marica
[Themenersteller] Dabei seit: 13.05.2008 Beiträge: 1
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Rentnerparteien bzw. Lobby für Rentner
Was mich bewegt ist, dass die Rentner keine Lobby haben bzw. sich auch – nach meiner Meinung – nicht genug für ihre eigenen Interessen einsetzen. Auch die bereits existierenden Rentnerparteien, wie
- Graue Panter
- Rentnerpartei
sind meines Dafürhaltens nicht schlagkräftig genug bzw. haben die „alten Zöpfe“ – z.B. das Prinzip der Leistung nur von abhängig Beschäftigen, übernommen. Ich habe den Eindruck, dass die jetzigen Rentner entweder zu feige, nicht interessiert genug sind, also krass ausgedrückt „zu satt sind“ um sich zu organisieren und Druck auf die Regierungsparteien zu machen, um eine Änderung des Rentensystems zu forcieren. In meinen Augen wird es höchste Zeit, das die Rentner zu „Rebellen“ werden.
Für mich steht jedenfalls fest, dass der bisherige Generationsvertrag aufgelöst und eine Rentenreform unumgänglich ist (und zwar jetzt, nicht erst in 5, 10 oder xxx Jahren). Hierfür ist erforderlich, dass nicht Jung ./. Alt, sondern Jung mit Alt kommunizieren, da sonst zum einen in 10 – 20 Jahren ein erhebliches Konfliktpotential entstehen wird, zum anderen das Rentenniveau nicht weiter gesenkt wird – wie sich weiter unten ergibt - . Wir sind jetzt schon auf dem besten Wege dazu ein Konfliktpotential bzw. die Altersarmut auszubauen, da so viele in Minijobs arbeiten bzw. die Mindestlöhne so gesunken sind, dass ein ausreichendes Rentenniveau zukünftig nicht mehr gegeben ist. Konkret:
Statt Generationsvertrag muss ein Solidaritätsvertrag her.
Vielen Jüngeren ist auch gar nicht bekannt, was eigentlich der Generationsvertrag bedeutet (nämlich: die Jungen bezahlen für die zukünftig „Alten“)
Solidaritätsvertrag bedeutet nach meiner Ansicht, dass es unumgänglich ist, das nicht nur die abhängig Beschäftigten, sondern a l l e in die Rentenversicherung einbezahlen müssen. Die Parteien haben dies schon seit Jahren „im Gespräch“ und dabei ist es bis heute geblieben. Es ist – wie sich jeder vorstellen kann – ein erheblicher finanzieller Unterschied, ob 26 Mio. Arbeitnehmer in die Rentenkasse einzahlen oder alle Einwohner eines Landes (hier: ca. 80 Millionen). Das heißt, jeder der eine Einkommensteuererklärung abgeben muss, muss auch in die Rentenkasse einzahlen. Das würde z.B. auch bedeuten, dass sowohl Abgeordnete, Beamte, Selbständige in die Rentenkasse einzahlen, also jeder Einkommensteuerpflichtige. Mit welcher Berechtigung müssen die abhängig Beschäftigten sachfremde Leistungen aus der Rentenkasse tragen – und nicht alle Bürger? –
Mit ist klar, dass dann auch bei dem Prinzip der Zahllast über einkommensteuerpflichtige Zahlungen an die Rentenkasse genug Lücken im Steuergesetz bleiben, das sich z.B. Selbständige sozusagen „arm rechnen“ können, dennoch wäre zumindest ein wenig mehr Gerechtigkeit gegeben.
Diese sachfremden Leistungen aus der Rentenkasse sind nur zum Teil zurückgeführt worden, die Rentenkasse würden noch erheblich besser dastehen, wenn die entnommenen Beträge voll zurückerstattet werden. Darüber wird überhaupt nicht politisch gesprochen.
Interessant ist besonders, dass beim Verhältnis der Renten zum durchschnittlichen vorherigen Einkommen deutsche Rentner mit 39,9 % auf dem viertletzten Platz einer insgesamt 23 OECD-Länder umfassenden Rangreihe liegen. Der Abstand zum "Schlusslicht" Großbritannien mit 30,8 % ist aber minimal und jedenfalls wesentlich kleiner als zu den "Spitzenreitern" Griechenland mit 95,7 %, Luxemburg mit 88,3 % oder Niederlande mit 81,9 %.
• Das Niveau der Renten, welche diejenigen erhielten, die vorher das doppelte durchschnittliche Einkommen erhielten, lag mit 30 % noch niedriger, aber immerhin rückt Deutschland hier auf den siebtletzten Platz vor. Zu den letztplatzierten Ländern gehören ebenfalls erneut Großbritannien oder Japan und an der Spitze liegen mit Niveaus über 80 % immer noch Griechenland, die Niederlande und Luxemburg.
• Betrachtet man sich das Rentenniveau für die Personen, die als Erwerbstätige nur die Hälfte des durchschnittlichen Einkommens erzielten, erhielt diese schon lebenslang ärmere Personengruppe ebenfalls nur 39,9 % ihres halben Durchschnittseinkommens. Da praktisch alle anderen 22 Länder der damit wahrscheinlichen Altersarmut gegensteuern, rutscht Deutschland in dieser Betrachtung auf den letzten Platz der OECD-Länder. Selbst die US-Amerikaner, die dieser Rentnergruppe angehören, erhielten mit 55,2 % ihres halben Durchschnittseinkommens noch mehr und der Abstand zum vorletzten Land, Japan, betrug rund 8 Prozentpunkte. An der Spitze liegt bei der Rentenpolitik gegen Altersarmut Dänemark, das den armen Rentnern ein Rentenniveau von 119,6 % des vorherigen halben Durchschnittseinkommens verschafft. Wie in einigen anderen sozialen Bereichen (z. B. Bildungschancen für Kinder und Jugendlichen aus unteren sozialen Schichten) auch, ist offensichtlich die Wirksamkeit des deutschen Sozialstaats ausgerechnet bei den unterprivilegiertesten Bevölkerungsgruppen zunehmend eingeschränkt. Dies wird durch weitere Analysedaten des OECD-Berichts vielfach unterstrichen.
• Wie politisch beeinflusst das Rentenniveau ist, zu welchem Volumen sich viele Einzelmaßnahmen addieren und dass es auch anders geht, zeigt eine weitere vergleichende Analyse der OECD. Danach senkten die Rentenreformen der letzten Jahre das Rentenniveau für Personen mit durchschnittlichem Einkommen in Deutschland von 48,7 % auf die bereits bekannten 39,9 %. Nur in wenigen Ländern gab es einen vergleichbaren oder sogar noch kräftigeren Abbau - natürlich von jeweils unterschiedlichen Niveaus aus. Bei der Mehrzahl der OECD-Länder war der Niveauverlust geringer.
Zu den vielen möglichen Folgeeffekten dieser Entwicklungen (z. B. Altersarmut) außerhalb des engeren rentenpolitischen Bereichs gehört die Schwäche und sogar noch laufende Schwächung der Einnahmenbasis für die Beiträge der Rentner zur Gesetzlichen Krankenversicherung.
Ich will also durchaus nicht behaupten, dass es nicht andere Formen einer gerechteren Rentenpolitik gibt oder Möglichkeiten einer anderen Rentenberechnung (z.B. jeder Einzahlende erhält ein eigenes Beitragskonto u.a. mehr).
Ich würde mich freuen, wenn ich zu diesem Thema Antworten bekommen würde.
Marica
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Hilde.
Dabei seit: 03.03.2008 Beiträge: 11
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Hallo Marcia,
Dein Beitrag klingt so, als hättest Du Dich intensiv damit beschäftigt. Er klingt sehr kompetent. Einzig den Schlusssatz finde ich schwierig, da Du nicht wirklich Fragen gestellt hast, wirst Du auch kaum Antworten bekommen. Von der Sache her wird Dir aber sicher jeder Rentner und viele zukünftige Rentner recht geben.
Versuch doch, da Dich dieses Thema zu begeistern vermag, einfach mal ein -Deiner Einschätzung nach- tragfähiges Konzept auszuarbeiten und konfrontiere die etablierten Parteien und auch Randgruppen mal damit. Vielleicht ist ja einer dabei, der das aufgreift...
Viel Glück und viel Erfolg wünsche ich Dir dabei. Ich finde es toll, dass Du so viel Energie dafür aufbringst.
Viele Grüße,
hilde.
[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 19.08.2008 um 07:04.]
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