Donnerstag, 24.05.2012

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Sommernachtstraum Beitrag

06.10.2008 08:57 Alter: 4 Jahre
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Ein Sommernachtstraum

Kategorie: LKR Bamberg, LKR Bayreuth, LKR Coburg, LKR Forchheim, LKR Hof, LKR Kronach, LKR Kulmbach, LKR Lichtenfels, LKR Wunsiedel, Regierungsbezirk Oberfranken

Feierabend! Der Rücken schmerzt vom vielen Unkrautzupfen und Gießkannenschleppen, aber ich bin glücklich, dass ich das meiste von dem, was ich mir für heute vorgenommen hatte, geschafft habe.

Christiane Malkomes

Es ist schon ziemlich dunkel, nach der Uhrzeit eigentlich schon Zeit schlafen zu gehen. Aber der Abend ist so schön warm und friedlich, da muß ich mich einfach noch für ein Stündchen auf meine Bank vor dem Haus setzen. Ich hole mir noch ein gutes Feierabendbier, denn meine Kehle ist ausgetrocknet, und mache es mir unter meiner gelieb-ten Linde bequem.

Das Licht am Hauseingang  wirft einen warmen Schein auf die Terrasse, ich schaue zufrieden in die Runde und freue mich über die vielen Blumen um mich herum. Meine Linde schien auf mich gewartet zu haben , sie winkt mir sachte mit den Zweigen zu und eins ihrer vielen Gesichter auf ihrem Stamm scheint mit den Augen zu zwinkern. Ich winke zurück und genieße den ersten großen Schluck – ach tut das gut! Ich entspanne mich und bin wieder einmal von Herzen dankbar über dieses wunderschöne Fleckchen Erde hier. Stundenlang könnte ich so sitzen ohne etwas zu tun, die wohlige Wärme der Abendsonne, die noch immer in den dicken Mauern des Hauses gespeichert ist, im Rücken spüren und die Schönheit rings um mich herum bewundern. Alle Hektik ist von mir abgefallen, ich fühle mich restlos glücklich und zufrieden.

Ich schaue in meinen Blumengarten und erkenne im fahlen Licht der Straßenlaterne eine Lilienblüte. Heute ist sie zum ersten Mal aufgeblüht. Ich liebe Lilien, sie haben so etwas Märchenhaftes. Ein heller Schein ist um sie herum, wie ein Flimmern. Meine Augenlider werden schwer, ich muß einige Male zwinkern und dann bin ich wohl für einen Augenblick eingenickt.

Plötzlich fühle ich, wie es vor meinen geschlossen Augen hell wird. Erstaunt schaue ich auf, tatsächlich ist alles um mich herum in mildes weißgoldenes Licht getaucht und vor mir auf dem Tisch sitzt ein zauberhaftes wunderschönes kleines Wesen. Das sieht ja aus wie ein Blumenelf  aus dem Märchenbuch, denke ich. Das zierliche Elfchen hat meine Gedanken wohl gehört, denn es antwortet mir mit  lieblicher Stimme: „Recht hast du, ich bin ein Blu-menelf und darf für  eine Nacht meine Lilienblüte verlassen. In ganz besonders schönen Nächten ist es uns Blumenelfen erlaubt umherzufliegen und mit den Menschen zu reden. Leider sehen uns die meisten Menschen nicht, weil sie zu sehr mit anderen Dingen beschäf-tigt sind“

„Da habe ich aber Glück gehabt, dass du ausgerechnet zu mir gekommen bist“ antworte ich erfreut. Ich bin wieder hellwach und ganz aufgeregt, denn wer  hat in seinem Leben schon mal einen richtigen Blumenelfen gesehen!

„ Du hast wirklich Glück“, lachte das Elfchen. Da meine Lilie das erste Mal in ihrem Dasein blüht und du der erste Mensch bist, dem ich begegnet bin, darfst du dir etwas ganz Besonderes für dich  wünschen. Eine Bedingung stelle ich allerdings, dein Wunsch darf keinem Lebewesen schaden, er darf kein Geld kosten und du hast nur eine Minute Zeit. Willst du mir deinen Wunsch nennen?“
Ich weiß gar nicht, wie mir geschieht.  „Ja, natürlich, lieber Elf, ich habe doch so viele Wünsche!“
„Fein, dann hast du jetzt die einmalige Gelegenheit, deinen Wunsch auszusprechen, also überlege gut, die Zeit gilt!
Oh weh, wo soll ich anfangen, das kommt ja alles so plötzlich. Gesundheit? Aber dafür kann man auch selbst etwas tun, und sie kann Geld kosten.

„Noch 50 Sekunden!“ Ich überlege fieberhaft, in mir dreht sich alles. Viele Wünsche gehen mir durch den Kopf, aber keiner scheint mir wichtig genug. Etwas ganz Besonderes für mich, ja aber was denn nur um Himmels Willen!“
„Noch dreißig Sekunden, die Zeit läuft!“
Ich schwitze vor Anstrengung. Da habe ich nun die einmalige Gelegenheit für einen ganz besonderen Wunsch – und ausgerechnet jetzt ein Brett vor dem Kopf.
„Noch 15 Sekunden!“
Ich atme tief durch, ganz ruhig bleiben jetzt! Ich schaue umher,  mein Kopf wird etwas klarer. Mit einem Blick erfasse ich all Das Schöne um mich herum, die prachtvollen Blumen, der herrliche Blick auf  meinen geliebten Frankenwald, die liebliche kleine Gestalt vor mir, dieser himmlische Frieden, das alles hat so etwas Einmaliges, Vollkommenes –
„noch 3 Sekunden“  - ich hab’s – rufe ich. „Na dann los! In letzter Sekunde! Dein Wunsch soll erhört werden!“
„Ich wünsche mir, dass ich, wenn immer ich traurig oder verzweifelt bin, wenn  ich nicht mehr weiter weiß, wenn ich meine, das Glück hat mich verlassen und alles um mich dunkel zu werden scheint – mir dieses Bild und diese Stimmung in mein Gedächtnis zurückrufen kann. Das würde mir Kraft geben weiter zu machen, was auch geschieht!“

Da lacht der Elf ganz herzlich, es scheint, als würde rings umher die Sonne aufgehen. „Dein Wunsch  sei dir gewährt, denn er erfüllt alle Bedingungen. Du brauchst nur das Schlüsselwort zu sagen, dann wird dieses Bild vor dir auftauchen und dir neuen Mut und Kraft und inneren Frieden geben, wann immer du es brauchst.“
„Das Schlüsselwort? Bitte, wie lautet es?“
„Das Schlüsselwort ist  „ SOMMERNACHTSTRAUM!“  Der Elf erhebt seine Hände, ein feines Läuten ertönt und tausend glitzernde Funken tanzen vor meinen Augen. Ich bin wie geblendet und muss  die Augen für einen Moment  schließen. Wie ich sie wieder öffne, ist alles wie vorher, der Elf ist verschwunden,  es sieht aus als wäre nichts geschehen, als hätte ich das nur geträumt. „Sommernachtstraum“ wiederhole ich leise und alles taucht wieder vor mir auf, das ganze wunderschöne Bild, und mein Elf lacht mir aufmunternd zu.
„Ich danke dir, lieber Blumenelf, für dieses einmalige Geschenk. Es macht mich unsagbar reich und froh und keiner kann es mir stehlen.“
„Auch ich freue mich“, antwortet der Elf,  „so kann ich jederzeit wieder zu dir zurückkommen,  und wir werden und noch oft begegnen.“


Sommernacht                       

Längst schon erloschen ist der letzte Sonnenstrahl,
die schwarzen Wälder atmen Abendfrieden in die Nacht
und Nebelschwaden kuscheln sachte sich ins Tal,
als hätte die Natur sich dort ein weiches Bett gemacht.

Jenseits des Tales grüßen mich die Straßenlichter
Und neben mir da zaubert meine Hauslaterne
dort an den Stamm der Linde vielfältige Gesichter,
und ganz weit oben tummeln sich die ersten Sterne.

Die Luft ist warm und weich wie Samt und Seide
und trägt dem Duft von Rosen und von Lilienblüten,
da drängt der Mond sich langsam aus dem Wolkenkleide,
um seine goldne Sternenherde für die Nacht zu hüten.

Ganz still sitz ich auf meinem Logenplatz und träume
mit offnen Augen einen wunderschönen Traum,
der Nachtwind weht behutsam über Gras und Bäume
und streichelt sanft mein Haar, ich spür es kaum.

Der Abendtau hängt an den Blumen dort im Dunkeln,
in seinen Tropfen spiegelt sich der Lampenschein,
als würden hundert kleine Hoffnungsfeuer für mich funkeln
und ihre Wärme strahlt bis in mein Herz hinein.

Mir wird so feierlich ganz tief da drinnen,
rings um mich her spür ich Zufriedenheit
und Dankbarkeit mit allen meinen Sinnen,
und ein Gefühl von Frieden macht sich in mir breit.

Mir ist als wird in dieser stillen Feierstunde
ein lang verlorner Glaube neu in mir entfacht
an Harmonie und Frieden hier auf unsrem Erdengrunde –
und sei’s auch nur für eine traumhaft schöne Sommernacht.

von Buckenreuther Literaten Christiane Malkomes