Themenauswahl:
- Startseite Kulmbach
- Kommunalseiten
- Ärzteverzeichnis
- Übersichtskarte Kulmbach
- Ratgeber
- Reisen + Wandern
- Garten + Bauen + Wohnen
- Gesundheit + Wellness
- Dienstleister
- Freizeit und Hobby
- Essen + Trinken
- Finanzen + Recht
- Auto und Motorrad
- Sicherheit + Service
- Bildung + Wissen
- Sommernachtstraum
- Herbstzeit Internetcafé
- Unterhaltung
- Veranstaltungen
- Vorsorge + Trauer
Herbstzeit Regional:
Anzeige / Hinweis:
Gemeinschaft:
Unterhaltung
Richard Seuß
Kategorie: Buckenreuther LiteratenEin „halber freier Franke“ wohnt in Helmbrechts, schreibt und spricht Hohenberger Mundart
Welcher Mann, welche Frau, träumt nicht auch davon, einen anderen Lebensabschnitt mit etwas Neuem zu beginnen oder seinen bisherigen Neigungen uneingeschränkt und frei von beruflichen, gesellschaftlichen oder finanziellen Zwängen, nachgehen zu können. So etwas schwebte mir auch vor, als ich mich am Anfang meines Rentnerdaseins kurzerhand zum „freien Franken“ erklärte. Dies stieß auf entschiedenen Widerstand meiner „Regierung“. Schließlich wurde mir wenigstens der Status eines „halben freien Franken“ zugebilligt.Neben meinen alten Hobbys, - wie Wandern, Naturschutz und Schach, konnte ich mich nun vermehrt der Heimatforschung widmen. Ein weiteres Anliegen ist mir der Erhalt unserer fränkischen Mundart, mit all ihrer Vielfalt und Besonderheit. Beides versuche ich durch volksnahe, manchmal etwas derbe Erzählungen der nachwachsenden Generation zu bewahren. Veleicht bräng ich nuch a bissla wos zamm. Schau merr hald a molla!
Suu a neumodischa Schnalln
Des is veleicht a Gschais und a Geduu in derra Advendszeit. Die Weibsbilder sen fe lauder Heddserei und Rennerei wie aufgedrejd. Dou mußda fai jedes Wärdla auf die Goldwouch lejng. Wennder dou amoll a wengla a krumms Wood rausrudschd odder wennsda gor ned des maggsd wos sa soung, dou bisda fai gleich mid immenna überananner.
Neulich wommer auf an fränggischn Advent eigeloudn. Mei Fraa hodd beschdimmd wos ich ozezieng hob und ich hobb mich agrad droo khaldn. Zerleddsd issa kumma und hodd mich fer uem bis undn kondrollierd. Hodd überoll awengla o mir drorumgezubfd und ich hobb groud nuch soung könna: „A Adonis mit wallendem Haar wär ich fai nümmer“, alsa aa sche auf mein Bauch zeichd und fesdschölld: „Du hosd kann Geddl droo“.
„Ich brauch heind kann Geddl“, hobb ich gsochd.
„Schdöll dich ned suu oo ! Des wär mer meis. Die annern homm alla an Geddl droo und du kummesd douher wie a Schlambera. Dou denggn doch gleich die Leud, wos hoddn der fer a Fraa. Du bisd na blues widder zer faul an Geddl no ze machn“, und Ritsch-Ratsch hoddsa mer sche an verbassd.
„Der is folschrum droo“ hobb ich gewoochd eizerwendn.
Sie schaud awengla, - nocher sochdsa: „Der blebbd su droo ! Des is doch wurschd ob der suurum oder suurum droo is“.
„Lesda ihr hald reechd“, hobb ich gedochd. „Nocher hosda wengsdens dei Ruh“.
Der Ohmd wor ganz schöi und ich hobb einicha Schöbbla Ruudwein gedrunggn. Doudevor wor veleichd des ana oder annera zevüll, denn als ich derhamm mei Huesn auszieng wolld, hobb ich mein Geddl ned aufgebrochd. Der is nämlich sua aner, mid ana neumodischn Schnalln. Mid die aldn Schnalln hobb ich mailedda kanna Brobleme khodd. Dou hobb ich mich ausgekennd ! Obber mid dem neua Zeuch ! Dou is undn o der Schnalln su a Hejbela und wennsda dou drauf drüggsd, nocher gedd erschd der Geddl auf. Maander ich hobb des Hejbela gfunna ! Ned ums vereggn. Früher wär mer des auf kann Foll bassierd, dou konnd ich nuch nouschaua. Obber durch den klaan Bauchonsodds siggsda iddserd fai neggs mehr, wos sich suu underhalb ve derra Geddllinie dudd. Dou bisda fai ganz schöi aufgschmissn, wennsda alaans mid die Finger rumhandiern mussd.
Verzweifelt hobb ich die Schnalln maldredierd, bis endlich mei Fraa eigegriffn hodd: „Des Elend kommer ja nümmer oschaua“, maand sa. Zammgebrochd odder besser gsoggd ausannergebrochd hoddsa den Geddl obber a ned. Rüggwärds hodd der kaa ruggela gedoo und walls vorwärds ganz leicht ganga is, hoddsa mich zamgeraddeld, das ich ball nümmer schnaufn konnd: „Wüllsd mich veleichd umbrenga“, hobb ich sche des Schlimmsda beförchd. „Doudevoo schderbd mer ned gleich. Überhabbd, wie kommer blues sua schais Gelumb kaafn“, schimbfd sa luus.
„Den Geddl hosd fai du kaafd“. Des hädd ich ned soung deffn. Iddserd worscha eigschnabbd !
„Wennsda fordna gschaider bisd, nocher machsda dein Geddl alaans auf. Waasd wos, ich geh nei mein Bedd“, sochds und verschwand im Schloufzimmer.
Iddserd wo ich dougschdandn ! Der zamgeraddeld Geddl hodd suu orch auf meina Blousn gedrüggd, das ich aufs Gloo mussd. Des Huesndürla hobb ich ja goddseidangg nuch aufgebrochd. Ned auszedenggn, wenn ich iddserd gor a grueß Gschäffd machen müssed. Wennsda dich dou nei sinniersd, dou weddsder fai ganz annerschd.
„Su konns ned weitergej“, hob ich mer gedochd und wolld sche mein Seidnschneider sung, um den Geddl aufzezwiggn. Obber suu schnell gibbd a alder Schachschbüller ned auf, denn der koo zergor a boor Züüch weiter und um die Eggn denggn. Und dou is mer aa sche a Idee kumma: „Wenn die Schnalln mit dem Hejbela normol undn is und mei Fraa den Geddl rumgedrejd hodd, no müssed eichendlich des Hejbela iddserd uemdroo sa“, hobb ich mer überleggd. Ich lang nunder und hobb auf amoll des Hejbela in der Hend; an Drügger und sche schnellsd der Geddl ausananner und mei Bauch machd an Schnaufera. Der muß rechd laud gewesn sa, denn aus na Schloufzimmer hör ich mei Fraa froung: „Hosd endlich dein Geddl offn“?„Ich schon“ hobb ich schdolz auf Hochdeutsch gsoggd und hobb mich gfühld wie wenn ich an Schachgroßmeister suu schöi elegand mid an Dreizüchler madd gseddsd hädd. Dou soung sa allawell, die Schachschbüller senn alla a wenig schbinned. Des moch sche saa, obber sie wissn sich hald immer widder zer helfn. Die brenga fai zergor su a neumodischa Schnalln o ihrn Huesngeddl auf.


