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07.03.2008 13:56 Alter: 12 yrs

Accessoire mit Symbolik: Das Palästinensertuch ist wieder da

Kategorie: Mode für den Mann

Spätestens, wenn etwas bei H&M oder New Yorker hängt, ist es modisch wieder da. Und dann dauert es nicht lange, bis man es überall sieht. Das gilt auch für das Palästinensertuch. Längst ist es zum normalen Accessoire geworden.

Hamburg (dpa/tmn) - Wer es sich um den Hals schlingt, muss allerdings immer noch damit rechnen, dafür angemacht zu werden. Schließlich hat es eine bewegte Geschichte hinter sich. Sie beginnt in Palästina: Das Baumwolltuch wurde dort ursprünglich von der bäuerlichen Bevölkerung als Schutz vor Staub oder Hitze getragen, erklärt Schirin Fathi vom Asien-Afrika-Institut in Hamburg. In den 1920er begann der Kampf der Palästinenser gegen die jüdische Zuwanderung. Die Kämpfer banden sich das schwarz-weiße Tuch vor das Gesicht. Populär machte es vor allem Yassir Arafat, Gründer der Bewegung zur Befreiung Palästinas (Fatah) und später Palästinenser-Präsident. Er trug das Tuch ständig - vor der UN und vor den Fernsehkameras.

Nach Deutschland kam das Tuch über linke Studenten nach dem Sechs-Tage-Krieg, in dem Israel palästinensische Gebiete besetzte. Man sah in den Palästinensern damals nur noch die Opfer, die den Krieg verloren hatten, erklärt Wolfgang Kraushaar vom Hamburger Institut für Sozialforschung. Sogenannte Palästinenser-Komitees trugen das Tuch, dann Solidaritätsgruppen für die Befreiung der Dritten Welt. «Sie sahen das schwarz-weiße Tuch als Symbol der Befreiungsbewegungen im arabischen und afrikanischen Raum insgesamt», sagt Dieter Rucht vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.

«2000 hat man es dann plötzlich auf einer rechten Demo in Berlin gesehen», sagt Rucht. Rechte begannen, sich das Symbol der Linken anzueignen. Das hat vor allem zwei Gründe: «Die Rechte schmückt sich gern mit revolutionären Symbolen. Deshalb sieht man da auch Che- Guevara-Zeichen.» Außerdem habe das Tuch als Zeichen des palästinensischen Widerstands auch eine antijüdische Bedeutung, «das ist den Rechten natürlich willkommen».

Bauernkleidung, Zeichen der Linken, Symbol für den Judenhass der Rechten - das Palästinensertuch ist bedeutungsschwer. Und doch hing es plötzlich am Hals von Johnny Depp und an den Kleiderständern von Zara. «Das Palästinensertuch hat seine politische Eindeutigkeit verloren», sagt Rucht. «Aber es kann schon passieren, dass man auf dem Schulhof von Leuten darauf angesprochen wird, die fragen: "Was soll das?"». 

Nicht jede Farbe des Tuchs bedeutet etwas

Das Palästinensertuch ist in seiner ursprünglichen Variante schwarz-weiß. Doch es wird auch in Rot-Weiß, Lila-Schwarz oder Grün-Schwarz angeboten. «Rot-Weiß wurde häufig von der extremen Linken getragen, weil Rot die Farbe der Linken ist», sagt Schirin Fathi, Expertin für die Geschichte des Vorderen Orients aus Hamburg. Dabei kommt es aus einem ganz anderen Umfeld: «Rot-Weiß wird traditionell auf der arabischen Halbinsel getragen und dort von sehr Konservativen.» Lila-Weiß ist hingegen die Farbe der Feministinnen. Alle anderen Farbkombinationen des Palästinensertuchs haben Fathi zufolge keine Bedeutung.