einrichtung mit den Mitbewohnern teilen - aber man muss häufig mehr diskutieren.» Egal wie die Entscheidung ausfällt: Laut dem Bundesjustizministerium haben bei Minderjährigen die Eltern das Recht zu entscheiden, wo ihr Kind einziehen soll.

Und es gibt eine weitere Hürde: Laut Gesetz sind unter 18-Jährige nur beschränkt geschäftsfähig. Das heißt, sie dürfen keine Verträge wie Mietverträge unterschreiben. Das müssen - zumindest in der Regel - ebenfalls die Eltern tun und damit ihr Okay zum Auszug geben.

Bei der Finanzierung der neuen Wohnung von Teenagern sind auch die Eltern gefragt. Wer von zu Hause ausziehen will, sollte früh klären, ob und in welchem Umfang er unterstützt wird. Das gilt auch für Volljährige. Denn wer sich nicht selbst finanzieren kann, ist selbst nach dem 18. Geburtstag von den Eltern abhängig, erläutert das Bundesjustizministerium. «Auch bei volljährigen Kindern haben die Eltern nach dem Gesetz noch ein Unterhaltsbestimmungsrecht.» Sie können bestimmen, ob sie ihrem Kind Geld überweisen oder den Unterhalt in Form von Naturalien wie Unterkunft und Essen sichern.

Broschüre des Bundesministeriums der Justiz für Jugendliche: www.bmj.de/meine-erziehung