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07.03.2008 13:54 Alter: 12 yrs

Blitzschnelle Pässe: Futsal wird immer beliebter

Kategorie: Sport

Die Spieler mit den schwarz-weiß gestreiften Trikots haben offenbar Magnete an den Füßen: Blitzschnell passen sie sich den Ball zu, der trotzdem nicht verspringt. Sieben, acht Pässe, und die Kugel landet im Tor der Gegner.

Berlin (dpa/tmn) - Und wenn der Torwart sie erwischt, geht es ebenso schnell in die andere Richtung. Futsal heißt der Sport - der offizielle Hallenfußball des Weltverbands FIFA. Er ist das Spiel, bei dem alle späteren Fußballstars aus Südamerika von Pelé bis Ronaldinho das Kicken gelernt haben. Und er wird jetzt auch in Deutschland immer beliebter.

Natürlich hat keiner der Spieler einen Magneten am Fuß. Gekickt wird beim Futsal vielmehr mit einem speziellen Ball, der im Gegensatz zum herkömmlichen Fußball kaum springt, nachdem er auf den Hallenboden geprallt ist. «Wenn man den fallen lässt, bleibt er fast liegen - dadurch kann man besser und schneller kombinieren», erklärt Thomas Lehmann vom Team United Futsal Berlin.

Doch auch wenn der Spezialball nicht verspringt: Einfach ist der Umgang mit ihm nicht. Bis der Ball so mühelos «läuft» wie bei Thomas Lehmann und seinen Teamkollegen, braucht es mehr als nur ein paar Stunden Übung. Das schnelle Kombinationsspiel macht nicht nur den Reiz von Futsal aus: «Es ist auch die eigentliche Schwierigkeit.»

Das liegt auch daran, dass nicht wie beim Fußball je elf Spieler, sondern Fünfer-Teams gegeneinander antreten. Nachzulesen ist das im Regelwerk auf der Webseite des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) unter www.dfb.de. «Dadurch ist jeder Einzelne öfter am Ball», sagt Thomas Lehmann. Zwischendurch länger als einen Augenblick zu verschnaufen, das ist nicht drin - auch nicht für den Torwart, der seinen Platz im Lauf des Spiels mit jedem Feldspieler tauschen darf.

Erspart bleibt Zuschauern wie Teilnehmern in der Regel die vom Fußball bekannte Unsitte, dass sich ein Spieler nach einem Foul - oder auch einem angeblichen - lange auf dem Boden wälzt. Ein Grund dafür ist, dass die Regeln in diesem Punkt besonders strikt sind: «Grätschen ist nicht erlaubt», sagt Naim Sassi von Futsalmarkt.com, einer Agentur aus Bonn, die Veranstaltungen und Turniere organisiert. Hat sich ein Team zu viele Fouls geleistet, bekommt das andere einen direkten Freistoß.

In Deutschland ist Futsal, eine Abkürzung des brasilianischen «Futbol de Salao» - Hallenfußball -, noch ein Nischensport. Auf die Frage, woran das liegt, wissen die Experten keine eindeutige Antwort. Vielleicht ist «König Fußball» als unangefochtener Sport Nummer Eins in Deutschland einfach zu mächtig.

Das blitzschnelle Hallengekicke hat jedoch eine Menge Potenzial. «Das Interesse steigt, wir bekommen ständig Anfragen von Leuten», sagt Thomas Lehmann. In Berlin haben sich inzwischen mehrere Freizeitteams etabliert. Und längst nicht nur dort: Der seit 2006 ausgetragene «DFB-Cup», eine Art deutsche Meisterschaft, ging zuletzt an den FV Eppelborn aus dem Saarland. Im Jahr davor gewann der UFC Münster. Futsal werde auch in Deutschland «immer populärer», heißt es beim DFB. Eine bundesweite Liga oder auch eine Nationalmannschaft gab es bis zuletzt trotzdem noch nicht.

Die erste Weltmeisterschaft ging unmittelbar nach der Anerkennung des Sports durch die FIFA über die Bühne - 1989 in den Niederlanden. «Dort spielt man das auch schon seit 35 Jahren», sagt Naim Sassi. Der Sieger bei der ersten WM hieß trotzdem Brasilien, die Hausherren unterlagen im Finale. Bei der ersten offiziellen Europameisterschaft gewann 1999 Russland nach einem Endspiel gegen Spanien. Ob irgendwann einmal ein Titel nach Deutschland geht, das weiß im Moment höchstens der Futsal-Gott - falls es ihn gibt.

INFO: Kicken auf Basketballplätzen - Wie Futsal entstand

Wo, wann und warum Futsal entstanden ist, darüber scheiden sich die Geister. Eine der Theorien geht so: In der Millionenmetropole Sao Paulo in Brasilien wichen irgendwann immer mehr junge Hobbykicker von Bolz- auf Basketballplätze aus - erstere gab es zu wenig. Und damit ihnen nicht ständig der Ball aus dem überschaubaren Spielfeld hüpfte, verwendeten sie einen kleineren und schwereren. Schon Anfang der 50er Jahre gab es - das ist keine Theorie, sondern eine Tatsache - in Sao Paulo eine eigene Futsal-Liga.