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16.06.2014 18:29 Alter: 4 yrs

In Bronze gegossene Haltung zum Leben

Beitrag vorlesen Kategorie: Bildung + Wissen, Kreatives, Kultur

 

 

 

Zauberhafte und im besten Sinne individuelle Bronzekunst, teilweise beeinflusst von der ethnischen Kunst Afrikas, sind die von der Künstlerin Bettina Scholl-Sabbatini geschaffenen Skulpturen. Sie strahlen Reife, Lebensfreude, seelische Verbundenheit mit der Natur sowie tiefen Glauben an die Schöpfung aus. Die 1942 im luxemburgischen Esch geborene Künstlerin ist die Tochter des Luxemburger Bildhauers Aurelio Sabbatini (1909-1987), der mit Holz, Marmor, Stein und Keramik arbeitete und im Jahr 1948 mit dem Großen Preis des Opens external link in new windowGroßherzogs Adolphe ausgezeichnet wurde.

Von 1963-67 studierte Bettina Scholl-Sabbatini am Florentiner "L'istituto d'arte Sesto Fiorentino" Bildhauerei und Keramik, gefolgt von einem Zeichen- und Malereistudium, das sie an der "Académie de la Grande-Chaumière" in Paris absolvierte. Die Bildhauerin machte sich mit vielfältigen sakralen Werken einen Namen, darunter

  • der Kreuzweg an der Kirche der Gemeinde Bartringen (Bertrange/Luxemburg)
  • der Taufstein in der Heilig-Geist-Kirche im multikulturellen Quartier Brill in Esch-sur-Alzette
  • der Kreuzweg an der modernen Willibrorduskirche zu Niederkerschen/Luxemburg

Bettina Scholl-Sabbatini schuf auch die Mauerdekorationen an der Clinique Pédiatrique Kannerklinik in Opens external link in new windowLëtzebuerg sowie das 2006 in Esch-sur-Alzette errichtete Denkmal, das sie den Frauen der Stadt widmete und "Opens external link in new windowHommage aux femmes vivant et travaillant à Esch" nannte. Die Skulptur am Käsemarkt von Bungeref/Luxemburg stammt ebenfalls von der produktiven Künstlerin.

Ihre Beziehung zur ethnischen Kunst lässt sich zudem aus ihrer Tätigkeit als führendes SI-Mitglied erklären. Der Opens external link in new windowweltweit agierende Service-Club "Soroptimist International" ist eine Nichtregierungsorganisation für Frauen mit beruflicher Verantwortung. Abgeleitet von "sorores optimae" (lat.: die besten Schwestern), wird der Name der Organisation, die 1921 in Oakland/Kalifornien gegründet wurde, als Verpflichtung gegenüber den Mitmenschen verstanden. Unabhängig von Parteien und Religionen setzen sich die Frauen u. a. für die Menschenrechte in Afrika ein. Die Bildhauerin Bettina Scholl-Sabatini war eine der maßgeblichen Initiatorinnen der Friedensmarathons in Kigali/Ruanda.

Die ethnische Kunst des Schwarzen Kontinents hat die Künstlerin offenbar beeindruckt, denn in mancher ihrer Skulpturen werden Einflüsse der afrikanischen Kultur sichtbar. Das Wesen dieser Kunstrichtung besteht darin, dass sie unabhängig von sich verändernden oder willkürlich geschaffenen Grenzen den inneren Zusammenhalt von Volksgruppen aus bestimmten Regionen der Welt begreifbar macht.

Ein Musterbeispiel für diese künstlerische Haltung ist Bettina Scholl-Sabbatinis anmutige Bronzefigur "Opens external link in new windowSüss(en)er Nyorogoto", die einen Vogel mit frischer Beute darstellt. Das im Wachsausschmelzverfahren gegossene und von Hand zisilierte und patinierte Kunstwerk strahlt pure Lebensfreude aus. Das Wort "Nyorogoto" ist Ruandisch und bezeichnet das "Erdwürmchen", das den Schnabel des dynamisch wirkenden Vogels zu ersetzen scheint. Der Titel der reizenden kleinen Plastik ist ein Wortspiel, das sich auch auf den Standort der Galerie bezieht.

Spannende Bronzekunst präsentiert Bettina Scholl-Sabbatini außerdem mit Opens external link in new windowder Serie ihrer Totems. Diese sind keine Nachbildungen ethnischer Kunst, sondern nähern sich behutsam deren besonderer magischer Ausstrahlung. Ob hängend oder freistehend - die Totems "Bako", "Anai", "Mienu" und "Miensa" laden zu einer meditativen Betrachtung ein.

Auch die Serie "Chaise magique" zeigt eindrucksvoll, wie vieldeutig und humorvoll zeitgenössische Bronzekunst sein kann. Die Werke der Ausnahmekünstlerin Bettina Scholl-Sabbatini sind wie geschaffen für reife Menschen, die sich die Zeit für anspruchsvolle, ästhetische Bronzekunst und die Auseinandersetzung mit ihr nehmen.


 
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