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15.03.2008 15:58 Alter: 4 Jahre
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Seifenblasen und Schlaganfalltherapie - «Jugend forscht»

Kategorie: Lernen in jedem Lebensalter, Neues aus der Medizin

Nervös schiebt der junge Mann im orangefarbenen Jackett die leicht grün gefärbte Seifenlauge auf dem Tisch hin und her. In der rechten Hand hält er einen Würfel aus drei Millimeter dickem Aluminiumdraht.

Gilt auch heute noch als Synonym für Forschung: das Mikroskop. (Bild: Stiftung Jugend forscht e. V.)

Jena (dpa) - Mit der linken Hand versucht er zu erklären, warum die Seifenblase, die sich gleich darin bilden wird, nicht rund ist, sondern ein Quadrat. Der junge Mann heißt Florian Möller, ist 18 Jahre alt und einer von 65 Teilnehmern beim diesjährigen Landeswettbewerb «Jugend forscht» in Jena.

Am 13. März entschied die Jury, welche der 30 Projekte sich im Mai beim Bundeswettbewerb in Bremerhaven der Konkurrenz aus 16 Ländern stellen werden. Sie wählte aus jedem der sieben Fachgebiete Arbeitswelt, Biologie, Chemie, Geo- und Raumwissenschaften, Mathematik/Informatik, Physik und Technik ein Projekt aus und kürte die Forschungsteams.

Sieger im Gebiet Technik sind die Abiturienten Florian Bick, Thomas Müller und Steffen Wittich vom Phillip-Melanchthon-Gymnasium in Gerstungen im Wartburgkreis. Nach einem Schlaganfall von Steffens Großvater suchten sie im Internet nach Therapiemöglichkeiten, stießen auf das Institut für Hirnforschung der Universität Tübingen und die Theorie für ihr Projekt.

Normalerweise werden Schlaganfallpatienten nur mit Physiotherapie behandelt. «Doch unser Gerät setzt im Kopf des Patienten an», sagt Thomas Müller. Nach einem Schlaganfall ist die Erregungsübertragung vom Hirn in die Arme und Hände meistens gestört. Technisch ist es heute möglich, Hirnströme aufzuzeichnen. Wenn ein Patient seinen Arm bewegen möchte, hält ein Computer diese Erregungsleitung fest. «Dann kommt unser Gerät ins Spiel.» Der Patient legt seine Finger in eine Art Handschuh. Dieser ist mit dem Computer verbunden und empfängt die Hirnströme. Der Patient kann wieder lernen, seine Hand zu benutzen. «Wir sind die ersten, die so etwas gebaut haben», sagt Florian Bick stolz und zupft an der Krawatte. Tübingen habe schon Interesse an ihrer Entwicklung bekundet.

Viele der 30 Projekte, die es durch die Regionalentscheide von «Jugend forscht» in Pößneck, Erfurt, Sömmerda, Rositz und Eisenach geschafft haben, wurden durch Forschungseinrichtungen unterstützt. Andere Arbeiten sind aus Seminarfacharbeiten in den Schulen entstanden.

Das Seifenblasen-Team um Florian Möller ist zwar nicht unter den Siegern, aber erklären möchte er das Projekt, an dem das Team zwei Jahre lang gearbeitet hat, unbedingt. «Wir haben den Zusammenhang zwischen der Oberflächenspannung der Seifenblasen und der Stabilität von Formen aus Seifenblasen untersucht.» Das besondere an Seifenblasen sei, dass sie immer versuchen, eine Minimalfläche einzunehmen - im Normalfall eine Kugel. Das ist die Form, die die kleinste Oberfläche in Bezug auf das Volumen hat. Wenn Möller seinen Aluminiumwürfel in die Lauge taucht, entstehen im Inneren des Drahtgestells Diagonalen aus Seifenlauge, die in einem Quadrat in der Mitte zusammenlaufen. Eine sehr stabile, aber flexible Minimalfläche, die sich die Forscher aus der Natur abgeschaut haben.

«Bienen nutzen Minimalflächen beim Bau ihrer Waben, aber das Prinzip kann man gut in der Architektur, beim Bau von Dächern oder Brücken anwenden», erklärt er. Nur die Acrylglasplatten, mit denen eine Umsetzung möglich wäre, seien sehr teuer. Durch die Stabilität und Flexibilität der Minimalflächen könnten Dächer beispielsweise Schneelasten besser tragen. «Ein Unglück wie der Einsturz der Eissporthalle in Bad Reichenhall 2006 wäre damit vielleicht vermeidbar gewesen», wirft Torsten Sachse ein. Für die Jury hatten die Nachwuchswissenschaftler Kartoffelchips vorbereitet, denn auch diese nehmen beim Backen eine Minimalfläche ein.

«Jugend forscht» ist eine Initiative von Bundesregierung, Magazin «stern», Wirtschaft und Schulen. Seit 1965 gibt es den Wettbewerb jedes Jahr. In Thüringen bewarben sich in diesem Jahr 665 Jugendliche und machten den Freistaat damit laut Veranstalter zum teilnehmerreichsten Bundesland im Osten. Deutschlandweit bewarben sich erstmals mehr als 10 000 Nachwuchsforscher.

Infos rund um «Jugend forscht»: www.jugend-forscht.de