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Aktuelles aus Kulmbach

25.11.2008 13:07 Alter: 3 Jahre
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Märchenzeit

Kategorie: Bildung + Wissen, Freizeit + Hobby, Geschichte und Geschichten, LKR Bamberg, LKR Bayreuth, LKR Coburg, LKR Forchheim, LKR Hof, LKR Kronach, LKR Kulmbach

Märchen sind für alle da, für Kinder und Erwachsene gleichermaßen.

Sonja Keil

Sie sollen uns aus der Sicht von Sonja Keil die Stille vermitteln, die im täglichen Leben meist zu kurz kommt, sollen einen Gegenpol darstellen zu lauter, klamaukartiger Unterhaltung.

Nicht zuletzt aus diesem Grund hat die Autorin (Mundart und Hochdeutsch) Sonja Keil in Helmbrechts bereits im Oktober 2007 den 1. Märchentreff organisiert, dem ein 2. und 3. Treffen folgte sowie ein sehr gut besuchter Märchentag im Juni. Auch der Bayerische Rundfunk brachte einen ausführlichen Beitrag darüber. Fortgesetzt wurde dieser Märchentreff im November 2008 mit der Aussicht auf weitere Zusammenkünfte. Presseberichte darüber sind äußerst positiv.
Jeder der einen märchenhaften Nachmittag erleben möchte, immer auch mit musikalischer Untermalung und dem ein und anderen gemeinsamen Lied, der sein ganz persönliches Lieblingsmärchen (sehr gerne auch selbst geschrieben) vorlesen oder erzählen möchte, ist dazu jederzeit herzlich willkommen. Auch der Austausch über eigene Märchenerfahrungen ist erwünscht. Zur Zeit besteht die Gruppe aus 7-9  Vortragenden, wovon 4 davon eigene Märchen verfassen. Es sind dies:

Sonja Keil, Helmbrechts-Wüstenselbitz, (die Beiträge für zahlreiche Kindersendungen des Bay. Rundfunk geschrieben hat)
Christa Buchta, Schauenstein
Heidi Vogel, Bayreuth/Helmbrechts
Elke Weisath, Zettlitz b. Rugendorf

Hier ein selbstgeschriebenes kurzes Weihnachtsmärchen
von Sonja Keil

Die Wette des Esels in der Heiligen Nacht

Im Stall zu Betlehem waren Maria und Josef auf einem Lager aus Stroh endlich zur Ruhe gekommen. Das Kind in der Krippe jedoch hörte die ungewohnten Geräusche, die der Ochse und der Esel von sich gaben, und es fand keinen Schlaf.
Dies bemerkte der Esel. Er sinnierte eine Weile und dann kam ihm eine Idee. Mit seinem linken Hinterhuf gab er dem mampfenden Ochsen einen Stups:
„Du Ochse, hör gut zu“, wieherte der Esel heiser, „so geht das nicht! Wir müssen stumm sein und still stehen, keinen Mucks dürfen wir machen, damit sich das Kindlein nicht fürchtet! Hast du verstanden?“
„Schon gut“, erwiderte der Ochse im Baßton, „du hast ja recht!
Aber wie bitte soll das gehen? Wenn ich schon nicht stampfen und schmatzen darf, dann muß ich wenigstens mein Haupt hin und wieder schütteln und mit meinem Schwanz wedeln dürfen! Soviel muß schon erlaubt sein!“


„Dachte ich’s mir doch, daß du es nicht schaffst, eine Zeitlang ohne einen Laut bewegungslos zu verweilen. Typisch Ochse! Aber ich wette mit dir um ein Maul voll Heu, daß es für mich ein Klacks ist, daß es mir bestimmt mit Leichtigkeit gelingt. Da wirst du staunen!“
„Gut, die Wette gilt, dann beweise es!“
Ruckartig stemmte der Esel seine Beine auf den Boden und stand auch schon augenblicklich wie fest angewurzelt. Regungslos verharrte er neben dem Kind, dem nun langsam die Äuglein zufielen, während der Ochse seinen Kopf zur Seite drehte und mit dem Schwanz eine surrende Fliege verscheuchte, die auf die Krippe zusteuerte.
„He, Esel, das Kind schläft tief und fest, du kannst dich wieder recken! Die Wette hast du gewonnen, ich bewundere dich,“ muhte anerkennend der Ochse.

Wer meint da noch, ein Esel wäre dumm und störrisch, wenn er nicht mehr weitergehen will, sondern plötzlich bewegungslos innehält?  
Er träumt nur wieder einmal von der Heiligen Nacht und von dem schlafenden Kindlein in der Krippe.


2 Märchen von Elke Weisath

Das Märchen vom Fliegenpilz – Elke Weisath
Jeder kennt den Fliegenpilz – einen hübschen schlanken Pilz, mit leuchtend roten Hut und weißen Punkten darauf.


Wisst ihr aber auch, wie der Fliegenpilz entstanden ist?
Ich will es Euch erzählen.
Vor langer Zeit, gab es in den Wäldern viele Pilze, ganz unterschiedliche Sorten- kleine und große – dicke und dünne.
Alle hatten gedeckte Farben wie der Wald.
Sie waren dunkelbraun oder hellbraun, ockerfarben, gelb oder ganz hell,
es gab grünliche Arten und rotbraune. Aber ein Pilz, ein weißer schlanker Pilz war mit seinen Aussehen nicht zufrieden.


Er wollte schöner sein, überhaupt er wollte der schönste Pilz im Walde sein.
Immer wieder bat er die Waldfee: „Ich möchte schöner und bunter und auffallender sein“. Aber die Waldfee meinte: „ Sei nicht so eitel- du bist genau so schön wie alle anderen“.

Aber genau dass wollte er nicht- er wollte der Schönste sein.
Da ersann er eine List – mit Hilfe der großen, bösen Waldspinne spannte er ein großes Netz. Sie verhakten es zwischen den Bäumen und er rief wieder nach der Waldfee. Als sie angeflogen kam, verfing sie sich im Spinnennetz, und trotz allem strampeln und zerren kam sie nicht wieder heraus.
In ihrer Angst rief sie um Hilfe.


„ Wir befreien dich wieder“, sagte der Pilz, „wenn du mich verwandelst – zum schönsten Pilz im Wald“. Da zauberte die Waldfee ihm einen roten Hut auf seinen wissen Stiel und setzte noch weiße Punkte darauf.
Dass gefiel ihm gut und so ist er nun der Auffallenstee und schönste Pilz im Wald.

Alle Menschen bewundern ihn, - aber da ihn die Fee auch heimlich zum Giftpilz gemacht hatte,  mag ihn niemand mitnehmen oder gar eine Malzeit davon zubereiten.Auch die Tiere mögen nicht von ihm naschen – vor allem nicht die Fliegen.



Das Märchen von den Tigerkatzen – Elke Weisath

Früher gab es auf den Dörfern und Bauernhöfen viele schöne große Katzen. Alle waren einfach schwarz oder grau oder weiß oder gefleckt.
Sie lebten in großen Familien zusammen streiften durch die Wälder und Scheunen, bekamen von den Bäuerinnen Milch zu trinken und ernährten sich von Mäusen und kleinen Tieren.
Im Sommer lagen sie in der Sonne und im Winter am Kachelofen oder im warmen Heu. So lebten und spielten sie und waren glücklich in ihren großen Familien.


Doch eines Tages geschah etwas Ungewöhnliches – die Lieblingsfrau des Katzenkönigs – einem großen schwarzen Kater – hatte vier Katzenkinder geboren, - zwei kleine weiße Kätzchen und zwei graue Katerchen.
Aber was war das – das eine graue Katerchen war viel größer als die anderen. Er lag mit seinen Geschwistern im weichen Heunest an den Milchzitzen seiner Mutter, trank wie sie und wuchs und wuchs.
Bald war er doppelt so groß wie die anderen Kätzchen und wurde immer größer.


Deshalb wurde er von allen anderen Katzenkindern gemieden – weil er so groß und stark war und alle besiegte.
Auch sein Vater wollte ihn auch nicht in seiner Nähe haben, er wollte keinen Sohn, der größer und stärker war als er selbst.
So wurde der große graue Kater immer einsamer und trauriger und weil niemand mit ihm spielen oder kämpfen wollte, - ging er eines Tages in den großen tiefen Wald – um einen Freund zu finden.


Zur gleichen Zeit geschah in Indien im tiefsten Dschungel etwas ganz Besonderes: die schöne Tigerprinzessin Indra ein wunderschönes braun und weißgestreiftes Tigerfräulein hatte gerade ihre ersten drei Tigerbabys geboren. Sie beleckte voller Stolz zwei große schöne gezeichnete Tigerjungen und ein zartes wunderschönes Tigermädchen.
Die beiden Buben tranken und wuchsen – aber ihr Liebling, das kleine Mädchen wurde oft verdrängt und blieb klein, zart und scheu.
Der Vater wollte das zurückgebliebene zarte Mädchen töten – aber die Mutter versteckte es geschickt Hinterbeinen und liebte es zärtlich.
Doch niemand wollte mit dem kleinen Ding spielen und es wurde immer verschüchterter und ängstlicher.


Als der Vater es ersäufen wollte, - weil es nie eine große tüchtige Tigerfrau werden würde- flüsterte die Mutter: „Lauf fort mein Kind - durch den tiefen Dschungel und immer weiter und weiter – bis du eine liebe Familie findest.“
Traurig streifte das junge Tigermädchen durch viele Wälder – bis es sich eines Tages ganz müde in einem fremden Wald in einer Höhle zur Ruhe legte.

Doch was war das: als sie am nächsten Tag erholt aufwachte, saß neben ihr ein großes, graues tigerähnliches Tier.


„Wer bist du?“, fragte sie. „ Ich bin ein großer grauer Kater, den niemand mag und auf der Suche nach jemandem, der mich liebt.“ –
Die Beiden freundeten sich an, und bald verliebten sie sich in einander und gründeten eine Familie.


Als die ersten Babys geboren wurden freuten sie sich sehr über ihre grau und bunt getigerten Kinder. Sie lebten lange Zeit glücklich miteinander – und auch ihre Kinder bekamen lauter hübsche getigerte Katzenbabys.
So zogen sie in alle Welt hinaus und als ich heute morgen in den Korb meiner Katze Emmi schaute, was meint ihr, was ich da sah: 5 graugetigerte, rotgetigerte und buntgetigerte Katzenbabys.